Unvergessen
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Der FC Basel feiert nach dem 2:1-Heimsieg gegen ManU sich und Trainer Heiko Vogel. Bild: KEYSTONE

Im legendären FCB-Spiel gegen ManUnited drischt «Steini» den Ball an die eigene Latte

7. Dezember 2011: Serienmeister Basel sorgt in der Champions League für eine Sternstunde des Schweizer Klubfussballs. Im letzten Gruppenspiel der Champions League besiegt der FCB den grossen Favoriten Manchester United mit 2:1 und zieht auf Kosten der Engländer in die Achtelfinals ein.

07.12.17, 00:05


Es ist der Abend, an dem einer der in der jüngsten Zeit populärsten Basler Fan-Songs entsteht:

«Dr Steini isch e Glatte, dr Steini isch e Glatte, dr Steini schiesst dr Ball an d Latte!»

In Bild und Ton. Video: YouTube/McChrystals44

Eine Stunde ist vorbei im sechsten und letzten Gruppenspiel der Champions-League-Saison 2011/12. Der FC Basel führt gegen Manchester United mit 1:0. Xherdan Shaqiri hatte von links vors Tor geflankt, dort wurde Marco Streller nicht gedeckt und mit einer Direktabnahme erzielte er nach neun Minuten schon die frühe Führung.

Sommer ohne den Hauch einer Chance

Mit diesem Resultat ist der FCB im Achtelfinal, Manchester United sensationell ausgeschieden. Doch die Partie hat ja eben erst angefangen. Und die Engländer sind zwar nicht in Hochform, aber dennoch der haushohe Favorit. Entsprechend muss Basel einige heikle Phasen überstehen – unter anderem eben die besagte Szene in der 60. Minute.

Der ManU-Portugiese Nani flankt vors Tor, wo Verteidiger Markus Steinhöfer am Fünfmeterraum steht und befreien will. Der Bayer feuert den Ball in Richtung Tor von Yann Sommer, der Goalie hat nicht den Hauch einer Abwehrchance. Doch weil «Steinis» wuchtiger Schuss von der Latte zurück ins Feld klatscht, kann der Abwehrspieler nach dem Spiel scherzen:

«Wir üben im Training Lattenschiessen und ich habe bewiesen, dass ich es kann.»

Markus Steinhöfer

Video: streamable

Shaqiris Flanken und die Tore der Routiniers

Steinhöfer und die FCB-Fans können sich den Spass über die Aktion natürlich nur deshalb erlauben, weil die Szene nicht zu einem Eigentor führt und deshalb nicht spielentscheidend ist. Im Gegenteil: Sie ist das i-Tüpfelchen zu einem Fussballabend, der in einem rauschenden Fest endet. Sechs Minuten vor dem Schlusspfiff bucht Alex Frei das Basler 2:0. Wieder hatte Shaqiri vors Tor geflankt, dieses Mal von der rechten Seite. 

Manchester United bäumt sich nochmals auf, den «Red Devils» gelingt durch Phil Jones aber nur noch der Anschlusstreffer. Um 22.37 Uhr pfeift der holländische Schiedsrichter Björn Kuipers die Partie ab und die Sensation ist perfekt: Basel ist weiter, ManU ist ausgeschieden!

Die drei Tore beim 2:1-Heimsieg des FC Basel gegen Manchester United. Video: YouTube/Sp0rtHD

Alex Freis grosser Stolz …

Die NZZ vergisst nicht, auf das Wettkampfglück der Basler hinzuweisen. Normalerweise erreiche Manchester United mit solchen Spielanteilen im Minimum ein Unentschieden: «Doch der Fussball lebt davon, dass die Normalität nur in neun von zehn Fällen einkehrt und dass im zehnten Fall die in Stein gemeisselte Hierarchie auf den Kopf gestellt wird.»

Denn der FC Basel eliminiert mit Manchester United einen der allergrössten Klubs der Welt aus dem wichtigsten Klubwettbewerb der Welt. «Etwas Unglaubliches» hätten sie geschafft, strahlt Alex Frei, «für die ganze Fussballschweiz. Auch die, die kein rotblaues Trikot tragen, dürfen an diesem Abend stolz sein.» Die «Basler Zeitung» ist in Gönnerlaune und verteilt lauter Bestnoten: Sechs FCB-Akteure erhalten eine 6, die anderen fünf werden mit einer 5,5 benotet.

Lass dich drücken! Marco Streller (links) und Fabian Frei (rechts) knuddeln Torschütze Alex Frei. Bild: KEYSTONE

… und der Frust bei Manchester United

Während der Schweizer Meister im Hoch ist, muss Sir Alex Ferguson das Debakel seiner Mannschaft erklären. Für Manchester United geht es nach Rang drei in der Gruppenphase der Champions League im Frühling in der Europa League weiter. «Ich kenne diesen Wettbewerb gar nicht», knurrt der Schotte, «ich weiss nicht mal, welche Teams drin sind und wann gespielt wird.»

