Unvergessen
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Das vielleicht beste Torwandschiessen in der Geschichte des «Aktuellen Sportstudios». Video: Youtube/sportstudio

27.04.1996: Basler lässt Wut an Torwand aus: «Wenn Sie ein drittes Loch in die Wand reinschiessen, gibt es 1000 Mark von mir» 

27. April 1996: Das Torwandschiessen im «Aktuellen Sportstudio» ist meist ein kleines, harmloses Spielchen. «Dreimal unten, dreimal oben», so die einfache Regel. Doch wenn ein genervter Mario Basler antritt, kann es schon mal mächtig krachen. 

27.04.15, 00:01


Seit 1963 gibt es das «Aktuelle Sportstudio» im ZDF, seit 1964 gehört das Torwandschiessen zum festen Bestandteil der Sendung. In den 70ern wollte man die Spielerei zwar weglassen, doch Zuschauerproteste hatten die schnelle Wiedereinführung zur Folge. Zum Glück, denn sonst wäre uns die Szene am 27. April 1996 verwehrt geblieben.

Zugegeben, aus heutiger Sicht reicht nur schon ein Blick auf die Kleidung von Moderator Günther Jauch und insbesondere Gast Mario Basler, um die Stimmung deutlich zu heben. Basler, damals noch Spieler von Werder Bremen, kam gerade aus Holland zurück, wo die Nationalmannschaft drei Tage zuvor einen der letzten EM-Tests bestritt. Er trägt eine lange gelbe Krawatte und ein graues Jackett, in welches selbst Dirk Nowitzki reingepasst hätte. 

Basler Torwand

Allein die Kleidung war 1996 ein Highlight. Screenshot: ZDF

Das Testspiel gegen Holland gewannen die Deutschen zwar 1:0, aber die Leistung von Basler schien nicht nur Jauch nicht gefallen zu haben. Kurz vor dem obligaten Torwandschiessen stellt er daher die Frage: «Waren Sie denn mit Ihrer Leistung zufrieden?» Ein knappes «Ja» und insbesondere der folgende Kommentar von Jauch («da waren Sie fast der Einzige»), lässt erahnen: Hier könnte es lustig werden.  

«Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt»

Basler war ja immer schon für seine markigen Worte und seinen nicht ganz einfachen Charakter bekannt. Später bei seiner Suspendierung bei Bayern München nach einer Rangelei in einem Wirtshaus wird er einmal passend erklären: «Es gibt doch in der Bundesliga oder beim FC Bayern nicht nur Spieler, die am Sonntag immer in die Kirche gehen.» Zu seinen legendärsten Zitaten gehört allerdings dieses: «Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.» Verbal wehrt sich Basler auch gegen die Vorwürfe Jauchs und als dieser fragt, ob der Zug für die anstehende EM jetzt gegenüber Scholl, Hässler oder Möller abgefahren sei, kontert Basler: «Da müssen Sie den Bundestrainer fragen.»

Mario Basler

Mario Basler war einer der talentiertesten Mittelfeldspieler Deutschlands, der auch neben dem Spielfeld immer wieder auffiel. Während seiner Karriere spielte er unter anderem für Werder Bremen, Kaiserslautern, Hertha BSC oder Bayern München. Für die DFB-Elf lief der Bundesliga-Torschützenkönig von 1995 30-mal auf. Basler wurde zweimal Deutscher Meister, zweimal Pokalsieger und 1996 Europameister (ohne Einsatz). 2004 beendete er seine Karriere und war seither bei verschiedenen kleineren Vereinen wie Wacker Burghausen oder Rot-Weiss Oberhausen Trainer. Dort trat er im September 2012 zurück und hat seither keinen neuen Verein mehr trainiert. Seit Januar 2015 ist er «Geschäftsführer Sport» beim Oberligisten 1. FC Lokomotive Leipzig. Ziel ist der Aufstieg in die 3. Liga.

Als kurzer Einschub sei erwähnt: Zu Aufstellungen hatte der brillante Spielmacher sowieso seine eigene Meinung, wie er an anderer Stelle einmal festhielt: «Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt, Hauptsache, ich spiele.»

Und der Zug zur EM war nicht abgefahren. Basler fährt zwei Monate später zur Endrunde, muss dort aber nach einem Rencontre mit Christian Ziege im Training noch vor dem ersten Gruppenspiel gegen Russland am Knöchel verletzt heimreisen. Den EM-Titel feiern seine Teamkollegen ohne ihn. Zu Ziege hat Basler seine Meinung später einmal geäussert, als dieser sich seine Haare zu einem Glatzkopf abrasierte: «Jetzt sieht er aus wie ein frisch lackierter Totalschaden!» 

Sichtlich genervt lässt es Basler krachen

Doch zurück ins «Aktuelle Sportstudio», wo das Torwandschiessen beginnen kann. Normalerweise packen hier die Fussballer ihre Schnibbelkünste (egal, ob vorhanden oder nicht) aus und streicheln den Ball Richtung Wand. Bei Basler ist dies nur beim ersten Versuch so. Dann lässt er es – sichtlich genervt – zweimal krachen. Der dritte Versuch prallt dabei von der Wand ab und zerstört eine «alte Requisite des ZDF», wie Jauch mit dem kaputten Stück in der Hand bemerkt. Baslers Reaktion: Ein Schulterzucken und die unbeeindruckte Frage «Können wir weitermachen?»

Basler Torwand

«Ja, was soll ich machen?», scheint Mario Basler zu fragen, als Jauch ihm das kaputte Teil hinhält. Screenshot: ZDF

«Ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein»

Jauchs Versuch, Basler zu besänftigen, funktioniert leider nur beim ersten der Versuche auf das hohe Ziel. Allerdings ist es auch ziemlich unklug, Basler auf dessen Frage, ob er etwas lockerer schiessen solle, zu antworten: «Nein, wenn Sie ein drittes Loch in die Wand reinschiessen, gibt es 1000 Mark von mir.» 

Basler hält also noch zweimal mit Schmackes drauf, der Ball springt einmal an die Decke und saust beim letzten Versuch deutlich über die Wand durchs Studio. «Macht nix», so Jauch, der wohl auch froh ist, dass das Torwandschiessen dann bald vorbei ist. Und Basler? Der hätte an dieser Stelle ein weiteres seiner bekannten Zitate verwenden können: «Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein!» 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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