USA

Proteste nach peinlicher Aufgabe

US-Schule fragt: «Ist der Holocaust nur ein Propagandawerkzeug?»

06.05.14, 16:18

Eine amerikanische Schule hat mit einem Test für Empörung und Wut gesorgt. Gegen den Direktor und einen Sprecher der Schulbehörde wurden sogar Morddrohungen ausgesprochen. 

Die Lehranstalt rudert zwar mittlerweile zurück, doch zu spät: Das Schulkind ist in den Brunnen gefallen. Was ist passiert? Achtklässler einer Schule in Rialto, Kalifornien, sollten einen Essay schreiben.

Juden, die «öffentliche Gefühle beeinflussen und Reichtum anhäufen»?

«Wenn es in der Geschichte tragische Momente gibt, ergeben sich oft Debatten, ob sie wirklich stattgefunden haben. Einige Leute behaupten beispielsweise, der Holocaust sei kein tatsächliches Ereignis, sondern ein Propagandawerkzeug, um politisch und monetär Einfluss zu nehmen.»

Die Schule stellte einige Texte zur Verfügung und forderte auf, Stellung zu nehmen. Glauben die Schüler, dass geschätzte sechs Millionen Juden, Sinti, Roma, Sozialisten und Homosexuelle von den Nazis ermordet wurden? Oder aber, dass der Holocaust «nur ein politischer Plan ist, der ausgearbeitet wurde, um öffentliche Gefühle zu beeinflussen und Reichtum anzuhäufen»?

Die Reaktionen folgten prompt: Eltern, aber auch Organisationen wie die Anti Defamation League meldeten sich bei der Schule und der Schulbehörde des Bezirks San Bernadino. Deren Sprecherin verteidigte die Aktion anfangs noch damit, so sollten die Jugendlichen kritisches Denken lernen.

«Es war ein Fehler»

Doch diese Argumentation wollte nicht gelingen: Es behauptet ja auch keiner, die Welt sei eine Scheibe, um danach hervorzuheben, man habe Kritik hervorrufen wollen. «Ich will keine Böswilligkeit unterstellen», sagte Rabbi Jonathan Kupetz aus der Synagoge im benachbarten Pomona der San Bernadino Sun. «Vielleicht war es Ignoranz, vielleicht Gedankenlosigkeit.» 

Es ginge aber nicht, dass die Argumente der Holocaustleugner als gleichberechtigt dargestellt werden. «Es war ein Fehler», gestand schliesslich laut der Nachrichtenagentur AP die Sprecherin Syeda Jafri. Die Aufgabe würde so nicht mehr gestellt werden.

Inzwischen ist auch die Polizei eingeschaltet, denn am Montagmorgen gingen telefonisch Todesdrohungen gegen Jafri und den Schuldirektor Mohammed Islam ein, der das Amt übergangsweise innehat.

So real war der Holocaust: Bilder von den Befreiungen der Konzentrationslager. Achtung, nichts für Zartbesaitete!

KZ Auschwitz, 1945. Bild: AP CAF PAP

KZ Auschwitz, 1945. Bild: AP TASS

KZ Bergen-Belsen, 1945. Bild: OFFICIAL BRITISH PHOTO VIA AP

KZ Bergen-Belsen, 1945. Bild: AP

KZ Dachau, 1945. Bild: AP

KZ Buchenwald, 1945. Bild: AP U.S. ARMY

KZ Buchenwald, 1945. Bild: AP, US ARMY

KZ Mauthausen, 1945. Bild: EPA DPA

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Zum Tod von Charles Manson: Wie man einen Teufel macht

Ein Mann, viel Mythos: Charles Manson galt in den USA als das personifizierte Böse. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Wie wurde der Kleinkriminelle zum Antichrist?

Mit der Popkultur ist das so eine Sache, eine lustige und eine alberne. Lustig, weil Pop alles grell und einfach macht. Albern, weil Pop stets die Oberfläche dem Inhalt vorzieht und so seine Ikonen bis zur Sinnlosigkeit aufbläst.

Che Guevara ist so eine. Auf T-Shirts, Kaffeebechern, Buttons steht sein Konterfei für die meisten Menschen für «irgendwas mit Rebellion». Warum er gekämpft hat? Und wofür? Egal.

So ist es auch mit Charles Manson. Auf den bekannteren Fotos trägt …

Artikel lesen