Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Supporters of Leverkusen cry after the German first division soccer match Bayer Leverkusen vs Herta BSC Berlin in the BayArena in Leverkusen, Saturday, May 4, 2002. Event though the match ended 2-1 for Leverkusen, Borussia Dortmund  won the match against Werder Bremen with 2-1 and is the new German champion. (AP Photo/Martin Meissner)

Bild: AP

Der ewige Zweite Bayer 04

04.05.2002: Der Beweis dafür, dass Leverkusen keinen Titel holen kann – und es kam noch viel schlimmer

4. Mai 2002: Bayer Leverkusen hat es wieder nicht geschafft. Obwohl die Werkself drei Runden vor Schluss fünf Punkte Vorsprung hat, verpasst sie den Meistertitel. Es ist der Auftakt zu denkwürdigen Wochen, die das Image des ewigen Zweiten zementieren.

04.05.14, 00:00 04.05.14, 12:46

Uefa-Cup-Sieger 1988, DFB-Pokal-Sieger 1993. Das sind die beiden einzigen Pokale in der Vitrine von Bayer Leverkusen – weil es für zweite Plätze höchstens Lob gibt, aber nichts, das man ausstellen könnte.

Auf diese zweiten Plätze ist Bayer Leverkusen um die Jahrtausendwende abonniert. 1997, 1999 und 2000 wird der Klub Vizemeister. Nun in der Saison 2001/02 soll es endlich klappen mit der ersten deutschen Meisterschaft. Wochenlang führt die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller die Tabelle der Bundesliga an, drei Runden vor Schluss beträgt der Vorsprung auf die Verfolger fünf Punkte.

Die Meisterentscheidung in der letzten Runde der Saison 2001/02. Video: Youtube/wikimod07

«Calmunds Bauch wackelte vor lauter freudiger Aufregung»

Aber anstatt die Schale in die Höhe zu stemmen, bleibt «Vizekusen» wieder einmal bloss der Frust, einen Titel knapp verpasst zu haben. Leverkusen verliert gegen Bremen 1:2, in Nürnberg 0:1 und ist vor der letzten Runde plötzlich nicht mehr Leader, sondern einen Punkt hinter Dortmund. Der 34. und letzte Spieltag muss entscheiden.

Michael Ballack, die grosse Leaderfigur der Leverkusener, trifft früh zum 1:0 gegen Hertha Berlin. «Auf der Haupttribüne wackelte Reiner Calmunds Bauch vor lauter freudiger Aufregung», schrieb die «Sonntags Zeitung» über den schwergewichtigen Kult-Manager. Kurz nach der Pause legt Ballack mit seinem zweiten Tor nach – und Dortmund spielt für Bayer. 20 Minuten vor Schluss steht es im Westfalenstadion gegen Bremen nur 1:1. Damit wäre Bayer 04 erstmals Meister.

Dann die 74. Minute und eine tschechisch-brasilianische Kombination, die dem BVB den Titel einbringt. Tomas Rosicky lanciert Dede, der flankt in die Mitte, wo Jan Koller den Ball zwar verpasst, aber Ewerthon goldrichtig steht und zum 2:1-Siegestreffer trifft. «Ich spielte die Begegnung mit zittrigen Beinen zu Ende», berichtete Dortmunds Otto Addo später und bezeichnete die Partie als «das Spiel meines Lebens».

Wieder nur Vizekusen: Goalie Hans-Jörg Butt, Bernd Schneider, Manager Reiner Calmund, Dimitar Berbatow und Michael Ballack nach der verpassten Meisterschaft. Bild: AP

In ihrem Jubel vergessen die Dortmunder nicht, den im Fernduell unterlegenen Gegner zu loben. «Leverkusen hat diese Saison überragend gespielt», anerkannte BVB-Trainer Matthias Sammer. Und Präsident Gerd Niebaum blickte voraus: «Die Leverkusener werden sicher noch etwas holen.»

Machten sie nicht. Denn eine Woche nach der verlorenen Meisterschaft unterlag Bayer im DFB-Pokal-Final dem FC Schalke 04 und nochmals vier Tage später verloren Ballack und Co. auch den Final der Champions League. Ein Geniestreich von Zinédine Zidane entschied das Spiel zugunsten von Real Madrid.

Eine Direktabnahme für die Ewigkeit: Zinédine Zidane entscheidet den Champions-League-Final 2002. Video: Youtube/Ruben Reina

Drei Mal eine Hand am Kübel – drei Mal mit hängenden Köpfen vom Platz getrottet. Und diese Bilanz des Schreckens war sogar noch zu toppen. Denn die Saison ging für die Leverkusener Nationalspieler Michael Ballack, Bernd Schneider, Carsten Ramelow, Oliver Neuville und Hans-Jörg Butt erst an der WM in Japan und Südkorea zu Ende. Dort kam Deutschland bis in den Final – den es gegen Brasilien verlor.

«Da war ich schon länger als gewöhnlich am Tresen», bekannte Oliver Neuville nach seiner Karriere, «man verliert ja nicht jedes Jahr ein WM-Finale.» Man kann es dem im Tessin aufgewachsenen Stürmer nicht verübeln. Wenn einem ständig Gegner die schönen, grossen Trinkgefässe vor der Nase wegschnappen, muss man sich irgendwann selber helfen.

Die DFB-Elf, die den WM-Final 2002 verlor. Hintere Reihe, von links nach rechts: Didi Hamann, Miroslaw Klose, Marco Bode, Christoph Metzelder, Thomas Linke. Vordere Reihe: Jens Jeremies, Carsten Ramelow, Bernd Schneider, Torsten Frings, Oliver Kahn, Oliver Neuville. Bild: EPA

Bayer Leverkusen konnte bis heute keinen weiteren Titel mehr gewinnen. 2009 verlor der «Werksklub» den Final des DFB-Pokals, 2011 wurde man erneut Vizemeister. Das Warten am Rhein dauert an.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Bürki sagt, er bleibe auch nach Hitz' Ankunft die Nummer 1 in Dortmund

Borussia Dortmund wird nicht nur mit einem Schweizer Trainer (Lucien Favre) in die neue Saison gehen, sondern auch mit zwei Schweizer Goalies. Zu Roman Bürki gesellt sich Marwin Hitz – angeblich nur als Backup.

Borussia Dortmund hat eine durchzogene Saison hinter sich. Nach enttäuschenden Resultaten musste Trainer Peter Bosz im Dezember gehen, Peter Stöger löste ihn ab. Der Österreicher führte den BVB auf Rang 4 und damit in die Champions League.

Trotzdem musste Stöger weichen, damit endlich Dortmunds Wunschkandidat Lucien Favre kommen konnte. Eines der Probleme, die den Romand erwarten: Wen stellt er ins Tor? Roman Bürki, die Nummer 2 der Schweizer Nati, war bei den Schwarz-Gelben gesetzt. …

Artikel lesen