Ukraine
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Bild: EPA/EPA

«Wir sind die Berkut, unser Schlag ist hart»

Janukowitschs Sturmtruppen werden auf der Krim wie Helden empfangen

Mit Knüppeln, Tränengas und Gummigeschossen verteidigten sie den gestürzten Janukowitsch bis zuletzt: Das Schicksal der Berkut-Einheit zeigt, wie gespalten die Ukraine ist. Kiew hat die Männer davongejagt – die gegen die Revolution aufbegehrende Krim dagegen feiert sie als Helden.

27.02.14, 18:28 27.02.14, 20:30

Ein Artikel von

benjamin bidder, spiegel online, moskau

Am Ende ihres Rückzugs standen die Männer der Berkut-Einheit wieder vor einer Menschenmenge, aber diesmal flogen nicht Steine und Molotow-Cocktails in Richtung der Polizisten wie noch an den Tagen zuvor in Kiew: Die Menschen warfen Blumen.

Bis zuletzt hatten die Männer der Sondereinheit Berkut – übersetzt heisst das Steinadler – Präsident Wiktor Janukowitsch verteidigt, mit Knüppeln, Tränengas und Gummigeschossen. Nach dem Sieg des Maidan wollen die Revolutionäre in Kiew Kommandeure und Berkut-Kämpfer vor Gerichte stellen. Übergangs-Innenminister Arsenij Awakow hat die Einheit offiziell aufgelöst.

«Wir konnten die Faschisten nicht aufhalten»

Die Männer aber, die in der Hauptstadt Kiew als Verbrecher gelten, wurden auf der Krim wie Helden empfangen. Die Berkut baten öffentlich um Vergebung, meinten damit aber nicht ihre Einsätze gegen die Demonstranten, sondern ihre Niederlage im Ringen mit den «Faschisten, die wir nicht aufhalten konnten». Gemeint waren die Anhänger der Revolution auf dem Maidan, deren Bürgerwehr sich auch aus Kreisen militanter Nationalisten rekrutiert.

Drei Monate lang haben die Berkut-Einheiten den Maidan in Schach gehalten. Wie die Demonstranten schliefen sie in Zelten oder ganz im Freien, bei Temperaturen von bis zu 20 Grad Minus: Etwa 4000 Mann, im Einsatz fast rund um die Uhr, weil sich Janukowitsch der Loyalität anderer Einheiten kaum noch sicher sein konnte. Als er Mitte Februar Truppen des Innenministeriums gegen den Maidan in Stellung bringen liessen, liefen die zu Dutzenden zu den Demonstranten über. In der Westukraine legten reguläre Polizeikräfte ihre Waffen nieder und schlossen sich dem Aufstand an.

«Keinen Schritt zurück», im Kampf gegen die Opposition

Zu Beginn des Aufstands, wenn die Männer der Berkut-Truppe die Visiere ihrer schwarzen Helme senkten, ihre eisernen Schilde anhoben und vorrückten, skandierte der Maidan noch «Berkut s narodom». Das war ein Appell an die Kämpfer, sich an die Seite des Volkes zu stellen.

Das war zwecklos. Als Demonstranten Mitte Februar eine Stellung der Polizei eroberten, verstanden sie auch, warum. Die Männer der Berkut-Einheit hatten sich die Zeit mit Graffitis vertrieben. Einer hatte eine Art Wegweiser gefertigt, «Affen, 50 Meter», stand darauf und gemeint waren damit die Demonstranten. Ein anderer hatte mit schwarzem Russ auf Holz einen Schlachtruf der Einheit geschrieben: «Mögen wir auch wenige sein, doch wir sind die Berkut, unser Schlag ist hart und genau.» «Ni schagu nasad - keinen Schritt zurück» stand auf einem anderen Schild, in Anlehnung an Stalins Geheimbefehl, der sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg den Rückzug verbot.

Bild: KEYSTONE

Frontkämpfer für eine gerechte Sache

Das hört sich martialisch und brutal an, offenbart aber auch, wie tief gespalten die Ukraine ist. Wer dem Westen als Held gilt, den hält man im Osten und Süden womöglich für einen Banditen und umgekehrt. Die von rechten Trupps auf dem Maidan ausgerufene «nationale Revolution» birgt die Gefahr, den Rest des Landes auf die Barrikaden zu treiben.

Die Berkut lief nicht über und lief nicht weg, weil die Männer sich als Frontkämpfer sehen für eine gerechte Sache: die Verteidigung der russisch-sprachigen Bevölkerung im Osten und im Süden gegen das, was sie für einen «faschistischen Umsturz» halten.

«Wir sind alle Berkut»

Vor allem auf der Krim sehen viele das genauso. «Diese Leute haben sich als wahre Männer erwiesen, und jetzt überlässt man sie einer rasenden Meute von Nationalisten», das sagt Alexej Tschalij, der neue Bürgermeister der Hafenstadt Sewastopol, ausgerufen auf einer Demonstration der Krim-Russen per Akklamation.

Unterstützung kommt auch aus Moskau. «Wir alle sind Berkut» steht über einem Spendenaufruf, unterzeichnet von russischen Konservativen wie Alexander Saldostanow, genannt «Chirurg», dem Chef des Putin-treuen Biker-Clubs «Nachtwölfe». Die Sonderpolizisten seien die einzigen gewesen, die den Widerstand geleisteten hätten gegen «die dunkle Kraft».

Womöglich werden die Männer der aufgelösten Berkut-Einheit den Kampf bald wieder aufnehmen. Sewastopols Bürgermeister Tschalij hat ihnen einen neuen Job angeboten: Sie sollen den Kern einer neuen Krim-Miliz bilden.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roman Rey 28.02.2014 01:45
    Highlight Da stellt sich mir die Frage: Wie gross ist eigentlich der Anteil an Natioalisten bei den Oppositionellen in Kiew?
    0 0 Melden
  • zombie1969 27.02.2014 18:59
    Highlight Die "Die Presse" (Österreich) hat den Fraktionsvorsitzenden der ehemaligen Regierungspartei Alexander Jewremow interviewt. Dieser berichtete von "politischen Druck" gegenüber seiner Partei und sagte auch: " Die Angst geht um. Ehefrauen und Kinder werden eingeschüchtert. Eigentum zerstört".
    Das bedeutet, dass die neue Regierung den Osten und Süden der UA unterdrücken will, da sie die bisherigen Repräsentanten der Bevölkerungsmehrheit darstellen.
    Nach Ausgleich der Regionen sieht das bestimmt nicht aus. Daher müssen sich Jazenjuk und Turtschinow nicht verwundert die Augen reiben, wenn sich in diesen Teilen der UA Milizen und Kosakengruppen zusammenschliessen.

    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1567455/Ukraine_Demokratie-mit-anarchischer-Note?from=suche.intern.portal
    1 0 Melden

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