Ukraine
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Smokes rises above buildings shortly after a shelling in Donetsk, August 14, 2014. Artillery shells hit close to the centre of Ukraine's separatist-held city of Donetsk for the first time on Thursday, killing at least one person, as a large Russian aid convoy rumbled towards the border. REUTERS/Sergei Karpukhin (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)

Eine ukrainische Bombe schlägt in Donezk ein. Bild: SERGEI KARPUKHIN/REUTERS

Kampf um Separatistenhochburg Donezk

Rebellen prahlen mit russischer Verstärkung

Die ukrainischen Triumphmeldungen über die Kämpfe gegen die Separatisten sind übertrieben. Die Rebellen erobern verlorenes Terrain in Donezk zurück – und verplappern sich, was ihre Hilfe aus Moskau angeht. 

18.08.14, 18:01 19.08.14, 12:37

christian neef, donezk / spiegel online

Ein Artikel von

Es gibt noch zwei geöffnete Restaurants im Zentrum von Donezk: das SunCity und das Havanna Banana. Im Garten des SunCity sitzt der Rest des bürgerlichen Publikums, der abends trotz Artilleriekanonade noch ein Glas Wein trinken will. Das Banana hingegen, ein kubanisches Restaurant mit dem Porträt von Che Guevara im Wappen, ist fest in der Hand der Rebellen. Sie fahren in beschlagnahmten Mercedes und umgespritzten Geländewagen mit abgedunkelten Scheiben vor. Dann werfen sie ihre Uniformjacken ab, sodass Tätowierungen und Pistolenhalfter zu sehen sind, und tafeln.

Samstagabend wurde im Banana sogar eine Hochzeit gefeiert: Alle waren in Felduniform gekleidet, selbst die Braut erschien in Tarnfarben, nur der Schleier war weiss. Auch die Trauzeugen trugen Uniform, die obligatorische rote Schärpe hatten sie einfach darübergelegt. Am Tisch, bei reichlich Wodka, ging es nicht wie sonst um das Glück der Jungvermählten, sondern um die militärische Lage und den möglichen Vormarsch der Separatisten. Eine Kriegshochzeit. Und eine Atempause, zumindest für diese Gruppe von Rebellen. 

Viele Strassen in Donetsk sind menschenleer. Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Donezk ohne Wasser

Entgegen ukrainischer Versicherungen ist Donezk zwar noch immer nicht «befreit», aber die Kämpfe rund um die Stadt haben an Härte zugenommen. Das Feuer der schweren Artillerie ist auch am Montag seit dem frühen Morgen wieder zu vernehmen. Seit Sonntagabend hat die Stadt kein Wasser mehr, eine zentrale Filterstation ist getroffen worden. Und 88 Trafo-Stationen sind ohne Strom – es wird eng für die Donezker. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

Die militärischen Triumphmeldungen, zu denen sich Präsident Petro Poroschenko täglich hinreissen lässt, sind trotzdem mit Vorsicht zu geniessen. Sonntag zum Beispiel meldete er, seine Truppen hätten Jassynuwata eingenommen, einen strategisch wichtigen Vorort von Donezk, durch den zentrale Eisenbahnlinien verlaufen. Schon am Abend stimmte das nicht mehr, da lag die Stadt bereits wieder mitten im Kampfgebiet. Auch an der Absturzstelle von Flug MH17 haben die Rebellen Terrain zurückerobert.

Separatisten bekommen Verstärkung aus Russland 

Richtiger ist wohl, was Semjon Sementschenko sagt, der angesehene Kommandeur des ukrainischen Bataillons «Donbass». Der regte sich darüber auf, dass in Kiew immer neue Meldungen verbreitet würden, wonach die Separatisten «in Panik geraten». Das Gegenteil sei der Fall, sagt Sementschenko, auch wenn die Lage sich verschlechtert habe.

