Terrorismus
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Boko Haram im Verdacht

Mindestens 118 Tote bei Doppelanschlag in Nigeria 

20.05.14, 20:45 21.05.14, 08:51
epa04216483 Crowds gather at the scene of an explosion at Terminus Market in Jos, Nigeria, 20 May 2014. Dozens of people were killed in a twin bombing at a crowded market in the Plateau State capital Jos in central Nigeria, witnesses said. The bombing occurred at the Jos Main Market, between a railway terminus and Jos University Teaching Hospital, according to Major General Dave Enetie. One bomb was hidden in a truck, the other in a minibus.  EPA/STRINGER

Bild: EPA/EPA

Bei einem Doppelanschlag im Zentrum Nigerias sind am Dienstag mindestens 118 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Menschen wurden durch die Explosion zweier Autobomben auf einem Marktplatz in der Stadt Jos verletzt, wie die Polizei mitteilte.

Wie die Polizei mitteilte, detonierten die Sprengsätze im Abstand von wenigen Minuten und rissen Passanten sowie Mitglieder der alarmierten Rettungsmannschaften in den Tod. «Dutzende Menschen sind gestorben, hauptsächlich Frauen», sagte der Sprecher der Regionalregierung, Pam Ayuba. 

Am Nachmittag sprengten die Attentäter zunächst einen Lastwagen in die Luft, wie das Militär mitteilte. Die Rettungskräfte seien schnell vor Ort gewesen. Etwa 20 Minuten später sei in einem Kleinbus dann die zweite Bombe explodiert. Laut Zeugenaussagen wurden dabei auch mehrere Sanitäter getötet. 

Einige Opfer könnten aufgrund der starken Verbrennungen nicht identifiziert werden, teilte das Nationale Katastrophenschutzamt mit. Feuerwehrleute seien im Einsatz, um den Grossbrand am Anschlagsort zu löschen. Mehrere Geschäfte seien durch das Feuer komplett zerstört worden. 

Boko Haram als Urheber vermutet 

Jos liegt im Bundesstaat Plateau, an der Schnittstelle zwischen dem christlich geprägten Süden Nigerias und dem muslimischen Norden. In der Vergangenheit gab es dort immer wieder tödliche Auseinandersetzungen

Hintergrund sind oftmals religiös motivierte Konflikte. Die Extremistengruppe Boko Haram, die im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamistischen Staat kämpft, hatte im Juli 2012 ausserhalb von Jos eine Trauergemeinde angegriffen. 

In der nördlichen Stadt Kano wurden nach Polizeiangaben derweil zwei Männer festgenommen, die mit einem Selbstmordanschlag vom Sonntag in Verbindung gebracht werden. Sie wurden von Passanten, die sie über das Attentat reden hörten, an einer Bushaltestelle festgehalten und anschliessend in Polizeigewahrsam genommen. Bei dem Anschlag auf einen überwiegend christlichen Stadtteil waren vier Menschen getötet worden. 

Keine Spur von entführten Mädchen 

Seit dem Jahr 2009 verübt Boko Haram immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Mitte April überfielen Boko-Haram-Kämpfer eine Schule in der Stadt Chibok im nordöstlichen Bundesstaat Borno und verschleppten 276 Schülerinnen. Mehrere Mädchen konnten sich befreien, noch immer werden aber 223 von ihnen an unbekanntem Ort festgehalten

Nigerias Regierung forderte den UNO-Sicherheitsrat am Dienstag offiziell auf, Boko Haram als Terrororganisation einzustufen und wegen ihrer Verbindungen zu al-Kaida auf die Sanktionsliste gegen das Terrornetzwerk zu setzen. Falls keines der 15 Mitglieder des UNO-Gremiums Einspruch erhebt, tritt die Massnahme am Donnerstagabend in Kraft. 

Die Verhängung internationaler Strafmassnahmen wie Reiseverbote, Kontosperrungen und Waffenembargos war am Samstag bei einem Krisengipfel in Paris vorgeschlagen worden, zu dem sich Nigeria und mehrere Nachbarländer sowie Vertreter der EU und der USA getroffen hatten. Bei der Konferenz vereinbarten Nigerias Präsident Goodluck Jonathan und seine Kollegen aus Kamerun, Niger, Tschad und Benin auch einen gemeinsamen Aktionsplan, um Boko Haram zu bekämpfen. 

Der Terror der Extremisten treibt im Norden Nigerias immer mehr Menschen in die Flucht: Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustands in den besonders schlimm betroffenen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa wurden dort nach UNO-Angaben 250'000 Menschen vertrieben. Rund 61'000 weitere hätten in Kamerun, Tschad und Niger Zuflucht gesucht. (rey/sda/dpa/afp) 

Augenzeugen berichteten von Dutzenden Toten, die von den Rettungsdiensten abtransportiert worden seien. «Viele Menschen rennen mit Blut an ihren Kleidern vom Tatort weg», sagte ein Augenzeuge am Dienstag. Rund um den zentralen Markt wurden ein Spital und andere Gebäude beschädigt. Mächtige Rauchwolken lagen über dem Ort.



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