USA

Der türkische Präsident Erdogan fordert eine Erklärung von Obama. Bild: EDGARD GARRIDO/REUTERS

Chapel Hill 

Nach dem Dreifach-Mord an drei Muslimen: Erdogan fordert Stellungnahme von Obama 

Craig Stephen Hicks hat drei Muslime in North Carolina erschossen. Tötete er sie wegen eines Streits um Parkplätze – oder aus Hass auf den Islam? Der türkische Präsident Erdogan fordert von US-Präsident Obama eine Erklärung. 

13.02.15, 08:04

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Barack Obama aufgefordert, zu der Ermordung dreier Muslime im US-Bundesstaat North Carolina Stellung zu nehmen. Dies erklärte er während eines Staatsbesuchs in Mexiko. Politiker seien verantwortlich für die Ereignisse in ihrem Land und müssten ihre Haltung erklären, so Erdogan. Neben Obama sieht Erdogan auch dessen Vize Joe Biden und den US-Aussenminister John Kerry in der Erklärungspflicht.

Der Täter Craig Hicks hat die drei jungen Moslems mit Kopfschüssen in ihrem eigenen Haus ermordet.  Bild: AP/The News & Observer

Ein Mann, seine Ehefrau und dessen Schwester waren am helllichten Nachmittag in ihrem eigenen Haus in Chapel Hill erschossen worden. Der Täter ist geständig: Craig Stephen Hicks stellte sich selbst der Polizei. Sein Motiv ist allerdings unklar. Die Polizei vermutet einen Nachbarschaftsstreit um Parkplätze als Auslöser. Doch die Familienangehörigen der Opfer sind überzeugt, dass Hicks die drei aus Hass auf den Islam getötet hat.

Die trauernden Eltern des getöteten Zahnmedizin-Studenten Deah: Namee Barakat und seine Frau Layla. Bild: Allen G. Breed/AP/KEYSTONE

Der zuständige Staatsanwalt sagte am Mittwoch, es gebe keine Hinweise darauf, dass die drei wegen ihres Glaubens getötet worden seien. Bei dem Begräbnis, zu dem am Donnerstag mehr als 5000 Menschen gekommen waren, sagte der örtliche Polizeichef, man werde jeder Spur nachgehen und auch die Möglichkeit eines Mordes aus religiösen Motiven untersuchen.

Mehr als 5'000 Menschen sind zum Begräbnis der drei getöteten Studenten gekommen.  Bild: AP/The News & Observer

Hicks bezeichnet sich selbst als «bewaffneten Atheisten». Am 4. März soll er vor einem Untersuchungsrichter aussagen. Nachbarn berichteten, dass sie mit ihm regelmässig in Streit geraten seien. Seine Ex-Frau sagte US-Medien, er sei besessen von dem Film «Falling Down». Der Film zeigt einen amerikanischen Durchschnittsmann – gespielt von Michael Douglas –, der eines Tages ausrastet, ein Restaurant überfällt und zum Mörder wird.

In Chapel Hill und Umgebung leben viele Muslime, die nun um ihre Sicherheit besorgt sind. Sie berichten davon, dass sich nach den Anschlägen von Paris Anfang Januar die Stimmung in der Gegend merklich verändert habe. So stoppte die Duke University in North Carolina den Plan, am Freitag einen Muezzin zum islamischen Gebet rufen zu lassen. Die Hochschule hatte Drohungen erhalten.

(vet)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Citation Needed 13.02.2015 12:38
    Highlight Damit versucht er nur bei seinen Leuten den Hass auf den Westen, mainly USA, zu schüren und sich zum gerechten Kämpfer hochzujubeln. Als ob noch nicht genug Öl im Feuer wär..
    2 0 Melden
  • sewi 13.02.2015 11:50
    Highlight Bin ich froh, dass der Erdogan nicht so ein schmeichelnder Lügner ist wie viele die im Namen des Islams reden. Er zeigt uns ein realistisches Bild der islamischen Ideologie.
    1 1 Melden
  • Angelo C. 13.02.2015 11:46
    Highlight Etwas schwach, wegen einer Einzeltat gleich einen Staatspräsidenten um eine sinnvolle Erklärung zu ersuchen. Die polizeilichen Abklärungen werden diese Fragen sicher beantworten. Daraus aber gleich eine grossspurige internationale Aktion zu machen zeigt gerade im Falle Erdogans, der sein Land in die Aera vor Atatürk zurückführen will, woher der Wind pfeift. Ein unverlässlicher Nato-Partner mit Grossmachtallüren, einer der ISIS stillschweigend, da und dort auch aktiv die Stange hält, sollte sich derart dümmliche Anfragen eigentlich schenken. Sie werten ihn nicht auf.
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  • Neemoo 13.02.2015 10:08
    Highlight Gewalt erzeugt gegen Gewalt! Und das meine ich jetzt nicht auf die Tat bezogen. Klar, es ist schrecklich, wenn sich Menschen zu so einer Tat hinreissen lassen. Von wo kommt diese Wut auf den Islam? In aller erster Linie ist es doch eine Religion, wie auch das Christentum. Und keiner der beiden ist besser. Sollte es bei einem Glauben nicht um Grundsätze gehen, wie z.b mal einander ZUHÖREN? Mich macht das ganze irgendwie sprachlos. Da bekämpft man sich gegenseitig und weis nicht einmal, ob es diese Gottheiten gibt. Lauter ????????
    0 0 Melden
  • Gibaue 13.02.2015 09:19
    Highlight Ich hoffe Obama verlangt im Gegenzug von Erdogan auch einige Erklärungen bezüglich seiner Haltungen: z.B. Zum Thema Meinungsfreiheit, die Festnahme von Hunderten Gülen Anhängern oder die indirekte Unterstützung Erdogans für den IS.
    15 1 Melden
  • Adonis 13.02.2015 09:17
    Highlight Herr Erdogan und wie macht's man mit den Christen in der Türkei, da gibt's kein Geschrei! Reimt sich sogar.
    18 1 Melden

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