Terrorismus
epa04195186 Members of the Niger Delta Civil Society Organisation protest over the government's failure to rescue the abducted Chibok school girls in Port Harcourt, Nigeria, 07 May 2014. The Islamist group Boko Haram has claimed responsibility for abducting over 200 girls from their school in Chibok, Borno state over two weeks ago. The Nigerian government has offered a reward for any information leading to the abductors and has accepted the help of the US in finding the girls.  EPA/STR

Protestdemo gegen Boko Haram in der Hafenstadt Port Harcourt. Bild: EPA

Nigeria

Boko-Haram-Kämpfer metzeln 200 Dorfbewohner nieder

Sie kamen und töteten wahllos: Milizen der Terrorgruppe Boko Haram haben das Dorf Gamboru im Nordosten Nigerias überfallen. Mindestens 200 Menschen starben bei dem Angriff. 

07.05.14, 12:27 07.05.14, 16:41

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram setzt ihren blutigen Kampf für einen Gottesstaat im Norden Nigerias mit weiteren Angriffen fort. Mehr als 200 Menschen wurden laut Augenzeugen bei einer neuen schweren Attacke im nordöstlichen Bundesstaat Borno getötet.

Wie die Zeitung «Daily Trust» berichtete, überfielen bewaffnete Männer in der Nacht das Dorf Gamboru und ermordeten die Einwohner wahllos. «Die Leute zählen noch immer die Leichen. Bisher sind es 200, aber es gibt noch viel mehr», sagte der Lokalpolitiker Abdulrahman Terab.

Mindestens 6000 Tote seit 2009

Unter den Opfern sollen auch 16 Polizisten sein. «Die Angreifer haben den grössten Markt des Dorfes zerstört und zahlreiche Waren verbrannt, die für den Export gedacht waren», sagte ein Überlebender. Die Nachrichtengentur AFP berichtete von mehr als hundert Toten. Sie berief sich auf Augenzeugen. 

Boko Haram hat seit 2009 bei zahlreichen schweren Anschlägen mindestens 6000 Menschen getötet. Die Gruppe hat sich auch zur Entführung von über 200 Mädchen aus einer Schule im Dorf Chibok bekannt. Drei Wochen nach der Tat fehlt von den Schülerinnen weiter jede Spur. 

Video: YouTube/The New York Times

Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau sagte in einem Bekennervideo, er werde die Mädchen als Sklavinnen verkaufen. Anfang dieser Woche verschleppten Boko-Haram-Kämpfer weitere Mädchen in der gleichen Region. Nach einem Bericht der Zeitung «Vanguard» wurden elf Mädchen gekidnappt.

Die Polizei setzte am Mittwoch 50 Millionen nigerianische Naira (rund 271'000 Franken) für Hinweise zum Aufenthaltsort der Mädchen aus. Alle Nigerianer sollten sich verpflichtet fühlen, bei der Lösung des derzeitigen Sicherheitsproblems im Land zu helfen, erklärte Polizeisprecher Frank Mba.

USA bieten Unterstützung an

Präsident Goodluck Jonathan begrüsste ein Angebot der US-Regierung, bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Er habe dies bei einem Telefonat mit Aussenminister John Kerry deutlich gemacht, teilte der nigerianische Regierungssprecher Reuben Abati mit.

«Mr. Kerry hat Präsident Jonathan versichert, dass die USA sich dazu verpflichten, Nigeria alle nötige Unterstützung zu geben, um die entführten Mädchen zu retten und den Terror der Boko Haram zu einem Ende zu bringen», zitierte die Zeitung «Premium Times Nigeria» aus der Mitteilung.

Ein US-Behördenvertreter hatte zuvor gesagt, Washington werde Geheimdienstinformationen mit Nigeria austauschen. Zudem soll offenbar Sicherheitspersonal zur Unterstützung der nigerianischen Suchtrupps entsandt werden.

Höchste Sicherheitsvorkehren für Wirtschaftstreffen

Derweil begann in der nigerianischen Hauptstadt Abuja unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen das diesjährige Weltwirtschaftsforum für Afrika. Mehr als 1000 Delegierte aus 70 Ländern nehmen an dem Treffen teil, darunter die Präsidenten von Ruanda, Senegal, Ghana, Algerien und Kenia sowie der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang.

Präsident Goodluck Jonathan mit dem chinesischen Regierungschef Li Keqiang. Bild: AFP

Ein Gelingen des Treffens gilt als sehr wichtig für das westafrikanische Land, das zur stärksten Wirtschaftsmacht des Kontinents aufgestiegen ist. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen hat Nigerias Präsident Jonathan angeordnet, während der bis Freitag dauernden Konferenz alle Schulen und Büros zu schliessen. Zudem patrouillieren Sicherheitskräfte in allen strategisch wichtigen Strassen in der Stadt.

Im vergangenen Monat waren bei einem Bombenattentat auf einen Busbahnhof in Abuja vermutlich mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Auch zu dieser Tat hatte sich Boko Haram bekannt. (pbl/sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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