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Zeichnung des letzten Teilstücks, das in einer grossen Kurve von der 34. zur 30. Strasse führt. Bild: AP/Friends of the High Line

Tourismus

Vergammelte Bahnlinie wird schicker Park: Die New Yorker High Line ist komplett

21.09.14, 20:30 22.09.14, 09:05

Einst eine vergammelte Hochbahntrasse ist die High Line heute ein blühender Park und gehört zu New Yorks beliebtesten Touristenattraktionen. Jetzt ist auch das letzte Teilstück eröffnet.

«Wenn der neueste und letzte Teil der High Line nicht bewirkt, dass Sie sich noch einmal ganz neu in New York verlieben», schwärmte die «New York Times», «dann wissen wir wirklich nicht mehr, was wir sagen sollen.»

So sah es aus, als auf der High Line Züge fuhren. Bild: friendsofthehighline

Von Einheimischen mindestens genauso heiss geliebt wie von Touristinnen und Touristen ist die High Line seit ihrer Eröffnung vor fünf Jahren ein inzwischen weltweit nachgeahmtes Erfolgsprojekt. 

Wo einst Güterzüge neun Meter über der Erde auf einer Hochbahntrasse Fleisch und andere Lebensmittel transportierten, blühen heute Astern, Petunien und Goldruten. Am Sonntag öffnen die Betreiber das letzte Teilstück der nun komplett zum Park ausgebauten 2,5 Kilometer langen Hochbahntrasse an der Westseite Manhattans für Besucher.

Die Schienen sind vielerorts geblieben, aber dazwischen grünt und blüht es. Bild: © Shannon Stapleton / Reuters/REUTERS

Mit Fahnen und Musikbands zogen die Betreiber sowie Nachbarn und Unterstützer des Projekts zur offiziellen Eröffnungsfeier am Samstag über die High Line. Anschliessend versammelten sie sich bei strahlendem Sonnenschein zu einem grossen Picknick.

«Es ist inzwischen wirklich schwer, sich vorzustellen, wie das hier vorher aussah», sagte Hollywood-Schauspieler Edward Norton, der sich seit Jahren für den Park einsetzt und sich auch bei der Eröffnungsfeier unter die Besucher mischte. Die Schienen der Trasse sind vielerorts geblieben, aber dazwischen grünt und blüht es, führen Wege und stehen Bänke.

Vergammelten Gleisen drohte der Abriss

Im Jahr 1934 war die Hochbahntrasse gebaut worden, damit Güterzüge ihre Ware direkt in die oberen Stockwerke der Fabriken und Lagerhäuser an der Westseite Manhattans liefern konnten. Weil später aber immer mehr Lastwagen anstelle von Zügen eingesetzt wurden, wurde die Strecke weniger und weniger genutzt, bis 1980 der letzte Zug fuhr – an Bord gefrorene Truthähne.

Die Trasse vergammelte und mit ihr die Stadtteile um sie herum, bald geprägt von stinkender Fleisch-Industrie, Abfallbergen, Strassenstrich, Kriminalität und Drogen.

Mitbegründer Joshua David zeigt der damaligen Senatorin Hillary Clinton 2005 die abbruchgeweihte Trasse. Bild: © Reuters Photographer / Reuter/REUTERS

Der Abriss der Trasse war schon beschlossene Sache, aber Joshua David und Robert Hammond hatten andere Pläne. Die Nachbarn hatten sich auf einem Gemeindetreffen kennengelernt und eine Vision entwickelt: Die High Line sollte zum Park werden.

Sie klagten gegen den Abriss, mobilisierten Prominente wie Schauspieler Norton und die Designerin Diane von Fürstenberg, sammelten Millionen – und hatten schliesslich Erfolg.

«Wir haben eine neue Art und Weise geschaffen, wie man in New York und überall sonst über öffentlichen Raum nachdenkt», sagt ein strahlender Gründer David bei der Eröffnungsfeier, der Erfüllung seines Traums.

Vom Industrie- zum Szeneviertel

Längst hat die High Line die Viertel um sie herum komplett verändert. Der Meatpacking District, wo sie beginnt, Chelsea, wo sie durchführt, und Hell's Kitchen, wo sie nun aufhört, sind zu teuren Szene-Vierteln geworden, wo Promis und Gutverdienende hinziehen. Haute-Couture-Läden, Galerien, Cafés und teure Restaurants prägen die sorgfältig renovierten Strassenzüge.

Das In-Hotel «The Standard» wurde quer über der High Line erbaut. Bild: standardhotels.com

Quer über die High Line hat ein Investor das «The Standard» gebaut, das derzeit zu den angesagtesten Hotels der Millionenmetropole gehört. Daneben baut zurzeit Star-Architekt Renzo Piano eine neue Heimat für das renommierte Whitney-Museum, das im kommenden Jahr von der noblen Upper East Side hier herziehen will.

An vielen Stellen rechts und links der High Line zeigen riesige Baustellen die Entstehung neuer Wolkenkratzer und Luxus-Wohnblocks an. Nicht für alle früheren Bewohner der Quartiere sind das gute Nachrichten, viele konnten sich die hohen Mieten nicht mehr leisten und mussten wegziehen.

Touristenmagnet mit Wiedererkennungswert

Mehr als 20 Millionen Menschen haben den Park seit seiner Eröffnung 2009 schon besucht. Darunter sind auch viele Touristen, die sich vor allem an den Panoramablicken, unter anderem auf das Empire State Building, die Freiheitsstatue und den Hudson River, gar nicht sattsehen können.

Neben der High Line entstehen Luxus-Wohnblocks. Bild: Kathy Willens/AP/KEYSTONE

New Yorker geniessen Führungen durch die Blumenbeete, kostenlose Sportkurse, gemeinsames Sterne-Gucken, Konzerte und Angebote für Kinder. Auch die Essensstände sind beliebt – mehr als 36'000 Tacos und 76'000 Eiswaffeln sind auf der Trasse schon verspeist worden.

Die High Line stehe für einen generellen Trend zu mehr Natur und Bewegung in New York, sagt Senator Charles Schumer. «Früher haben wir U-Bahnen gebaut und Farmen zu Stadtvierteln gemacht. Jetzt bauen wir Parks. Und dreimal dürfen Sie raten, wie ich heute aus Brooklyn hierhergekommen bin? Mit dem Fahrrad.»

Die High Line sei längst zu einer der Touristenattraktionen mit dem höchsten Wiedererkennungswert in der Millionenmetropole geworden. «Früher haben die Leute gesagt: ‹Wenn du nach New York fährst, musst du dir das Empire State Building anschauen.› Heute sagen sie: ‹Wenn du nach New York fährst, musst du über die High Line laufen.›» (pbl/sda/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 21.09.2014 21:51
    Highlight Also, alte Gleisanlagen die umgenutzt wurden gibt's in Schweizer Städten aber auch. Wir integrieren sogar Markthallen und Restaurants in Eisenbahnviadukte. Nicht in dem Ausmass wie in New York, aber unsere Städte sind ja auch nicht New York. Ein Grund mehr, sich in Schweizer Städte zu verlieben?
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