Terrorismus
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Dschihadisten rücken von mehreren Seiten auf Bagdad vor

13.06.14, 09:01 13.06.14, 19:35

Ticker: Irak, 13.06.2014

This image made from video posted by Iraqi0Revolution, a group supporting the al-Qaida breakaway Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) on Wednesday, June 11, 2014, which has been verified and is consistent with other AP reporting, shows a militant standing in front of a burning Iraqi Army Humvee in Tikrit, Iraq. The al-Qaida-inspired group that led the charge in capturing two key Sunni-dominated cities in Iraq this week has vowed to march on to Baghdad, raising fears about the Shiite-led government’s ability to slow the assault following lightening gains. Fighters from ISIL on Wednesday took Saddam Hussein's hometown of Tikrit, as soldiers and security forces abandoned their posts and yielded ground once controlled by U.S. forces. (AP Photo/Iraqi0Revolution via AP video)

Bild: AP/Iraqi0Revolution

In der irakischen Hauptstadt Bagdad bereiteten sich Sicherheitskräfte und Bürger auf mögliche Angriffe der Dschihadisten vor. Augenzeugen berichteten von massiven Sicherheitsmassnahmen. Polizei und Soldaten patrouillierten durch die Strassen, Kontrollposten wurden aufgebaut. «Die Sicherheitskräfte sind in maximaler Alarmbereitschaft», verlautete aus Sicherheitskreisen.

Der Direktor des Instituts für Militäranalyse im Nahen Osten und am Golf, Riad Kahwadschi, schätzte die Zahl der kampfbereiten Dschihadisten in den Regionen nördlich von Bagdad auf bis zu 15'000. 

Im Ostirak bereiteten sich kurdische Truppen auf eine Gegenoffensive vor. Das Mediennetzwerk «Rudaw» berichtete, die Peschmerga-Soldaten hätten ihr Einflussgebiet über Kirkuk hinaus ausgeweitet. Die kurdische Armee sei rund 50 Kilometer weiter gen Süden vorgedrungen.

Zuvor hatte ISIS (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) laut Medienberichten die Stadt Dschalula sowie die Ortschaft Saadija in der Provinz Dijala übernommen. Dort leben neben Arabern viele Kurden und Turkmenen. Dschalula liegt 125 Kilometer nordöstlich von Bagdad und ist nur 35 Kilometer Luftlinie von der iranischen Grenze entfernt.

Der irakische Grossajatollah Ali al-Sistani rief am Donnerstag seine schiitischen Glaubensbrüder zum Widerstand auf. Die Schiiten sollten vor allem die Heiligtümer in Nadschaf und Kerbela schützen, liess er verkünden.

Die im Syrienkrieg stark gewordene Miliz ISIS hatte zu Beginn der Woche die nördliche Millionenstadt Mossul eingenommen. ISIS-Kämpfer waren am Donnerstag bis auf 60 Kilometer an Bagdad herangerückt. Ziel der Miliz ist ein sunnitischer Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Persischem Golf.

Die irakische Armee wurde von den USA ausgebildet und mit 25 Milliarden Dollar unterstützt. Sie hat der ISIS bislang aber kaum etwas entgegenzusetzen. Die Streitkräfte sind durch Fahnenflucht geschwächt. Die Sunniten im Irak werfen der Armee wie auch der Regierung vor, vordringlich schiitische Interessen zu verfolgen. Die USA haben ihre Truppen 2011 abgezogen.

Die Kurden, die im Nordirak eine eigene autonome Region kontrollieren, haben sich die Situation zunutze gemacht und ihr Territorium ausgedehnt. So kontrollieren sie mittlerweile unter anderem die Ölstadt Kirkuk, die ausserhalb des Gebiets ihrer Enklave liegt. 

Eine Million Menschen auf der Flucht 

Gemäss der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind rund eine Million Iraker auf der Flucht. Allein in Mossul waren innert weniger Stunden 500'000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

 Dort lief inzwischen eine Nothilfe des Welternährungsprogramms WFP für 42'000 Menschen an, wie die UNO-Organisation mitteilte. Die UNO-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay erklärte sich laut ihrem Sprecher besorgt über Massenhinrichtungen.

Iran verspricht Irak Hilfe im Kampf gegen Terrorgruppe ISIS

Irans Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland Irak die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe ISIS zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen. Dies sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki nach Angaben der Webseite des Präsidialamts vom Freitag. 

Dementsprechend beauftragte er seinen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif, alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, Sarif habe bereits Kontakt mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, der Organisation für Islamische Zusammenarbeit und seinen Amtskollegen in der Türkei, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen. Der iranische Chefdiplomat forderte demnach gemeinsame Massnahmen gegen die Terrorgruppe ISIS im Irak.

Nach Auffassung Teherans sind die Erfolge der ISIS auch eine Konsequenz der westlichen Politik in der Syrien-Krise. Terroristen sei nicht nur Spielraum gegeben worden, man habe sie sogar ermutigt. Für das schiitische Land ist es eine Genugtuung, auch gegenüber der Türkei und Saudi-Arabien, dass deren Unterstützung für die Rebellen in Syrien zu einer Eskalation der Krise geführt habe. (kub/sda/dpa/reu)



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    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 13.06.2014 20:32
    Highlight Eigentlich ist das irakische Gelände ideal für nach amerikanischer Militärdoktrin aufgebaute Armeen. Dass es den ISIS-Kämpfern aber so leicht gelingt, die irakischen Regierungstruppen zu übertölpeln, sollte uns zu denken geben. Die Schweizer Armee ist nämlich genauso nach amerikanischer Doktrin aufgebaut. Deshalb: Genau hinschauen und die Lehren daraus ziehen.
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  • Adonis 13.06.2014 18:45
    Highlight Wie macht man mit 16 Bill. Dollar Schulden einen Krieg? Besser nicht. Solls doch der Putin richten, da hätten sie echte Gegner vor der Flinte.
    1 0 Melden
  • zombie1969 13.06.2014 12:37
    Highlight Sollten die Isis-Kämpfer an die Ölquellen gehen, dann haben sie bereits verloren. Die USA kennen kein Pardon, wenn einer an ihre Lebensgrundlage will. Daher kann bereits jetzt davon ausgehen werden, dass Isis bald Geschichte ist und der überlegenen Feuerkraft von oben (Drohnen und Airforce) nichts entgegenzusetzen hat. Und genau das ist der Grund, warum es gut ist, dass die USA weiterhin die Supermacht darstellen und nicht etwa China, Indien oder Russland.
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