Unvergessen
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Bild: DPA

16 Sekunden nach der Einwechslung

28.05.1997: Lars Ricken kommt, schiesst und macht Borussia Dortmund zum Champions-League-Sieger

28. Mai 1997: Der eingewechselte Lars Ricken braucht nur einen Ballkontakt, um sich unsterblich zu machen. Direkt nach seiner Einwechslung schiesst er im Champions-League-Final das Dortmunder 3:1 gegen Juventus Turin.

28.05.14, 06:03 28.05.14, 09:20
«Das ist für mich die grösstmögliche Bestätigung: Mit einem Tor habe ich den Menschen einen unvergesslichen Augenblick beschert.»

Lars Ricken

16 Sekunden steht Lars Ricken auf dem Platz. Borussia Dortmund führt im Final der Champions League gegen Juventus Turin mit 2:1, als der Ball zum jungen Stürmer kommt. «Schiess, von wo auch immer», hat sich dieser noch auf der Ersatzbank für seinen ersten Ballkontakt vorgenommen – und er setzt seinen Plan in die Tat um.

Ricken erhält den Ball von Andreas Möller zugespielt, es ist ein herrlicher Steilpass des Spielmachers. Juve-Keeper Angelo Peruzzi steht etwas weit vor seinem Kasten, also nochmals: «Schiess, von wo auch immer!» Er drückt ab, der Ball segelt im hohen Bogen über den Italiener und zappelt im Netz. Das 3:1, die Entscheidung, Dortmund holt den Kübel.

Video: Youtube/BVB09Hero

Knapp 21 Jahre alt ist Lars Ricken erst, aber ein Neuling ist er nicht. Schon als 17-Jähriger holt ihn Ottmar Hitzfeld, nicht unbedingt als Nachwuchsförderer bekannt, in den Profikader. Rickens erster Treffer in der Bundesliga macht ihn zum damals jüngsten Torschützen der Ligageschichte.

Lars Ricken

Deutscher Meister: 1995, 1996 und 2002
Champions-League-Sieger: 1997
Weltpokal-Sieger: 1997
UEFA-Cup-Finalist: 2002
Vize-Weltmeister: 2002 (ohne Einsatz)

Auch im Europacup schiesst Ricken wichtige Tore, besonders in dieser Champions-League-Saison. Sowohl im Viertelfinal gegen Auxerre wie auch im Halbfinal gegen Manchester United erzielt er im Rückspiel die Treffer zu den beiden 1:0-Siegen.

«Ich wusste, dass ich meine Chance erhalte»

Dennoch sitzt er am Abend des 28. Mai nur auf der Ersatzbank, als im Münchner Olympiastadion der Final gegen Juventus Turin angepfiffen wird. «Ich war natürlich schon enttäuscht», gab Ricken Jahre später im Magazin 11 Freunde zu.

«Unser Team war gespickt mit Nationalspielern. Da alle fit waren, habe ich schon geahnt, dass ich auf der Bank sitzen muss.» Nach einem sehr guten Gespräch mit Hitzfeld habe er aber gewusst, dass er zu seiner Chance kommen würde.

Die Startaufstellungen

Die Auswechslungen: 67. Herrlich für Riedle, 70. Ricken für Chapuisat, 89. Zorc für Möller. 46. Del Piero für Porrini, 73. Amoruso für Vieri, 88. Tacchinardi für Boksic. Bild: Wikipedia

Juve geht als Favorit ins Endspiel. Doch Karl-Heinz «Kalle» Riedle bringt Dortmund vor der Pause mit einem Doppelschlag (29. und 34. Minute) überraschend in Führung. Als Alessandro Del Piero nach 64 Minuten den Anschlusstreffer für die Italiener schiesst, beweist Dortmund-Trainer Hitzfeld sein goldenes Händchen.

Lars Rickens grösster Erfolg: Er stemmt den Pokal der Champions League in die Höhe. Bild: Keystone

«So ein Idiot, wie kann der aus dieser Situation schiessen!»

Er nimmt den Schweizer Nati-Held Stéphane Chapuisat vom Platz, ersetzt ihn mit dem «Dortmunder Jungen» Lars Ricken, der Rest ist Geschichte. Seit seinem Heber wird der Torschütze zum 3:1 überall, wo er auftaucht, auf dieses eine Tor angesprochen. Wobei es meistens so sei, dass er nicht seine Geschichte erzählen müsse, «sondern die Leute erzählen mir, wie sie das Tor erlebt haben.»

Eine Geschichte sei ihm besonders in Erinnerung geblieben, sagt Ricken. Erzählt habe sie ihm ein Fan, der ihn eigentlich für seinen Schuss verflucht habe. «Er sagte ‹So ein Idiot, wie kann der aus dieser Situation schiessen› und drehte sich wütend ab. Wenige Sekunden später brach der Jubel aus und seine Freunde und er lagen quer übereinander.» Ricken spricht von der grösstmöglichen Bestätigung. «Mit einem Tor habe ich den Menschen einen unvergesslichen Augenblick beschert.»

Damals umstritten und heute noch bekannt: Rickens Werbespot für Nike, mit dem legendären Satz «Ich seh' Typen in Nadelstreifen». Video: Youtube/RetroSpots

«Andere werden über Schwalben definiert. Ich über mein Tor gegen Juve.»

Es stört Ricken nicht, dass er von vielen Fans auf eine einzige Szene reduziert wird. «Es gibt doch nichts schöneres, als ein Tor erzielt zu haben, das den Leuten so eindringlich im Gedächtnis geblieben ist. Andere werden nach ihrer Karriere über Schwalben oder brutale Fouls definiert. Ich über mein Tor gegen Juve», sagte er 2009 in der Bild. Damals wählten die Fans seinen Lupfer anlässlich des 100. Geburtstags des Klubs zum «BVB-Tor des Jahrhunderts».

Zeit seiner 302 Bundesligaspiele langen Karriere trug Ricken immer nur das gelb-schwarze Trikot von Borussia Dortmund. Auch nach dem Rücktritt blieb er dem Klub treu, er arbeitet als Nachwuchskoordinator.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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