Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Tomislav Piplica Augenblicke nach dem denkwürdigsten Moment seiner Karriere. Bild: AP

Goalie Tomislav Piplica fällt der Ball auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

6. April 2002: Fussballfans grölen sich kaputt, als Borussia Mönchengladbach in Cottbus zum 3:3 ausgleicht. Denn das Tor hat Energie-Keeper Tomislav Piplica erzielt: Mit einem Kopfball nach einer Bogenlampe.

06.04.18, 00:05

«Es ist meine Schuld. Ich habe gedacht, der Ball fällt auf die Latte.» Was soll Tomislav Piplica nach dem Spiel auch anderes sagen. Jeder im Stadion, jeder vor dem Fernseher, hat gesehen, dass es seine Schuld war.

3:2 führt Energie Cottbus zuhause gegen Borussia Mönchengladbach. Nur noch ein paar Minuten sind zu spielen, Energie steuert einem Sieg und dem fast sicheren Klassenerhalt entgegen.

Ein Torhüter, zur Salzsäule erstarrt

85. Minute im Stadion der Freundschaft. Eher verzweifelt als vom eigenen Erfolg überzeugt, drückt der Gladbacher Marcel Witeczek an der Strafraumgrenze ab. Der Cottbuser Radoslav Kaluzny wirft sich in die Schussbahn, blockiert den Ball. Der fliegt hoch in die Luft, fünfzehn, zwanzig Meter, vielleicht noch höher.

Kurz vor der Torlinie senkt sich die Kugel. Goalie Piplica hat sie im Blick – dennoch bleibt er wie versteinert stehen, als der Ball auf seinem Kopf landet. Von dort geht er ins Tor und mit ihm Piplica, der mit grosser Verzögerung doch noch reagiert und seinen Körper nach hinten fallen lässt. Wenig später ist die Partie zu Ende. Cottbus verspielt den Sieg, trennt sich von Mönchengladbach 3:3.

Piplicas Alptraum in Endlosschleife. GIF: Mesch1987

«Es ärgert mich, wenn immer nur dieser eine Treffer gezeigt wird»

In Cottbus ist der langhaarige Osteuropäer dank seiner oft herausragenden Leistungen bis heute eine Legende. Im Rest der Welt denkt man beim Namen Tomislav Piplica aber immer nur an diesen einen Moment seiner Karriere.

«Das ärgert mich», gesteht der Goalie im Interview mit 11 Freunde. Das Gegentor selber wurme ihn heute nicht mehr, aber die Tatsache, dass immer nur dieser eine Treffer gezeigt werde. «Ich hätte keine Probleme damit, wenn die Leute auch mal meine guten Aktionen zeigen würden.»

Der Lapsus aus der Hintertor-Perspektive. GIF: Mesch1987

«Es hat sehr blöd ausgesehen»

Dennoch schildert Piplica, wie es zum Tor kam. «Ich habe einen Schritt zurück gemacht und stand unter der Latte. Da war ich hundertprozentig davon überzeugt, dass er auf die Latte oder gleich über das Tor geht. Es war ja auch windig. Da ist es passiert, das Ding fiel mir auf den Kopf und ins Tor.» Er habe Pech gehabt, findet Piplica rückblickend und er weiss natürlich: «Es hat sehr blöd ausgesehen. Ich war von mir selbst schockiert. In der Woche darauf war ich aber bester Mann auf dem Platz – kein Mensch erinnert sich noch daran ...»

Kurzes, witziges und nicht ganz ernst gemeintes Porträt über Tomislav Piplica. Video: YouTube/CallHimPat

Zufall oder nicht: Piplicas Spitzname lautet «Pipi». Er teilt ihn sich mit Marco Streller. Egal, was der Basel-Stürmer alles in seiner Karriere erreicht hat: Auch wenn man seinen Namen hört, spuckt die gehirn-interne Suchmaschine als ersten Treffer einen Flop aus: Das «Züngeln» beim verschossenen Penalty im WM-Achtelfinal 2006 gegen die Ukraine.

