Umwelt

Dieses NASA-Bild zeigt den «Thwaites Glacier» in der West-Antarktis, der langsam aber unaufhörlich schmilzt. (AP Photo/NASA) Bild: AP/NASA

Temperatur-Rekord

Ozeane sind so warm wie nie 

Die Temperatur im Oberflächenwasser der Ozeane hat 2014 ein Rekordhoch erreicht. Forscher sind alarmiert: Erwärmt sich die Erde nach einer mehrjährigen Pause doch wieder? 

17.11.14, 21:57

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In diesem Sommer haben Wissenschaftler an der Meeresoberfläche die bisher höchsten Temperaturen seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Die Temperaturen seien sogar höher als im Jahr 1998, als ein extrem starker El Niño den Pazifik aufgeheizt hatte, zeigte eine Analyse von Axel Timmermann von der University of Hawaii.

Ozeane gelten als guter Indikator für die Klimaerwärmung. In ihren obersten drei Metern halten sie so viel Wärme wie die gesamte Lufthülle der Erde. Von 2000 bis 2013 hatte der Temperaturanstieg der Ozeane allerdings pausiert, obwohl die Treibhausgaskonzentrationen zugenommen haben, was Forscher vor Rätsel stellte. Nun geht die Erwärmung offenbar weiter.

Antrieb ist der Nordpazifik 

«Die hohen Temperaturen der Ozeane im Jahr 2014 gehen hauptsächlich auf den Nordpazifik zurück, der sich weit über die bisherigen Höchstwerte erwärmt hat», erklärt Timmermann. Zuletzt lag die Temperatur im September 2014 um 0,8 Grad über dem langjährigen Mittelwert, alle Ozeane zusammen waren an der Oberfläche 0,6 Grad wärmer.

Der rasante Temperaturanstieg der Meeresoberfläche im Nordpazifik habe bereits im Januar 2014 begonnen, berichtet der Forscher. Im April und Mai hätten schliesslich Westwinde grosse Mengen warmen Wassers aus dem Westpazifik entlang des Äquators in den Ostpazifik gedrückt bis vor die nordamerikanische Pazifikküste. Dort sei eine enorme Menge Wärme freigesetzt worden, die sich über etwa zehn Jahre im Westpazifik angesammelt hatte.

«Eine Rekordmenge ausgestossener Treibhausgase und ungewöhnlich schwache Passatwinde im Sommer am Nordpazifik haben zusätzlich zur Erwärmung beigetragen», sagt Timmermann. Normalerwiese kühlen die Passatwinde das Oberflächenwasser in dem Gewässer ab. Nun allerdings reichten die warmen Oberflächentemperaturen vom Norden Papua-Neuguineas bis zum Golf von Alaska.

Unter anderem führen grosse Mengen an Treibhausgase zur Erwärmung der Erde. Bild: Charlie Riedel/AP/KEYSTONE

Rekordjahr 2014 

Bereits im Januar hatte sich abgezeichnet, dass 2014 das wärmste Jahr für die Oberflächentemperatur der Ozeane seit Beginn der Messungen werden könnte: Bereits der August war der Monat mit der höchsten Wassertemperatur seit beginn der Messungen. Der September hat die Wert nochmals übertroffen. Die genaue Auswertung nachfolgender Daten brachte nun Gewissheit, dass das gesamte Jahr 2014 ein Rekordjahr ist.

Allerdings unterliegt die Messung der Temperaturen in den Ozeanen gewissen Unsicherheiten. Um herauszufinden, wie viel Wärme die Meere speichern, sind auch Informationen über die tieferen Wasserschichten notwendig. Es ist allerdings schwierig, die 700 Billiarden Liter Wasser in den Meeren systematisch zu überwachen. Bojen etwa tauchen nur in Tiefen bis 2000 Meter, weshalb es nur wenige Informationen über Temperaturen in grösserer Meerestiefe gibt - und genau dort vermuten Forscher grosse Veränderungen, auch während des vermeintlichen Stillstands der vergangenen Jahre. (jme/gag)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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