USA

Furcht vor Selbstjustiz

Das Urteil gegen Zimmerman löste heftige Proteste in den USA aus. Bild: Reuters/AP

Trayvon Martins Mörder wurde freigesprochen, doch frei ist er nicht

George Zimmerman muss sich vor Selbstjustiz fürchten: Am Strand von Miami wurde er von einer wütenden Menschenmenge verfolgt. Der Killer ist selbst schuld – denn er sucht immer wieder die Öffentlichkeit.

21.02.14, 13:53 21.02.14, 15:15

George Zimmerman. Bild: Getty Images North America

2012 erschoss George Zimmerman in Florida den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin. Zimmerman, selbst ernannter Quartiersheriff, berief sich auf Notwehr und wurde im Juli vergangenen Jahres freigesprochen. Das Urteil löste teils gewaltsame Proteste aus. «No Justice – No Peace!», keine Gerechtigkeit, kein Frieden: Viele wollten Zimmerman im Gefängnis sehen, einige kündigten gar an, Selbstjustiz üben zu wollen.

Tatsächlich wurde Zimmerman gestern gezwungen, Miami fluchtartig zu verlassen: Wie TMZ berichtet, ist er in einer Interviewpause am Strand von Passanten erkannt, bedroht und verfolgt worden. Jemand habe gerufen, auf Zimmerman sei ein Kopfgeld von 10'000 Dollar ausgesetzt. Die Menschenmenge folgte ihm bis ins Hotel, wo er sich verschanzte, bis er am nächsten Morgen sein Interview zu Ende brachte und aus Miami floh. 

Bereits im März 2012 setzte die New Black Panther Party ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf Zimmerman aus:

Trotz des ähnlichen Namens entstand die 1989 in Texas gegründete politische Organisation ‹New Black Panther Party› nicht aus der 1982 aufgelösten Bürgerrechts- und Selbstschutzbewegung ‹Black Panther Party›. Die NBPP wurde von der Regierung als «hate group» eingestuft, eine Organisation also, die Hass, Feindseligkeit und Gewalt gegenüber Angehörigen einer Ethnie, Religion, sexuellen Orientierung oder eines Geschlechts befürworten und praktizieren. Video: Youtube/CNN

Grosse Teile der schwarzen Bevölkerung sahen das milde Urteil gegen Zimmerman als weiteren Beweis dafür, dass die US-Justiz Partei zugunsten von Weissen ergreift.  Bild: AP The Press-Enterprise

Häusliche Gewalt, ein versteigertes Bild und Promi-Boxen

Dass Zimmerman in der Öffentlichkeit noch immer erkannt wird, hat er auch sich selbst zuzuschreiben, immer wieder bugsiert er sich in die Schlagzeilen: Im September hatte er Ärger mit der Polizei, weil er seine Noch-Ehefrau mit einer Waffe bedroht haben soll, im November soll er seine Freundin attackiert haben. Ende letzten Jahres nutzte er seine zweifelhafte Bekanntheit, um ein Bild zu versteigern, das er als «therapeutische Massnahme» gemalt hatte. 

Vor einem Monat drängte Zimmerman wieder an die Öffentlichkeit: Er kündigte an, an einem Promi-Boxkampf teilzunehmen. Offenbar hatte er die Idee selbst lanciert. Der «blutige Kampf ohne Regeln» sollte an einem geheimen Ort ausgetragen und auf einer Internetplattform ausgestrahlt werden. Die Einnahmen sollten der Trayvon-Martin-Stiftung zufliessen. 

Zimmerman ist pleite

Innerhalb weniger Stunden meldeten sich mehr als 15'000 willige Gegner. Doch in den vergangenen Tagen gab es heftige Proteste gegen die Veranstaltung – mehr als 100'000 Menschen unterzeichneten gar eine Petition. Der Vorwurf: Boxpromoter Damon Feldman und Zimmerman würden versuchen, von den Rassenspannungen zu profitieren.

Die Trayvon-Martin-Stiftung, die sich bereits seit Monaten von den Gewaltandrohungen gegenüber Zimmerman distanziert, protestierte ebenfalls vehement gegen den Boxkampf. Die Organisation sei «gegen jede Form von Gewalt» und würde sich weigern, auch nur einen Cent anzunehmen. 

Zimmerman hingegen hat keine Skrupel, Geld anzunehmen. 300'000 Dollar Spenden sammelte er online und sowohl die Versteigerung des Bildes als auch der Boxkampf dürften verzweifelte Versuche sein, an Geld zu kommen. Denn Zimmerman ist pleite: In einem Interview mit CBS Local letzten Sonntag erzählte der 30-Jährige, dass er seinen Anwälten 2.5 Millionen Dollar schulde. Er lebe zurzeit von der finanziellen Unterstützung seiner Familie.

Bild: AP/The Florida Times-Union

Michael Dunn und die #dangerousblackkids

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im November 2012: Michael Dunn feuerte zehn Schüsse auf ein mit Personen besetztes Auto ab. Der damals 17 Jahre alte Jordan Davis, der mit seinen Freunden im Auto Musik hörte, kam dabei ums Leben. Dunn behauptete später, er habe nur aus Notwehr gehandelt, weil er sich von den Jugendlichen bedroht gefühlt habe. Er wurde Anfang dieses Jahres zwar schuldig gesprochen, jedoch nicht wegen Mordes. Er wurde stattdessen in den minderschweren Anklagepunkten des versuchten Mordes sowie des Abfeuerns einer Waffe auf ein mit Personen besetztes Fahrzeug schuldig gesprochen. Als Reaktion auf das Urteil entstand auf Twitter der Hashtag #dangerousblackkids. Die Geschichte dazu gibt es hier.

Protest gegen das Michael-Dunn-Urteil. Wie schon in den Protesten im Todesfall von Trayvon Martin wird ‹No Justice, No Peace› skandiert: Keine Gerechtigkeit, kein Frieden. Bild: Reuters

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 21.02.2014 21:25
    Highlight "Der Killer ist selbst schuld"
    Harter Vorwurf an jemanden mit Freispruch!
    0 0 Melden
  • seismo_graf 21.02.2014 21:07
    Highlight einen weiteren einseitgen bericht gegen zimmermann.... immerhin wurde der mann aus bestimmten grūnden freigesprochen.
    1 0 Melden

Fast 1000 Menschen 2017 bei Polizeieinsätzen in den USA erschossen

In den USA sind im vergangenen Jahr laut einem Bericht 987 Menschen durch Polizeikugeln getötet worden. Dies seien 24 Todesfälle mehr als 2016, berichtete die «Washington Post» am Montag.

2015 habe die Zahl bei 995 Getöteten gelegen. Die Zeitung erstellt seit drei Jahren eigene Statistiken zu tödlichen Polizeieinsätzen und wertet dafür Presseberichte, offizielle Veröffentlichungen und die sozialen Medien aus.

Dem Bericht zufolge waren 22 Prozent der Erschossenen männliche Afroamerikaner, obwohl …

Artikel lesen