Ukraine
Armed pro-Russian separatists (R) escort a column of Ukrainian prisoners of war as they walk across central Donetsk August 24, 2014. Pro-Russian separatist rebels force-marched dozens of Ukrainian prisoners of war along the main street of the rebel-held Ukrainian town of Donetsk on Sunday. REUTERS/Maxim Shemetov (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST TPX IMAGES OF THE DAY)

Zurschaustellung: Gefangene ukrainische Soldaten werden durch die Hauptstrasse von Donezk getrieben.  Bild: MAXIM SHEMETOV/REUTERS

Bombenhagel in Donezk

Separatisten führen gefangene ukrainische Soldaten vor

Prorussische Separatisten haben in der ostukrainischen Grossstadt Donezk dutzende gefangene ukrainische Soldaten zur Schau gestellt. In der Krisenregion wächst unterdessen das Leid der Zivilbevölkerung. 

24.08.14, 16:20 24.08.14, 16:36

Mit russverschmiertem Gesicht sitzt ein alter Mann vor den Leichen seiner Angehörigen. Seinetwegen seien sie nicht aus dem umkämpften Donezk in der Ostukraine geflohen, murmelt er, der Grossvater. Weil er krank war, gingen sie nicht, als es noch möglich war. «Es waren ein Vater, eine Mutter und ihre Tochter», sagt eine Nachbarin. Die jüngere Tochter sei ins Spital gebracht worden – ihr Schicksal ist ungewiss. Die Familie zählt zu insgesamt sechs Menschen, die an diesem Samstag Opfer der Kämpfe zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee geworden sind. 

Ihre Gesichter eilig mit Tüchern bedeckt, liegen sie reglos auf dem Boden – ein Mann, eine Frau und ihre zehn Jahre alte Tochter. An diesem heissen Samstag wollten sie vor ihrem Wohnblock im Stadtteil Kalininski etwas frische Luft schnappen, als plötzlich die Bomben fielen, sagen die Nachbarn. Sie rannten zurück, schafften es aber nicht rechtzeitig. Prorussische Rebellen untersuchen nun die Leichen, um die Identitäten zu klären. In der Nähe versorgen Rettungskräfte Verletzte des Beschusses, der ein Loch in das Wohnhaus aus der Sowjetzeit gerissen hat. 

Donezk: Ein Sohn versucht seine bei einem Granateneinschlag verletzte Mutter zu trösten.  Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Beschuss dicht besiedelter Wohngegenden

Mit der zunehmenden Umzingelung von Separatistenhochburgen durch ukrainische Truppen im Osten des Landes werden auch immer öfter dicht besiedelte Wohngegenden von Schüssen getroffen. Durch schweren Artillerie- und Mörserbeschuss wurden in den vergangenen Wochen hunderte Menschen in städtischen Gebieten getötet. Nach UNO-Angaben starben seit Beginn des Konflikts bereits mehr als 2000 Menschen. 

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsgruppen machen beide Seiten für den Einsatz schwerer Waffen in bewohnten Gebieten verantwortlich. In Donezk – vor dem Konflikt eine friedliche Eine-Million-Einwohner-Stadt – verlieren am Samstag neben der dreiköpfigen Familie bei Explosionen auch zwei Menschen ihr Leben, die an einer Bushaltestelle warten. Ein weiterer stirbt auf dem Weg ins Spital, wie die Behörden erklären. 

Donezk unter Beschuss: Helfer suchen in den Ruinen nach Opfern.  Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

«Man muss alle diese Faschisten töten»

Die Molodych-Schachtariw-Allee ist an diesem Samstag von Dutzenden kleinen Kratern übersät, die Hausfassaden zeigen Einschusslöcher. An der Bushaltestelle sind die zwei Leichen unter blutverschmierten Decken zu sehen. Eine Frau weint. Sie ist die Schwiegertochter eines der Opfer – zweier älterer Männer. Per Handy richtet sie ihrem Mann die Nachricht vom Tod seines Vaters aus, er soll dessen Ausweis bringen, um die Identität zu bestätigen. «Mein kleiner Bruder, mein kleiner Bruder, warum warst Du hier?», ruft ein Mann auf Russisch. Daneben stehen bewaffnete Rebellen und schweigen. Seiner Wut gegen Kiew lässt der Mann dann freien Raum: «Man muss alle diese Faschisten töten», ruft er. 

