Technik

Diese Zahnspange wurde mit einem 3D-Drucker hergestellt.
Bild: Amos Dudley

Wenn der Kieferorthopäde überflüssig wird: Dieser Typ druckt sich seine Zahnspange einfach selbst

19.03.16, 17:33

Was Amos Dudley erlebt hat, dürfte vielen Leuten bekannt vorkommen: Als Kind trug er eine Zeit lang eine Zahnspange (die natürlich von seinen Eltern finanziert wurde) und weil er sich anschliessend nicht darum gekümmert hat, das Ergebnis der kieferorthopädischen Behandlung aufrecht zu erhalten, haben sich die Zähne wieder verschoben.

Und so muss Dudley im Alter von 23 Jahren feststellen, dass er kein schönes Gebiss mehr hat. Das Unwohlsein darüber ist dermassen gross, dass er nicht mal mehr lächeln möchte. Ausserdem schämt er sich: «Es fühlte sich an, als hätte ich das Geld meiner Eltern aus dem Fenster geworfen», zitiert Buzzfeed den 23-jährigen Studenten.

Weil er sich mit dieser Situation nicht abfinden will, startet er eine Online-Recherche und findet dabei heraus, dass man die Art von Zahnspange, die er benötigen würde, mit einem 3D-Drucker herstellen könnte. Als «Digital Design»-Student hat Dudley Zugang zu einem solchen Gerät, weshalb er sich fragte: «Was sollte jemanden, der Zugang zu einem 3D-Drucker hat, davon abhalten, sich eine Zahnspange selbst zu drucken?»

Gesagt, getan: Als nächstes stürzt sich der Student des New Jersey Institute of Technology in die Recherche-Arbeit und stellt anschliessend Schritt für Schritt eine Zahnspange für sich selbst her.

Kostenpunkt für eine fertige Zahnschiene? 60 Dollar – und somit nur Bruchteil eines professionell hergestellten Exemplars.

Bei seinem Projekt geht es dem Studenten aber nicht nur um den finanziellen Aspekt: «Es hat mich einfach gereizt, dieses Experiment zu wagen», so Dudley.

Den Prozess der Herstellung dokumentiert der Student detailliert auf seinem Blog und zieht daraus noch einen weiteren Nutzen, indem er das Experiment als Teil eines Uni-Projektes nutzt.

Und so sieht die fertige Schiene aus dem 3D-Drucker aus:

Doch zeigt das Teil auch seine Wirkung? Wenn man den folgenden beiden Bildern Glauben schenken darf, schon: Das erste Foto zeigt Dudleys Zähne vor der «Behandlung», das zweite Bild zeigt seine Zähne, nachdem er die Schiene 16 Wochen lang getragen hat.

Vorher (mit Zahnspange im Mund):

Bild: Amos Dudley

Nachher (ohne Zahnspange):

Bild: amos dudley

Zufrieden mit dem Ergebnis lächelt Dudley nun wieder von Herzen gern. Einige Leute, die das Projekt auf Dudleys Blog mitverfolgt haben, raten ihm dazu, ins Zahnspangen-Business einzusteigen. Doch er hat kein Interesse daran, auch für andere Personen derartige Schienen herzustellen. Trotzdem hofft er, dass seine Idee einen kleinen Anstoss gibt. Denn seiner Meinung nach gebe es in dem Bereich zu wenig Konkurrenz, weshalb die Preise für Zahnspangen viel zu hoch seien. (viw)

Passend dazu: Warum zum Henker haben diese 23 Erfindungen die Welt nicht im Sturm erobert?

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    Alle Leser-Kommentare
  • kliby 19.03.2016 18:43
    Highlight "Als nächstes stürzt sich der Student des New Jersey Institute of Technology in die Recherche-Arbeit und stellt anschliessend Schritt für Schritt eine Zahnspange für sich selbst her."
    "Kostenpunkt für eine fertige Zahnschiene? 60 Dollar – und somit nur Bruchteil eines professionell hergestellten Exemplars."
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    tja, liebe journalisten, ihr habt einfach vergessen, die kosten für die arbeit miteinzuberechnen. ich empfehle etwas ökonomische bildung.
    23 10 Melden
    • bärnergiu 19.03.2016 20:10
      Highlight Es handelt sich dabei ja um einen Prototypen. Sobald die Produktionsmenge erhöht wird, rücken die Fixkosten in den Hintergrund und es zählen die reinen Herstellungskosten (a.k.a 60 Dollar).

      tja, lieber kliby, Sie haben einfach vergessen, dass das Produkt noch nicht serienreif ist. Ich empfehle etwas Fachkunde in Produktentwicklung.
      19 21 Melden
    • kliby 19.03.2016 22:34
      Highlight giu, er musste die arbeit eines kieferorthopäden machen: diagnose stellen, aufgrund von erarbeitetem knowhow behandlung wählen etc - das ziel/resultat ist ja nicht die zahnspange, sondern gut sitzende zähne. die manuelle arbeit des herstellers der spange ist da schon etwas einfacher: zahnabdruck abnehmen, ding bauen. etc, muss aber auch gemacht werden.
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      wie sollen diese arbeiten wegfallen, wenn die produktionsmenge erhöht wird? ein arztbesuch bleibt ein arztbesuch. ich wiederhole mich: arbeitskosten vergessen miteinzuberechnen.
      14 7 Melden
    • bärnergiu 19.03.2016 23:45
      Highlight Ich stimme mit Ihnen überein, dass die Kosten von 60 Dollar nicht alles umfassen. Meiner Meinung nach wird hier aber nicht vermittelt, dass die ganze Arbeit soviel kostet, sondern lediglich die Herstellung der Zahnschiene. Und genau hier liegt ja der springende Punkt: Gemäss seiner Meinung liegt hier das Einsparpotential aufgrund mangelnder Konkurrenz, diese täte dieser Branche (und unserem Portemonnaie) nämlich gut.

      Was die Zahnschiene letztendlich für den Patienten kostet, ist ein anderes Thema.

      Und andererseits gibt es wichtigers als diese Diskussion hier.
      E schöne Hinech u nüt für unguet
      11 5 Melden

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