Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die legendärste Pressekonferenz der Bundesliga-Geschichte. Video: Youtube/BarneveldDarts

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

10. März 1998: Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni rastet an der Pressekonferenz nach einer Niederlage gegen Schalke völlig aus. Aus seiner Wutrede entstehen Kultsätze wie «Was erlaube Strunz?», «Flasche leer» und «Ich habe fertig!»

10.03.15, 00:01

Mit sagenhaften 23 Titeln gilt Giovanni Trapattoni als der erfolgreichste Fussballtrainer der Welt. Doch wenn heute sein Name fällt, spricht kein Mensch von den drei Siegen im UEFA-Cup, vom Triumph im Meistercup oder von den sieben italienischen Meisterschaften mit Juventus und Inter. Ein Satz des 74-Jährigen überstrahlt den prall gefüllten Trophäenschrank und alle seine Erfolge: «Spieler schwach wie Flasche leer!»

Als Trainer von Bayern München hat der «Mister» aus Italien immer mit der Sprache zu kämpfen. Das, was er der Mannschaft sagen will – seine komplexen taktischen Ideen und Konzepte – kann er aufgrund seiner mangelnden Deutschkenntnisse nicht immer richtig erklären.

Trapattoni hatte in München täglich mit Kommunikationsschwierigkeiten zu kämpfen. Bild: AP

Vorentscheidende Niederlage

So wohl auch am 8. März 1998. Im Parkstadion auf Schalke verlieren die Bayern vor 71'000 Zuschauern mit 0:1. Es ist ihre dritte Niederlage in Folge und an der Tabellenspitze hat sich Kaiserlautern schon Mitte der Rückrunde vorentscheidend abgesetzt.

Trapattoni wahrt im Stadion die Fassung, aber im stillen Kämmerlein brütet er zwei Tage und Nächte über der bitteren Pleite. Am 10. März entädt sich der ganze Frust bei der Pressekonferenz an der Säbener Strasse. Seine dreieinhalbminütige Brandrede katapultiert «Trap» sofort in den Kult-Olymp des deutschen Fussballs.

«Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer! »

Giovanni Trapattoni am 10. März 1998

Nur dank einer Notlüge gab es keine zweite Runde

Was kaum jemand weiss: Trapattoni ist in diesem Moment so fuchsteufelswild, dass er eigentlich noch eine Schippe drauflegen will. Nachdem er im Video aus dem Bild verschwunden ist, läuft der Italiener nur fünf Meter, fasst sich an den Kopf und zischt: «Habe ich etwas vergessen!»

Bayerns Medienchef Markus Hörwick kann seinen Trainer nur mit sanfter Gewalt stoppen. Trapattoni beruhigt sich erst, als er ihm verspricht nachzusehen, ob noch Journalisten im Presseraum sitzen.

«Trap» holte mit den Bayern den Meistertitel 1997 und im Jahr darauf den DFB-Pokal. Bild: AP

Hörwick geht zurück an den Schauplatz der Wutrede und natürlich ist noch die Hölle los. Die Journalisten hören sich den Ausbruch noch einmal auf ihren Diktiergeräten an und telefonieren aufgeregt mit den Redaktionen: «Wahnsinn! Unfassbar! Eine ganz grosse Geschichte!»

Pressesprecher Hörwick bleibt cool, dreht sich um und geht wieder zu Trapattoni. «Sorry, Giovanni, die sind alle schon weg», lügt er und begleitet den Italiener aus dem Gebäude.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 10.03.2015 16:58
    Highlight Einfach legendär und immer wieder schön zum anschauen.
    4 0 Melden
  • Zuagroasta 10.03.2015 12:21
    Highlight Ah, herrlich!
    Wahrscheinlich die beste Presskonferenz aller Zeiten.
    Kein Vergleich zu den politisch korrekten Weichspülplauderstunden
    heutzutage.
    Mille grazie Giovanni.
    9 0 Melden

Bürki sagt, er bleibe auch nach Hitz' Ankunft die Nummer 1 in Dortmund

Borussia Dortmund wird nicht nur mit einem Schweizer Trainer (Lucien Favre) in die neue Saison gehen, sondern auch mit zwei Schweizer Goalies. Zu Roman Bürki gesellt sich Marwin Hitz – angeblich nur als Backup.

Borussia Dortmund hat eine durchzogene Saison hinter sich. Nach enttäuschenden Resultaten musste Trainer Peter Bosz im Dezember gehen, Peter Stöger löste ihn ab. Der Österreicher führte den BVB auf Rang 4 und damit in die Champions League.

Trotzdem musste Stöger weichen, damit endlich Dortmunds Wunschkandidat Lucien Favre kommen konnte. Eines der Probleme, die den Romand erwarten: Wen stellt er ins Tor? Roman Bürki, die Nummer 2 der Schweizer Nati, war bei den Schwarz-Gelben gesetzt. …

Artikel lesen