Ständig würden Raketen und Granaten auf sie abgefeuert, oft würde der General gemeinsam mit dem Soldaten in den nächsten Unterstand stürmen, und beide würden es vorher nicht mal schaffen, «sich noch die Stiefel anzuziehen». Die Rebellen hätten «einige Dutzend» Einheiten neuer Panzertechnik erhalten und tausend Mann Verstärkung, die in russischen Lagern in einem viermonatigen Kurs ausgebildet worden seien. Er selbst brauche mehr Freiwillige, denn seine Leute – meist Wehrpflichtige – hätten nur einen Monat Ausbildung hinter sich und würden bei Alarm schnell in Panik geraten.

Der prorussische Panzer ist auf den Donetsker Strassen unterwegs. Bild: AFP

Sementschenkos Aussage deckt sich mit dem, was Alexander Sachartschenko, der «Premier» der Donezker Volksrepublik, vor Mitgliedern seines Kabinetts verlauten liess. Der Separatistenführer meldete, dass 40 Militärfahrzeuge der ukrainischen Armee vernichtet worden seien und drei Flugzeuge. Und dann bestätigte er, was der Kommandeur des «Donbass»-Bataillons gesagt hatte: dass Russland die Truppen der Volksrepublik «im entscheidenden Moment» nicht im Stich lasse. Wörtlich sagte er: «Und jetzt möchte ich euch noch schnell eine wirklich gute Nachricht mitteilen: Wir bekommen eine grosse Verstärkung – bis zu 150 Stück Militärtechnik, davon bis zu 30 Panzer, der Rest sind Panzerwagen. Ausserdem 1200 Mann, die in den letzten Monaten auf dem Territorium Russlands ausgebildet wurden.»

Sachartschenko von Moskau zurückgepfiffen 

Damit war er wohl zu weit vorgeprescht. Sonntagnachmittag sah sich Präsident Wladimir Putin gezwungen, die Aussage Sachartschenkos dementieren zu lassen: Natürlich haben wir «keine Technik dorthin geliefert», sagte Putins Sprecher. Es war wohl das erste Mal, dass Moskau die von Russland unterstützten Rebellen öffentlich in die Schranken wies. Sachartschenko ruderte kurz darauf zurück und sagte, es gehe um Beutetechnik, die man schon vor einiger Zeit in ukrainischen Kasernen gefunden habe.

«Zum Teufel noch mal, rundherum sitzen die Leute und trinken Bier, niemand will kämpfen»

Fjodor Beresin, stellvertretender Verteidigungsminister der Donezker Volksrepublik

Aber das war nun offensichtlich gelogen. Die Aussage von der russischen Hilfe hatte er am Freitag auf einer Sitzung seiner Regierung getan, das Fernsehen «Neurusslands» – die Station der Rebellen – hatte den Auftritt mitgeschnitten. Er liegt als Video vor. Moskau versucht also weiter, die Welt für dumm zu verkaufen.

Dass die Separatisten ohne russische Hilfe schnell in Not geraten würden, belegt auch eine andere Aussage. Sie stammt von Fjodor Beresin, dem stellvertretenden Verteidigungsminister der Donezker Volksrepublik. «Zum Teufel noch mal, rundherum sitzen die Leute und trinken Bier, niemand will kämpfen», hatte der in einem Interview gesagt. Und dann präzisiert: «Ich meine die, die zu Hause auf dem Sofa sitzen. Die Zivilisten, die ihr Land nicht verteidigen wollen. Die ukrainische Armee schiesst auf die Stadt, die Leute fallen – und all das, weil die Donezker Männer nicht an die Front gehen wollen.»



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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 19.08.2014 09:56
    Highlight Die Regierung in Kiew ist bankrott und könnte ohne die Unterstützung der EU nicht einmal gegen die Maulwürfe in Poroschenkos Vorgarten Krieg führen, geschweige denn per Sanktionen den wilden Mann markieren. Man kann guten Gewissens davon ausgehen, dass die Grossmäuligkeit die man hier so demonstrativ zur Schau stellt, ein Back-up in Brüssel hat. Man reisst nur deshalb die Klappe so weit auf, weil man in Kiew nach wie vor davon ausgeht, dass andere die Rechnung dafür bezahlen.
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