Ganz auf der anderen Seite der Gefühlsskala ist Heiko Vogel angelangt. Erst im Herbst nach dem Abgang Thorsten Finks nach Hamburg zum Cheftrainer aufgestiegen, feiert er den grössten Erfolg seiner Karriere. «Manchester United musste und wollte, aber konnte nicht», sagt Vogel. Sein Team habe «phänomenal gespielt», lobt der Deutsche.

Spontan feiern Mannschaft und Fans auf dem Barfüsser-Platz die Achtelfinal-Qualifikation. Aus vollen Kehlen singen sie unter anderem das «Steini»-Lied (ab 1:51 im Video). Video: YouTube/Lukeoncourse

Die Basler Startelf, hintere Reihe, von links: Alex Frei, Xhaka, Streller, Abraham, Fabian Frei, Sommer. Vordere Reihe: Dragovic, Cabral, Park, Steinhöfer, Shaqiri. Bild: KEYSTONE

Keiner mehr dabei

Sechs Jahre sind seit der Partie erst vergangen. Der Trainer und die elf Spieler der Startformation sind zum Teil schon längst aus Basel verschwunden. Das wurde aus den Protagonisten:

Heiko Vogel, Trainer: Gewann 2012 erst den Meistertitel, dann den Cup – und wurde im Herbst entlassen. Heute ist er vereinslos.

Yann Sommer: Spielt in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach, ist die Nummer 1 der Nati geworden.

Markus Steinhöfer: Erhielt in Basel im Sommer 2013 keinen Vertrag mehr, eine Odyssee setzte ein: Steinhöfer war eine halbe Saison bei Betis Sevilla, ein Jahr bei 1860 München, ein halbes beim VfR Aalen und dann eine Saison bei Sparta Prag. Nach einer kurzen vereinslosen Zeit wurde er von Darmstadt 98 übernommen.

«Schweizer» in München: Steinhöfer und Shaqiri spielten nach ihrer FCB-Zeit bei 1860 bzw. bei den Bayern. Bild: Facebook/Markus Steinhöfer

David Abraham: Der Argentinier verliess Basel im Sommer 2012 in Richtung Spanien. Eine halbe Saison lang war Getafe sein Arbeitgeber, danach wechselte er in die Bundesliga zu Hoffenheim. Seit anfangs Saison 15/16 ist Abraham bei Eintracht Frankfurt.

Aleksandar Dragovic: Tätschelte Bundesrat Ueli Maurer nach dem Cupsieg 2012 die Glatze und musste sich dafür bei ihm entschuldigen. Der Österreicher blieb noch eine Saison am Rhein und wechselte vergangenen Sommer nach einem Abstecher bei Dynamo Kiew zu Bayer Leverkusen. Mittlerweile ist er an Leicester ausgeliehen.

Park Joo Ho : Verliess Basel ebenfalls im Sommer 2013. Er hätte die Reise zum neuen Arbeitgeber im Gummiboot absolvieren können: Park wechselte zum FSV Mainz in die Bundesliga. Dort spielte er so stark, dass ihn nach zwei Saisons Borussia Dortmund verpflichtete. Nach einiger Zeit in der zweiten Mannschaft des BVB ist der Koreaner nun vereinslos.

Xherdan Shaqiri: Ging zu Bayern München, wo er weiter Titel sammelte, aber nur unregelmässig zum Einsatz gelangte. Anfangs 2015 zog es Shaqiri zu Inter Mailand, wo er jedoch nur ein halbes Jahr blieb. Seit 2015 ist seine Heimat der Premier-League-Club Stoke City.

Cabral: Der Mittelfeldspieler verliess die Schweiz im Sommer 2013. Der Cousin von Natispieler Gelson Fernandes konnte sich in Sunderland nicht durchsetzen, wurde an Genoa verliehen und wechselte dann zum FC Zürich, wo später der Vertrag im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde. Nun spielt der 29-Jährige bei Le Mont.

Cabral (rechts) feiert mit Steinhöfer und Streller dessen Tor gegen ManU – auf der Insel hatte der 27-Jährige wenig zu lachen. Bild: KEYSTONE

Granit Xhaka: Wechselte 2012 zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga. Dort wurde er Stammspieler und Captain, was ihn auf dem internationalen Markt sehr begehrt machte. Danach verpflichtete Arsenal den 24-Jährigen für über 40 Millionen Franken.

Fabian Frei: Blieb bis im Sommer 2015 in Basel, seither ist auch für ihn die Bundesliga die Heimat. Der Frauenfelder kickt bei Mainz 05.

Marco Streller: Beendete seine Karriere im Sommer 2015 beim FC Basel.

Alex Frei: Beendete seine Karriere im April 2013 abrupt, um Sportchef des FC Luzern zu werden. Mittlerweile ist Alex Frei Nachwuchstrainer beim FC Basel.

Unvergessen

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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