USA

Nach Pfusch mit Giftspritze

US-Todeskandidat verlangt Aufzeichnung seiner Hinrichtung auf Video

Nach der schweren Panne bei einer Hinrichtung im US-Bundesstaat Oklahoma verlangt ein Todeskandidat in Missouri, dass seine Exekution gefilmt wird. Ausserdem wollen die Anwälte Auskunft über die Giftmischung.

17.05.14, 07:22 17.05.14, 08:10

Im März 1996 drehte Russell Bucklew durch. Er fuhr zur Wohnung seiner Ex-Freundin und deren neuem Partner, erschoss den Freund, kidnappte seine Ex, liess die vier Kinder zurück und vergewaltigte anschliessend seine Ex-Freundin stundenlang. 

Jetzt, 18 Jahre danach, soll der verurteilte Mörder Bucklew am Mittwoch in Bonne Terre mit der Giftspritze hingerichtet werden. Er weiss das seit Jahren. Er hofft jetzt vor allem noch auf eines, wie er dem Guardian verriet: dass es schnell gehen möge. 

Bucklew ist der erste, der in den USA nach der Panne bei der Hinrichtung von Clayton Lockett in Oklahoma die Giftspritze bekommen soll. Die Behörden in Missouri weigern sich bislang, Einzelheiten zu der Giftmischung zu veröffentlichen. «Das macht mir angst», sagte Bucklew dem Guardian. Nun haben seine Anwälte beantragt, die Hinrichtung auf Video aufzuzeichnen.

Anwälte befürchten Verstoss gegen US-Verfassung

Die Anwälte machen zudem geltend, dass Bucklew unter seltenen Gefässtumoren im Kopf und im Hals sowie unter Kreislaufstörungen leidet. Ein Arzt, der Bucklew am Montag untersucht hatte, kam in einem Gutachten zu dem Schluss, dass Bucklew deswegen bei der Hinrichtung ersticken könnte. 

Nach Einschätzung seiner Anwälte wäre das ein Verstoss gegen die US-Verfassung, die eine «grausame und ungewöhnliche Bestrafung» verbietet.

Eine Todeszelle in Texas. Bild: AP/AP

Debatte über Todesstrafe neu entfacht

Qualvoller Todeskampf: Clayton Lockett. Bild: AP/Oklahoma Department of Corrections

Die schwere Panne bei der Exekution von Clayton Lockett in Oklahoma ist erst wenige Wochen her. In dem Bundesstaat war die Hinrichtung des Todeskandidaten Ende April nach wenigen Minuten abgebrochen worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab.

Lockett wand sich anschliessend im Todeskampf vor Schmerzen. Erst 43 Minuten nach Verabreichung der nicht erprobten Giftmischung erlitt er einen tödlichen Herzinfarkt. Der Vorfall hatte in den USA die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht. Oklahoma setzte alle Hinrichtungen für ein halbes Jahr aus.

Die US-Strafvollzugsbehörden haben seit längerem Nachschubprobleme bei den Mitteln für die Giftspritzen, da sich die europäischen Hersteller der lange verwendeten Substanzen weigern, diese weiter für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Mehrere US-Bundesstaaten haben daher neue und nicht erprobte Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern ausprobiert. Am Donnerstag hatten bereits mehrere US-Medien Klage eingereicht, um genaue Informationen über den Giftcocktail zu erhalten, der bei Bucklews Hinrichtung zum Einsatz kommen soll. (sda/afp/meg)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nicoscore 17.05.2014 12:53
    Highlight Ich bin ganz Ihrer Meinung! Ein Land wie die USA sollte nicht auf altertümliche Methoden wie Todesstrafe setzten. Diese grausamen Geschichten und dieser beschämende, schlicht weg schlampige Umgang mit dieser Todesstrafe machen einer Bevölkerung Angst, nicht etwa was in einer Spritze enthalten ist.
    1 0 Melden
  • Romeo 17.05.2014 07:54
    Highlight Die Todesstrafe muss abgeschafft werden.
    1 0 Melden

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