Während die Separatisten den Regierungstruppen vorwerfen, gezielt Zivilisten zu töten, zeigen Anwohner heimlich auf ein nahegelegenes Gebäude, das mit Antennen und Kameras ausgerüstet ist. An den Fenstern sind Männer in Uniform zu sehen. Vielleicht war es dieses Gebäude, das getroffen werden sollte. 

Prorussische Milizen führen die ukrainischen Gefangenen in Donezk vor  ...  Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Öffentlich vorgeführt

«Faschisten! Faschisten!», rufen am Sonntag auch Einwohner auf dem zentralen Leninplatz Dutzenden Regierungssoldaten entgegen, die von den Separatisten gefangengenommen und nun öffentlich vorgeführt werden. Die Zurschaustellung erfolgt am Unabhängigkeitstag, der in der Hauptstadt Kiew mit einer grossen Militärparade gefeiert wurde. 

... während in Kiew eine Militärparade stattfindet.  Bild: GLEB GARANICH/REUTERS

Kriegsschauplatz statt friedliche Stadt

Donezk gleicht mehr und mehr einem Kriegsschauplatz. Rettungskräfte sind im Einsatz, um Oberleitungen für die Buslinien zu reparieren und Feuer zu löschen. Erstmals wird am Samstag auch das Donbass-Stadion des Spitzen-Fussballklubs Schachtar Donezk beschädigt. Das futuristische Stadion hatte zur Fussball-Europameisterschaft 2012 noch zahlreiche Fans aus aller Welt empfangen. Am Sonntag wird zudem ein Spital getroffen, dutzende Patienten waren zuvor vorsorglich in den Keller gebracht worden. 

Poroschenko will ukrainische Armee massiv aufrüsten

Bei der Militärparade zur Feier des Unabhängigkeitstags kündigte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko vor zehntausenden Menschen an, dass er die Armee massiv aufrüsten wolle. Poroschenko warf Russland «Aggression» vor. Das Nachbarland habe die Ukraine in einen «richtigen Krieg» gezogen. Der Präsident gab sich aber optimistisch, dass die Ukraine den Kampf um ihre Unabhängigkeit gewinnen werde. 

Zur Stärkung der Armee sollten von 2015 bis 2017 insgesamt 40 Milliarden Hryvnia (2,67 Milliarden Franken) zur Verfügung gestellt werden, sagte Poroschenko an. Damit könnten Flugzeuge, Helikopter und Kriegsschiffe modernisiert oder gekauft werden. Aber auch jetzt sei in die Armee investiert worden. Eine Kolonne mit neuer Ausrüstung sei unterwegs in die Kampfgebiete im Osten der Ukraine, sagte der Präsident vor der jubelnden Menge.
(sda/afp/reu) 

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    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 24.08.2014 18:00
    Highlight Ich weiss aus persönlichen Schilderungen dass die Kiewer Junta Jagd auf junge Männer macht die dann ohne Ausbildung mit mangelhafter Ausrüstung in den Kampf gezwungen werden. Als eine Einheit unter Artilleriebeschuss um Unterstützung oder wenigstens Anweisungen baten, sagte Ihnen der Kommandant: Seit stolz, ihr sterbt als Helden.....
    3 0 Melden
  • kybipix 24.08.2014 17:53
    Highlight Lauter Blablabla und kein Wort darüber, dass die prorussischen Terroristen mit dem öffentlichen Vorführen von Gefangenen gegen das Kriegsrecht verstossen. Mit einem solchen Vorgehen zeigen die Terroristen ihrer wahres Gesicht, und diese Plattform schreibt zum wiederholten Male das Gleiche. Auf solche Informationen kann man verzichten, da dahinter keinerlei journalistische Leistung und Verantwortung steckt. Abschreiben reicht nicht!
    0 4 Melden
  • zombie1969 24.08.2014 17:32
    Highlight Kiew hat den Bogen längst überspannt. Die Regierung in Kiew wird noch viel mehr Truppen ausheben müssen, um genug Soldaten zu haben für die russischen Freiwilligen, die jetzt über die Grenze kommen. Denn in Russland wird sich nun weiter der Eindruck verfestigen, dass Kiew nur eine Sprache versteht.
    Politisch eine unkluge Handlungsweise von Kiew darauf zu vertrauen, dass die EU es doch noch richten wird. Ausser Geld dürfte von der EU allerdings nichts kommen.
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