Ukraine

Auf dem Weg nach Debalzewe: Die ukrainische Armee will die eingekesselten Soldaten dort unterstützen. Bild: GLEB GARANICH/REUTERS

Ukraine-Konflikt

Die Kesselschlacht von Debalzewe

In der Ostukraine soll am Sonntag eine Feuerpause beginnen. Ob das gelingt, entscheidet sich auch in Debalzewe: In der strategisch wichtigen Stadt bekämpfen sich die Kriegsparteien weiter auf engstem Raum.

13.02.15, 14:53

Matthias Gebauer

Ein Artikel von

Den Namen Debalzewe kannten vor dem Konflikt in der Ostukraine nur wenige. Die kleine Stadt im Donbass-Gebiet, ziemlich genau auf halber Strecke von Donezk nach Luhansk, hat rund 25'000 Einwohner. Zwei wichtige Verkehrsadern kreuzen sich hier, zudem führt die Eisenbahnlinie von der russischen Grenze in Richtung Kiew durch den Ort.

Für die Zukunft des Ukraine-Konflikts aber, besser gesagt für den Erfolg der angepeilten Waffenruhe zwischen den pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee, hat die militärische Lage rund um die Stadt enorme Bedeutung. So eng wie nirgends in der Ost-Ukraine belagern sich hier Separatisten und Kiews Armee.

Auch in der Nacht nach dem mühsam in Minsk erreichten Fahrplan für eine Waffenruhe wurde dort heftig gekämpft. Korrespondenten berichteten von heftigem Artilleriefeuer rund um die Stadt. In Debalzewe selber fürchten die wenigen Zivilisten, die noch dort sind, um ihr Leben.

Die Evakuierung der Zivilisten

Die kommenden Stunden werden nun entscheidend: Gerade in Debalzewe dürfte es besonders schwierig werden, das Ziel des komplizierten Abkommens von Minsk umzusetzen: die Lage an der Front zu entschärfen, die Kriegsparteien auseinanderzuziehen, schwere Waffen zurückzuziehen und so die Kämpfe zu deeskalieren. Diplomaten sprechen von einem Testfall für die Minsker Vereinbarung.

Seit Wochen ist die Stadt umkämpft. Zunächst wurde sie von den Separatisten eingenommen. Dann schlug die ukrainische Armee zurück, wegen der strategisch wichtigen Lage an der Strasse von Donezk nach Luhansk war die Stadt für die Kiewer Militärführung wichtig. Seit Tagen aber haben die Separatisten Debalzewe komplett eingekreist, deswegen das Wort vom Kessel.

Die Einwohner von Debalzewe bekommen Hilfs-Pakete.  Bild: GLEB GARANICH/REUTERS

Schon vor Minsk war die Lage rund um Debalzewe von herausragender Bedeutung, die Zuspitzung dort war dramatisch. Mit einem Sturm auf die Stadt, fürchtete Kiew, hätten die Separatisten militärisch die letzte kleine Bastion der Regierung in der Ostukraine einnehmen können. Ein Massaker wurde befürchtet, wenn die Kämpfer mit Panzern in die Stadt vorgerückt wären.

Ein Sieg der Separatisten hätte für Kiew die finale Niederlage in dem Ostukraine-Konflikt bedeutet. Auch deswegen wurde in den letzten anderthalb Wochen wieder hektisch verhandelt, Paris und Berlin schalteten sich ein, am Ende traf man sich im weissrussischen Minsk.

Debalzewe könnte über Zukunft der Waffenruhe entscheiden

Nun wird Debalzewe zum Test für den Fahrplan zur Feuerpause. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin nahm sich bei seiner Stellungnahme in Minsk gleich mehrere Minuten Zeit, um über den Ort zu sinnieren: Wenn die Separatisten die Stadt eingekreist hätten, so Putin, gebe es aus ihrer Sicht nur eine Lösung: Die Ukrainer müssten aufgeben und die Waffen niederlegen.

Ein Mädchen wartet bis es aus Debalzewe herausgebracht werden kann.  Bild: Petr David Josek/AP/KEYSTONE

Es sei aber auch möglich, dass die Regierungssoldaten versuchen könnten, aus dem Ring auszubrechen. Dann käme es, so Putin, zu neuen, heftigen Kämpfen mit den Separatisten. Aber auch die Separatisten könnten im letzten Moment die Stadt stürmen.

Der Beginn der Feuerpause wäre bei beiden Szenarien in Gefahr. Ob der Konflikt in der umkämpften Stadt entschärft werden kann, ist kaum absehbar. Putin kündigte vage an, er habe mit seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko vereinbart, ein Team von Militärexperten zur Klärung der Lage nach Debalzewe zu schicken.

Agieren beide Seiten vernünftig und vereinbaren einen geordneten Abzug der Ukrainer, wäre dies ein starkes Symbol für den Willen zu einer echten Feuerpause. Bisher aber gingen gerade solch wichtige Missionen im Ukraine-Konflikt meistens schief.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jonasn 13.02.2015 18:23
    Highlight Putin wird sich mit den 50 Panzern, die noch während der Verhandlungen von Russland zu den Separatisten gerollt sind, auch diese Stadt noch vor der "Waffenruhe" am Sonntag holen wollen und die Welt wieder vor vollendete Tatsachen stellen. Es ist ein Witz was da passiert. Ein sehr schlechter. und Putin lacht sich kaputt, weil niemand die Cojones hat, ihm entschlossen gegenüberzutreten...
    1 1 Melden
  • Ricco Speutz 13.02.2015 15:32
    Highlight Ukrainische Armee.... Wenn ich Bilder sehe von ukrainischen Soldaten, dann sehe ich einen bunten Haufen "Hobby-Söldner", jeder anders ausgerüstet und gekleidet.... und dann sehe ich die Bilder von Rebellen/Separatisten, sehe gut ausgerüstete einheitliche Soldaten... da kann ja was nicht stimmen oder??
    5 1 Melden

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