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Prozess um Anschlag auf Boston-Marathon begonnen: «Er legte eine Bombe direkt neben eine Reihe von Kindern»

04.03.15, 18:29
Accused Boston Marathon bomber Dzhokhar Tsarnaev (L) is shown in a courtroom sketch next to Judge George O'Toole on the first day of jury selection at the federal courthouse in Boston, Massachusetts January 5, 2015. O'Toole on Monday began the process of selecting the jury that will hear the trial of Tsarnaev, telling the first of some 1,200 prospects to read no more news accounts about the deadly blasts. Tsarnaev could get the death penalty if convicted of killing three people and injuring more than 260 others by detonating a pair of homemade bombs placed amid a crowd of thousands of spectators at the race's finish line on April 15, 2013.     REUTERS/Jane Flavell Collins    (UNITED STATES - Tags: CRIME LAW)

Zarnajew vor Gericht Bild: STRINGER/REUTERS

Fast zwei Jahre nach dem Terroranschlag auf den Marathon in Boston mit drei Toten und 260 Verletzten hat in der US-Ostküsten-Metropole der Prozess gegen den mutmasslichen Attentäter Dschochar Zarnajew begonnen. Der Prozess könnte drei bis vier Monate dauern.

Zarnajew erschien in dunkler Jacke und weissem T-Shirt im Gerichtssaal und wirkte etwas nervös. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-Jährigen vor, am 15. April 2013 mit seinem Bruder Tamerlan auf der Zielgeraden des Traditionslaufs zwei Bomben gezündet zu haben.

Zarnajew muss sich zudem wegen Mordes an einem Polizisten während der Flucht einige Tage nach der Tat verantworten. Bei dieser war sein 26 Jahre alter Bruder erschossen worden. Die beiden Männer mit tschetschenischen Wurzeln sollen radikalen Islamisten nahe gestanden haben.

Nach einer mühsamen, zweimonatigen Jury-Auswahl nahm Richter George O'Toole den Geschworenen am Mittwoch zunächst den Eid ab. Kurz darauf begannen Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit ihren Eröffnungsplädoyers.

Staatsanwalt: Zarnajew hegte Mordgelüste

Der Staatsanwaltschaft zufolge hegte Zarnajew Mordgelüste. Er habe sich beim Traditionslauf als Zuschauer ausgegeben, doch «er hatte Mord in seinem Herzen», sagte William Weinreb. «Er legte eine Bombe direkt neben eine Reihe von Kindern», so der Staatsanwalt am Mittwoch. «Einige verbluteten auf dem Trottoir, während der Angeklagte davonlief.»

Weinreb zeichnete das Bild eines radikalisierten jungen Mannes mit extremistischen muslimischen Idealen. Zarnajew habe gedacht, mit dem Anschlag «seinen Platz im Paradies zu verdienen», indem er US-Amerikaner töte und die Regierung so davon abhalte, Terroristen im Ausland ins Visier zu nehmen.

Während Opfer des Attentats im Spital darauf gewartet hätten, zu erfahren, ob ihre Gliedmassen amputiert werden müssten, habe sich Zarnajew benommen, «als habe er nicht eine Sorge auf der Welt», sagte Weinreb.

Verteidigung: Zarnajew folgte älterem Bruder

Dschochar Zarnajew

Ganz anders stellte die Verteidigung das Verhalten ihres Mandanten dar. Zarnajew sei bei dem Terroranschlag der Führung seines älteren Bruders Tamerla gefolgt.

«Tamerlan wurde besessen vom gewalttätigen radikalen Islam», sagte Verteidigerin Judy Clarke in ihrem Eröffnungsplädoyer. «Es war Tamerlan Zarnajew, der sich selbst radikalisierte, es war Dschochar, der ihm folgte.»

Clarke bezeichnete das Attentat als «sinnlose, schreckliche, fehlgeleitete Tat zweier Brüder», das «drei Menschenleben ausgelöscht» habe und das Leben anderer für immer verändert habe. «Doch (Dschochar Zarnajew) kam auf einem sehr anderen Weg zu seiner Rolle als von der Staatsanwaltschaft angedeutet.» Diesen Weg habe sein älterer Bruder geebnet.

Todesstrafe droht

Zarnajew plädiert auf nicht schuldig. Er ist in 30 Punkten angeklagt, 17 davon wiegen so schwer, das sie ihm die Todesstrafe einbringen könnten.

Der Bundesstaat Massachusetts mit Boston als Hauptstadt hat die Todesstrafe in den frühen 1980er Jahren abgeschafft; die letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich allerdings in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt in den USA generell die Todesstrafe. (aeg/sda/dpa)

Terror in Boston



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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 04.03.2015 19:07
    Highlight Man kann jeden Betroffenen verstehen, der für diesen Wirrkopf den Tod fordert.
    Wie anmassend und selbstgerecht muss man sein, um unschuldige Zuschauer einer Sportveranstaltung verletzen und töten zu wollen?
    Wie sinnbefreit ist man, sollte man, wie diese Brüder anscheinend, mit den Verhältnissen im Gastland unzufrieden sein, dass man nicht einfach seine Koffer packt und dorthin zieht, wo man vermutet, dass es besser ist?
    4 2 Melden
    • Angelo C. 04.03.2015 20:53
      Highlight Sie wollten nicht umziehen, sondern das Gastland um-er-ziehen, wie all diese islamistischen Steinzeitmenschen....
      2 0 Melden

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