USA

Irakisches Geld in libanesischem Bunker

Das Rätsel um die verlorenen Irak-Milliarden

Mit Flugzeugen brachten die USA nach dem Fall von Saddam Hussein Milliarden Dollar in den Irak. Viel Geld versickerte, Generalinspekteur Bowen verzweifelte oft. Es gab eine heisse Spur in den Libanon - aber niemand wollte ihr nachgehen. 

12.10.14, 22:31 13.10.14, 09:32

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Es war sehr viel Geld. Unglaublich viel Geld. Zwischen 12 und 14 Milliarden Dollar, um genau zu sein. So viel hat die US-Regierung nach dem Fall von Saddam Hussein per Flugzeug in den Irak verfrachtet. Es waren Öl-Milliarden, sie gehörten der irakischen Bevölkerung, lagen auf US-Konten – und wurden dringend benötigt. Also lud man unzählige Paletten mit 100-Dollar-Noten in Flugzeuge und brachte sie nach Bagdad. 

Nun kam heraus: Über eine Milliarde Dollar aus diesem Geldbestand soll mutmasslich gestohlen worden sein und landete in einem Bunker im Libanon. Wie konnte das passieren? 

Bargeld für Bagdad: Mehr als sechs Milliarden Dollar gingen auf dem Weg verloren. Bild: SIPHIWE SIBEKO/REUTERS

Diese Frage hat sich Stuart Bowen oft gestellt. Der US-Generalinspektor für den Wiederaufbau im Irak ist schon seit Jahren dem Geld auf der Spur, das per Flugzeug oder Überweisung aus den USA in den Irak befördert wurde und dann versickerte. Rund 6,6 Milliarden Dollar werden insgesamt vermisst. «Ich weiss nicht, wie das Geld in den Libanon gekommen ist», sagt Bowen der US-Tageszeitung «New York Times»

«Die irakische Verwaltung war pleite»

Im Juni 2004 hatte die Koalitions-Übergangsverwaltung CPA, die nach dem Ende der Saddam-Diktatur das Land verwaltete, Geld aus dem Entwicklungsfonds angefordert. «Die irakische Verwaltung war pleite», sagt Paul Bremer, der damalige Leiter der CPA. «Regierungsangestellte waren seit über drei Monaten nicht bezahlt worden.» Also wurden die Milliarden losgeschickt und dem Finanzministerium übergeben. 

Bei vielen Milliarden lässt sich jedoch nicht mehr rekonstruieren, wohin sie flossen. Bowens Untersuchungen verliefen oft frustrierend, doch dann erhielt ein libanesisch-amerikanischer Mitarbeiter seines Büros den Tipp, dass gestohlenes Geld in einem libanesischen Bunker liege. Zwischen 1,2 und 1,6 Milliarden Dollar sollten dort gelagert sein, dazu noch Gold im Wert von 200 Millionen Dollar. Das Büro gab dem Fall den Codenamen «Brick Tracker», zu deutsch: Ziegel-Aufspürer. 

Bowen schlug Alarm, informierte die US-Regierung, CIA und FBI - und wurde enttäuscht. Niemand interessierte sich für die heisse Spur. «Ein Grund dafür, dass die amerikanischen Behörden nicht ermitteln, ist: Es handelt sich um irakisches Geld», sagt Bowen. Schon die Bush-Regierung habe sich nicht um seine Geldsuche gekümmert – und unter Barack Obama wurde es nicht besser. 

«Es ist für mich persönlich enttäuschend»

Doch auch die irakische Regierung wollte den Fall nicht verfolgen. Bowen erzählt der «New York Times», dass er Premierminister Nuri al-Maliki von dem Bunker berichtet hatte, dieser aber nie Ermittlungen einleitete. Bowen durfte nicht selbst in den Libanon reisen, er schickte aber zwei Mitarbeiter. Diese bekamen jedoch keine Erlaubnis, den Bunker zu betreten. 

Mittlerweile ist das Büro von Bowen geschlossen. Der ehemalige Generalinspekteur glaubt, dass mindestens ein Teil des Geldes mittlerweile weggeschafft worden ist. Es sei unmöglich zu sagen, ob die Milliarde noch in dem Bunker ist. Bowen hat der Fall frustriert: «Wir dachten, wir sind dem verlorenen Geld auf der Spur. Es ist für mich persönlich enttäuschend, dass wir den Fall nicht lösen konnten.» (bka)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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