Unvergessen

Sekundenbruchteile nach dem Moment, in dem Readings Stephen Hunt Petr Cech am Kopf getroffen hat. Bild: Kieran Doherty

Ein schrecklicher Unfall sorgt dafür, dass Petr Cech nie mehr ohne Helm spielt

14. Oktober 2006: Chelsea-Goalie Petr Cech prallt gegen Reading nach 16 Sekunden mit dem ungestümen Stephen Hunt zusammen. Der Tscheche erleidet dabei einen Schädelbasisbruch. Nur drei Monate später steigt Cech wieder ins Training ein – mit einem Kunststoff-Helm, der längst sein Markenzeichen ist.

14.10.17, 00:05

Alex Frei, der zusammen mit Petr Cech bei Stade Rennes spielte, kommt bei dem Tschechen ins Schwärmen: «Er ist der kompletteste Goalie, mit dem ich zusammengespielt habe. Auf der Linie, fussballerisch, wie er den Strafraum beherrscht, seine Grösse: Er ist ein überragender Torhüter.»

2002 sichert Petr Cech im Elfmeterschiessen gegen Frankreich seinem Team den U21-EM-Titel. Bild: Reuters Photographer

Chelsea holt den damals 22-Jährigen im Jahr 2004 für 13 Millionen Euro nach London. Die Defensive der «Blues» wird mit dem neuen Keeper fast unüberwindbar. Petr Cech hält seinen Kasten in der Saison 2004/2005 insgesamt 25 Spiele sauber – dabei bleibt er einmal 1025 Minuten in Folge ohne Gegentor. Chelsea holt sich schliesslich souverän das Double und Cech wird Welttorhüter 2005.

«Bis zu seiner schweren Verletzung war er der beste Goalie der Welt, das ist für mich keine Frage.»

Alex Frei blick

Doch am 14. Oktober 2006 hängt die Karriere des 1,96 Meter grossen linksfüssigen und -händigen Goalie am seidenen Faden. Im Premier-League-Spiel gegen den FC Reading prallt Cech nach 16 Sekunden mit dem ungestümen Stephen Hunt zusammen. Das Knie des Gegenspielers trifft den Tschechen unglücklich am Kopf.

Der schlimme Unfall kurz nach Spielbeginn. Video: YouTube/Jon Patricios

Diagnose: Schädelbasisbruch

Schiedsrichter Mike Riley erkennt die Schwere der Verletzung nicht und verweigert Cech sogar eine Erstversorgung auf dem Platz. Der Goalie muss auf allen Vieren vom Platz kriechen. Die Chelsea-Ärzte kämpfen hingegen um Cechs Leben. Ein Mediziner meint gegenüber dem «Daily Mirror»: «Die grosse Sorge war, dass sein Gehirn zu sehr anschwillt.»

Beim Schlussmann wird ein Schädelbasisbruch diagnostiziert. Der 24-Jährige wird umgehend ins Krankenhaus gebracht und noch am selben Tag in Oxford erfolgreich operiert. Cech wird für einige Stunden im Koma gehalten.

 «Ich hatte Angst um sein Leben.»

Trainer José Mourinho blick

Zum unglücklichen Tag der Londoner passt, dass Cechs Ersatzmann Carlo Cudicini kurz vor Schluss nach einem Zusammenprall ebenfalls bewusstlos auf der Bahre vom Feld geführt werden muss. Weil das Wechselkontingent bereits erschöpft ist, muss mit John Terry ein Feldspieler ins Tor.

Der Zusammenprall von Ersatztorhüter Cudicini und wie John Terry ins Tor musste. Video: YouTube/xzy1993

Keine Erinnerung mehr an die Szene

Doch die Hauptsorge gilt natürlich Cech. «Ich hatte Angst um sein Leben», so Chelsea-Coach José Mourinho über die Verletzung seines Goalies. Gegenüber der Presse erhebt der Portugiese schwere Vorwürfe an die Adresse von Täter Hunt: Er unterstellt ihm, dass dieser «die schwere Verletzung fahrlässig in Kauf genommen habe». Readings Trainer Steve Coppell hält dagegen. «Es sah schrecklich aus», sagt er, «aber ich weiss zu hundert Prozent, dass es keine Absicht war.»

Petr Cech wird auf der Bahre abtransportiert. Bild: Kieran Doherty

Während seiner Reha gibt Cech dem klubeigenen Sender ein erstes Interview. «Ich kann mich noch nicht mal an den Anpfiff erinnern und auch nicht an den Zwischenfall», schildert Cech. «Das letzte, woran ich mich erinnern kann, ist, wie ich aus der Umkleidekabine kam, das Trikot anhatte und Hände (mit Gegenspielern) schüttelte», so Cech. Ihm gehe es «okay», er verspüre aber weiterhin Schmerzen. 

Weiter meint der Tscheche: «Manchmal ist es schwer, weil ich aufwache und schreckliche Kopfschmerzen habe.» Allmählich mache seine Gesundung aber Fortschritte. Bei Schmerzen müsse er Medikamente nehmen, «ich versuche damit zu leben und jeden Tag wird's besser».

«Ich habe den schwierigsten Augenblick meines Lebens überstanden»

Seinen Unfall hat er sich zwar einmal im Fernsehen angeschaut, darüber reden will er aber in dieser schwierigen Phase nicht: «Ich konzentriere mich nur darauf, wieder fit zu werden.»

Petr Cech trägt seit dem Unfall immer einen Helm. Bild: EPA/dpa

Drei Monate später steigt er wieder ins Training ein. Cech trägt dabei einen massgefertigten, 80 Gramm schweren Helm aus Kunststoff, da der Heilungsprozess einer Schädelverletzung mehrere Jahre dauern kann. Dennoch beteuert Cech auf «11 Freunde» vor seinem ersten Einsatz mit dem Nationalteam: «Ich habe keine Angst. An den Helm habe ich mich gewöhnt. Er behindert und stört mich nicht.»

So sieht's unter dem Helm aus beim 117-fachen Nationalspieler der Tschechischen Republik. Bild: Sang Tan/AP/KEYSTONE

Heute bei Arsenal

«Ich habe den schwierigsten Augenblick meines Lebens überstanden, nun geniesse ich das Spiel noch mehr», so Cech weiter. Geholfen hat ihm vielleicht eine Selbsttherapie: Cech hat in seiner Freizeit Psychologie studiert.

Jahrelang ist er nach dem Comeback der grosse Rückhalt Chelseas. Erst im Sommer 2015 verlässt er die Blues, aber nicht London. Seither hütet der mittlerweile 34-jährige Cech das Tor von Arsenal. Natürlich mit dem Helm auf dem Kopf – seinem Markenzeichen.

Unvergessen

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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