Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: AP

Wolfsburg wird Deutscher Meister

04.04.2009: Nie wurden die Bayern schöner gedemütigt als durch die Hacke von Grafite

4. April 2009: Der VfL Wolfsburg mit Natigoalie Diego Benaglio ist im Rausch. Gleich mit 5:1 zerpflücken die «Wölfe» auf dem Weg zum ersten Meistertitel den Titelverteidiger Bayern. Höhepunkt ist dabei das «Tor des Jahres» des Brasilianers Grafite – Benaglio sorgt ebenfalls für Wirbel.

04.04.14, 00:01 17.12.14, 09:26

Der Kampf an der Tabellenspitze der Bundesliga ist hochspannend, als die Endphase der Saison 2008/09 eingeläutet wird. Wolfsburg, Bayern München und der HSV haben alle je 48 Punkte auf dem Konto, das Trio jagt Hertha Berlin (49 Punkte), das dank dem Schweizer Trainer Lucien Favre auf Platz 1 liegt.

Doch am Abend des 4. April ist nicht mehr Hertha Leader, sondern Wolfsburg – und diesen Platz wird der VfL nicht mehr abgeben und am 23. Mai 2009 seinen ersten und bislang einzigen Meistertitel feiern. Besonders wertvoll und im Rückblick entscheidend ist der Kantersieg im Direktduell gegen die Bayern. Mit einem 1:5 im Gepäck reist der Rekordmeister zurück nach München.

Daumen hoch: In der Saison 2008/09 ist Grafite der überragende Spieler der Bundesliga. Bild: EPA

Mit der Hacke mitten ins Bayern-Herz

Edinaldo Batista Libânio, den ein früherer Trainer wegen der hageren Statur nach der Graphitmine im Bleistift «Grafite» tauft, wird zur Figur der Partie. 1:1 steht es zur Pause, dann schlägt die grosse Stunde der beiden Wolfsburger Goalgetter Edin Dzeko und Grafite. Zunächst schiesst der Bosnier innert drei Minuten das 2:1 und 3:1. Wolfsburg ist im Rausch und auch der Brasilianer trifft innert drei Minuten zwei Mal.

Das 5:1 ist dabei die Krönung: Grafite dribbelt sich durch die Bayern-Abwehr, an Goalie Michael Rensing vorbei und als er mit dem Rücken zum Tor steht, schliesst er den Angriff mit der Hacke ab. Perfide langsam kullert der Ball ins Tor, schöner wurden die Bayern wohl noch nie gedemütigt. Der Treffer wird in Deutschland auch zum Tor des Jahres gewählt.

Video: Youtube/mrteflon

«Ich bekam den Ball von Dzeko in den Lauf gespielt», schilderte der Torschütze danach in der «Bild» sein Super-Tor. «Die Münchner griffen mich nicht richtig an. Ich habe erst Ottl ausgespielt. Dann stand aber schon der zweite da, Lell. Auf einmal wurden es immer mehr Bayern-Spieler.»

«Ich bin froh, dass ich den Ball nicht fester getroffen habe. Sonst wäre er wohl vorbei gegangen.»

Er habe angefangen zu überlegen: «Mein erster Gedanke war, sofort zu schiessen, als ich die ersten beiden umkurvt hatte. Ging aber nicht, weil Rensing auf einmal zu nah dran stand. Also musste ich um ihn auch noch rum. Da blieb mir einfach nur noch die rechte Hacke übrig. Ich bin froh, dass ich den Ball nicht fester getroffen habe. Sonst wäre er wohl vorbei gegangen.»

Magaths ungewöhnliche Goalie-Rochade

Wolfsburg-Trainer Felix Magath rächt sich ausserdem noch für seinen Rauswurf bei den Münchnern ein Jahr zuvor, indem er in der 89. Minute den kerngesunden Goalie Diego Benaglio auswechselt.

Während Magath erklärt, er habe Ersatzmann André Lenz gebracht, damit der eine Einsatzprämie erhalte, schimpft Bayern-Captain Mark van Bommel: «Das ist eine Demütigung. Schlimmer geht es fast nicht!»

Hurra, hurra, der Lenz ist da. Bild: AP

Am Ende der Saison ist Wolfsburg nicht nur Meister, sondern Grafite wird auch Torschützenkönig. 28 Tore erzielt er in 25 Einsätzen – eine Wahnsinnsquote, dank der er auch zum «Fussballer des Jahres» in Deutschland gewählt wird.

In Wolfsburg habe er seine «beste Zeit im Fussball» erlebt, sagt Grafite später in einem Interview in der Heimat und zu Felix Magath meint er: «Wenn eine Mannschaft normal trainiert, ist es bei ihm das Doppelte. Zwei Jahre mit Magath sind wie vier Jahre bei einer normalen Mannschaft.»

2011 wechselt der damals 32-Jährige in die Vereinigten Arabischen Emirate. Bei Al-Ahli Dubai lässt er sich nicht bloss den Vorruhestand vergolden, Grafite trifft immer noch regelmässig und wird deshalb von den wenigen Fans in der Wüste verehrt.

Bild: Facebook/Grafite

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.



Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Peter 04.04.2014 14:47
    Highlight Die schlimmste Hacke für jeden Bayern-Fan ist die von Madjer:

    0 0 Melden

Vier Minuten feiert Schalke 04 den Titel – dann wird es nur «Meister der Herzen»

19. Mai 2001: Schalke steht Kopf, die Fans bejubeln nach dem 5:3-Sieg gegen Unterhaching schon den ersten Meistertitel seit 1958. Doch in Hamburg, wo die Bayern spielen, läuft noch die Nachspielzeit. Und es passiert das Unfassbare.

Die Meisterschaft 2001 ist eigentlich schon gelaufen. Bayern München hat vor dem letzten Spieltag drei Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Schalke. Ein Punkt reicht auf jeden Fall zum Titel. Das wird sich der Rekordmeister nicht mehr nehmen lassen – glauben alle.

Bayern-Keeper Oliver Kahn heizt vor dem Gastspiel beim Hamburger SV nochmals die Stimmung an. «Bis auf die Bayern-Fans wird ganz Deutschland gegen uns sein. Was schöneres gibt es nicht», posaunt der Titan siegessicher. Doch dann …

Artikel lesen