Unvergessen
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Ryan Giggs umarmt den Dreifach-Torschützen Wayne Rooney. Bild: AP

«Der Messias in Manchester» – Rooney skort bei seiner ManUnited-Premiere einen Hattrick

28. September 2004: Viele Experten schütteln den Kopf, als Sir Alex Ferguson im Sommer den erst 18-jährigen Wayne Rooney für sagenhafte 37 Millionen Euro zu Manchester United holt. Der englische Wunderknabe beweist aber schon bei seinem ersten Auftritt, dass er sein Geld wert ist.

28.09.17, 00:05


«Er ist im Training sehr gut drauf.» Der erfolgreichste Klubtrainer hat mal wieder ein gutes Gespür. Nur drei Monate nach dem Fussbruch im verlorenen EM-Viertelfinal gegen Portugal setzt ManU-Coach Sir Alex Ferguson erstmals seit seinem Wechsel von Everton zu den «Red Devils» auf seinen neuen Stürmer Wayne Rooney. Und der 18-jährige Wunderknabe rechtfertigt das Vertrauen. Beim 6:2-Sieg in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul erzielt der Shooting Star gleich einen Hattrick.

Wayne Rooney (r.) ist bereit. Bild: Getty Images Europe

In Manchester rümpfen die Verantwortlichen zunächst nur die Nase, als Ferguson mit dem Transferwunsch vorspricht. 37,5 Millionen Euro für einen Teenager auszugeben, das passt einigen in der Chefetage so gar nicht in den Kram – auch wenn Rooney als grösstes englisches Talent aller Zeiten gilt. Sir Alex bleibt aber hartnäckig und boxt den Transfer gegen alle Widerstände durch.

Hinter Rio Ferdinand ist Rooney damals der zweitteuerste Engländer aller Zeiten. «Er ist der beste junge Spieler, den dieses Land in den letzten 30 Jahren gesehen hat», sagt Ferguson an dem Tag, als der Transfer von Everton nach Manchester perfekt ist.

Rooney nicht zu bremsen

Das alles kümmert Rooney wenig, als er zur Champions-League-Hymne den Platz des Old Trafford betritt. Der Debütant ist motiviert bis in die Fussspitzen. Angewöhnungszeit braucht Rooney nicht: Nach einem frühen Giggs-Treffer führt United bereits mit 1:0, als Rooney das Leder in der 18. Minute nach perfekter Vorlage von Ruud van Nistelrooy mit links unter die Latte zimmert. Wow, was für ein Einstand.

Wayne Rooneys Hattrick gegen Fenerbahce. Video: YouTube/4420219

Elf Minuten später klingelt es bereits wieder im Tor von Rüstü Recber. Rooney ersprintet sich einen Pass von Giggs, tanzt die Abwehr der Türken aus und trifft aus 20 Metern unhaltbar, flach zum 3:0 ins linke Eck. Alles, was der Teenager versucht, scheint an diesem Abend zu klappen.

Die Krönung folgt in der zweiten Halbzeit. Fener hat mittlerweile auf 1:3 verkürzt, als Rooney sich kurz vor der Strafraumgrenze zum Freistoss hinstellt. Kurzer Anlauf und drin ist der Ball. Herrlich zirkelt er den Ball – wieder unhaltbar für Rüstü – über die Mauer. 

«Vielleicht wird er der Spieler des Jahrhunderts.»

Fenerbahce-Trainer Christoph Daum

Da staunen gar die Teamkollegen: Gary Neville, Ryan Giggs und Gabriel Heinze (v.l.). Bild: AP

Drei Tore beim Champions-League-Debüt, das hatte vor Rooney nur der grosse Marco van Basten 1992 mit vier Treffern für die AC Milan überboten – doch damals war nicht der Holländer «neu», sondern nur die Champions League, die erstmals an Stelle des Meistercups ausgetragen wurde.

«Der Messias kam nach Manchester.»

Schlagzeile in der «Daily Mail»

Dank Treffern von Van Nistelrooy und Bellion gewinnt ManUnited gegen Fenerbahce mit 6:2. Der Mann des Spiels ist aber natürlich Rooney, der nach der Partie nichts zu seinem Debüt sagen darf. Trainer Ferguson hat ihn mit einem Interview-Verbot belegt. Also wird über ihn gesprochen. «Wayne war grossartig», sagt sein strahlender Trainer Ferguson. «Man hat gesehen, was für ein enormes Potenzial in dem Jungen steckt.»

Verteidiger Ferdinand staunt: «Ich glaube, das Wort ‹Druck› kennt er nicht.» Van Nistelrooy fürchtet: «Wenn er so weitermacht, kann er meine Rekorde brechen.» Da kann Fenerbahce-Trainer Christoph Daum natürlich nicht zurückstehen: «Vielleicht wird er der Spieler des Jahrhunderts.»

«Der Messias kam nach Manchester»

Auch die englische Presse überschlägt sich am Tag nach der Rooney-Gala nur so mit Superlativen. «Das Wunderkind hat die Bühne gefunden, die seinem Talent entspricht», frohlockt der «Independent». «Der Messias kam nach Manchester», jubelt die «Daily Mail». Der «Guardian» nennt es «das eindrucksvollste Debüt, das Old Trafford je erlebt hat». «Wayne im Traumland», schreibt der «Daily Mirror».

Doch das Traumland bleibt ein Traumland und Rooney prallt – wie schon so manch englisches Wunderkind – bald wieder auf dem harten Boden der Realität auf. Zwar gewinnt er mit der United fünf englische Meistertitel und 2008 sogar die Champions League, doch sein persönlicher Stern leuchtet nie so hell, wie auf der Insel eigentlich erhofft.

Wayne Rooney: In der Folge hinkt er den Erwartungen allzu oft hinterher. Bild: AP PA

Kein weisser Pelé, kein Roo-naldo: Der bullige Stürmer kann den Erwartungen, die in ihn gesteckt werden, nie vollauf gerecht werden. Vor allem in der leidgeprüften Nationalmannschaft nicht, bis heute warten die Engländer auf den ersten grossen Titel seit der WM 1966. Die Geister, die er mit seinem Traumdebüt gegen Fenerbahce ruft, hat Rooney bis heute nicht vertreiben können.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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