Der Rest ist Geschichte. GIF: chosoGRP

Ende gut, Alles gut

Unmittelbar nach dem Spiel erhält der bedauernswerte Goalie vor allem viel Trost – er wird aber auch verspottet. Bei Gladbach steht Jörg Stiel im Kasten, der flapsig verkündet: «Ich habe schon viel erlebt, aber so etwas – den köpfe ich höchstens raus!» 

Der als knallhart bekannte Cottbuser Trainer Ede Geyer zeigt sich hingegen von seiner humorvollen Seite: «Am besten schmeisse ich ihn raus.» Das tut er natürlich nicht, denn er weiss, was er an seiner Nummer 1 hat. Am Ende der Saison hält Energie die Klasse – und Piplica bleibt bis 2009 in der Lausitz, da ist er 40-jährig.

Wem solch eine Lasershow und ein Feuerwerk gewidmet sind, der ist definitiv eine Legende: Die Verabschiedung von Piplica aus Cottbus. Video: YouTube/Cottolly

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

#floodlightporn ist das Instagram-Hashtag für jeden Fussball-Nostalgiker

18.08.1995: St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

23.09.1994: Mario Basler kommt auf die absurde Idee, eine Ecke direkt zu verwandeln und hat damit auch noch Erfolg

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

10.12.1995: Ciri Sforza sieht im TV, wie er ohne sein Wissen transferiert wird und wie seine Mitspieler bitterböse über ihn schimpfen

19.11.1994: Nach einer kuriosen Rote Karte und dem Last-Second-Ausgleich des KSC flippt Lothar Matthäus im Interview komplett aus

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

20.05.2000: «Ihr werdet nie deutscher Meister» – Ballacks Eigentor in Unterhaching macht Bayer endgültig zu «Vizekusen»

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

03.01.2006: Der Bergdoktor ist da – Hanspeter Latour soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

04.05.2002: Der Beweis dafür, dass Leverkusen keinen Titel holen kann – und es kam noch viel schlimmer

18.09.1999: Kuffour knockt Kahn aus und als Ersatzkeeper Dreher sich das Knie verdreht, werden «Tanne» Tarnat und der Kahn-Killer zu den grossen Matchwinnern

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

23.04.1994: Helmers Phantomtor, der berühmteste Nichttreffer der Bundesliga

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

04.04.2009: Nie wurden die Bayern schöner gedemütigt als durch die Hacke von Grafite

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

13.04.1995: Andy Möller kreiert mit der Schutzschwalbe eine neue Tierart

19.5.2001: Vier Minuten feiert Schalke den Titel, dann trifft Andersson in Hamburg mitten ins königsblaue Herz

09.05.1998: Die grösste Bundesliga-Sensation ist perfekt: Aufsteiger Kaiserslautern darf die Meisterschale in die Höhe stemmen

Wolfgang Wolf wird Trainer der Wölfe in Wolfsburg – hihihi!

16.05.1992: Eintracht Frankfurt verspielt den Meistertitel im letzten Moment, doch «Stepi» bleibt cool: «Lebbe geht weider»

02.04.1974: Ob den Dortmundern bei der Einweihung schon bewusst ist, dass sie einmal das geilste Fussballstadion der Welt haben werden?

19.08.1989: Klaus «Auge» Augenthalers Weitschusstreffer wird Tor des Jahrzehnts

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

07.05.1991: «Mach et, Otze!» Kölns Ordenewitz will sich in den Pokalfinal tricksen – aber der DFB findet den Ordene-Witz nicht komisch

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rukfash 06.04.2018 01:56
    Highlight Tomi Piplica war unglaublich, er hielt Bälle die andere nicht halten können doch bekam Bälle rein die mein 6 Jähriger Cousin locker abgewehrt hätte :‘D..
    17 0 Melden

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir schauen dabei zu

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Nach acht Meistertiteln in Folge zwischen 2010 und 2017 können sich Schweizer, die um die 20 Jahre alt sind, kaum mehr an einen anderen Champion erinnern – den jüngsten YB-Titel mal ausgenommen. Dabei liegen die Zeiten, als der FC Basel selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht so weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des …

Artikel lesen