Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Trainer Dimitri Sturdza, Marc Rosset und Jakob Hlasek (von links) müssen sich mit dem zweiten Platz begnügen. Bild: KEYSTONE

Weil sich Courier von Kuhglocken irritieren lässt, darf die Schweiz vom Davis Cup träumen

4. Dezember 1992: Die Schweiz bringt die USA, den grossen Titanen der Tenniswelt, zum Auftakt des Davis Cup-Finals ins Wanken. Aber Jakob Hlasek und Marc Rosset müssen sich mit dem Schnuppern am Wunder begnügen. 

04.12.17, 00:01 04.12.17, 07:01

Mannschaftsport ist im Jahre 1992 in der Schweiz populär wie vielleicht nie zuvor. Die Eishockey-Nationalmannschaft stürmt bei der WM in Prag bis ins Halbfinale und auf den 4. WM-Schlussrang. Die Fussballer starten mit einem 6:0 in Estland, einem 3:1 über Schottland, einem 2:2 auswärts gegen Weltmeister Italien und einem 3:0 gegen Malta sensationell in die WM-Qualifikation.

Die Nati wird sich unter Trainer Roy Hodgson schliesslich erstmals seit 28 Jahren wieder für eine Endrunde qualifizieren. Und schliesslich erreicht die Schweiz im Tennis den Davis-Cup-Final gegen die USA

Marc Rosset (l.) und Jakob Hlasek (r.) mit Trainer Dimitri Sturdza.  Bild: KEYSTONE

Überhebliche Amerikaner

Auf dem Weg ins Endspiel eliminieren die Schweizer nacheinander Holland (4:1), Frankreich (3:2) und im Halbfinale in einem wahren Volksfest in Genf Brasilien 5:0. Die Amerikaner sind im Finale in Fort Worth (Texas) haushohe Favoriten. Sie treten unter anderem mit der Weltnummer 1, Jim Courier, und mit Wimbledon-Sieger Andre Agassi an. Leitwolf der Schweizer ist Olympiasieger Marc Rosset, immerhin die Nummer 8 der Welt. 

Die arroganten Amerikaner unterschätzen die Schweizer. Courier hatte angekündigt, man werde kein Spiel verlieren. Tatsächlich fegt Agassi zum Auftakt Jakob Hlasek mit 6:1, 6:2 und 6:2 vom Platz.  

Die Halle in Texas, ein Hexenkessel – auch dank den Schweizer Fans. Bild: paul zimmer

Courier ärgert sich über Kuhglocken Gebimmel

Aber dann besiegt Rosset in einem grandiosen Kampf Courier sensationell 6:3, 6:7, 3:6, 6:4 und 6:4 und gleicht zum 1:1 aus. Courier jammert bei der anschliessenden Pressekonferenz über den Lärm der Schweizer Schlachtenbummler, ganz speziell über das Gebimmel der Kuhglocken. Unter den 12'000 Zuschauern sind 1500 Schweizer Fans.

Auf die Frage eines Schweizer Chronisten, ob bereits das Gebimmel von ein paar Kuhglocken genüge, um die Nummer 1 der Welt zu destabilisieren, verlässt er wortlos die Medienkonferenz. 

Marc Rosset sorgt nach grossem Kampf gegen Jim Courier für den 1:1-Ausgleich. Bild:

Die Lokalpresse fordert in ihrer Ausgabe vom nächsten Tag bessere Unterstützung durch die Fans. Die sonst bei Tennis-Partien übliche vornehme Zurückhaltung sei abzulegen. Aus Denver werden 2000 zusätzliche US-Wimpel eingeflogen und unter den Zuschauern verteilt. Der Titan wankt. Aber er fällt nicht. 

Schweizer vergeigen im Doppel 2:0-Satzführung

Die Entscheidung fällt am zweiten Tag im Doppel. Es ist zugleich der Höhepunkt dieses Finals. John McEnroe und Pete Sampras entscheiden dieses Drama knapp für sich (6:7, 6:7, 7;5, 6:1, 6:2). Nur wenig fehlt zur Sensation. Die Schweizer, mit Jakob Hlasek und Marc Rosset auch damals ein Zweimann-Team wie zwei Jahrzehnte später mit Roger Federer und Stan Wawrinka, führen 2:0, ehe die Kräfte schwinden.

Die entscheidenden Szenen des Doppels. Video: YouTube/John McEnroe Channel

Vor allem Rosset geht die Puste aus und seine Hammer-Aufschläge verlieren an Wirkung. Nach 4 Stunden und 17 Minuten sind die Schweizer besiegt. Die USA führen 2:1. Am dritten Tag entscheidet Courier den Davis Cup gegen Hlasek (6:3, 6:7, 7:5, 6:1, 6:2).

Die Schweiz muss 22 Jahre warten, bis sie den Nationen-Wettbewerb gewinnen kann. Dann schlägt in Lille die grosse Stunde von Roger Federer und Stan Wawrinka.

Jim Courier holt den entscheidenden dritten Punkt. Und nein, ganz rechts hat sich keine Dame ins US-Team geschlichen … Bild: Paul Zimmer

... es ist der junge Andre Agassi (2.v.l.). Bild: paul Zimmer

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

2014 gewinnt die Schweiz in Frankreich den Davis Cup

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Federer wird König von 60 Millionen Tennisspielern: «Ich bin der, den es zu schlagen gibt»

2. Februar 2004: Roger Federer steigt erstmals auf den ATP-Thron und wird mit dem Sieg beim Australian Open im zweiten Anlauf die 23. Weltnummer 1 der Welt. Da konnte noch niemand ahnen, dass der Baselbieter (bisher) 302 Wochen als König regieren wird.

Roger Federer kommt im Sommer 2003 so richtig in der Weltspitze an. Den ersten Grand-Slam-Titel gewinnt er in Wimbledon. Rund einen Monat später bietet sich ihm die erste Chance, Weltnummer 1 zu werden. Im Direktduell mit Andy Roddick bietet sich ihm im Halbfinal von Montreal die Chance auf den Thron. Ein Sieg würde reichen. Nach einem 4:6 und 6:3 führt der Schweizer im Entscheidungssatz 4:2, verliert aber mit 6:7 im Tiebreak. Der Amerikaner gewann den Titel und blieb die Nummer 1. 

Vorerst …

Artikel lesen