Unvergessen

Der Slapshot, der Philippe Furrer weltberühmt machte. Bild: TSI

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

14. Mai 2008: Eigentore sind im Eishockey so selten, dass manchmal jahrelang darüber gesprochen wird. Vor allem dann, wenn einer bei einer WM ins eigene Tor trifft. Und so wie Philippe Furrer im WM-Viertelfinal 2008 gegen Russland.

14.05.15, 00:01 14.05.15, 08:40

Es ist das kurioseste Tor, das je ein Schweizer bei einer WM erzielt hat. WM-Viertelfinale 2008 in Quebec: Die Schweiz spielt gegen Russland. Nach sechs Minuten und 23 Sekunden fällt mit dem 0:3 bereits die Entscheidung (Endstand 0:6). 

Das legendäre Eigentor von Philippe Furrer. Gif: SRF

Diesen dritten Treffer erzielt Philippe Furrer mit einem Schuss ins eigene Tor. Mit einem Slapshot aus spitzem Winkel bezwingt er seinen eigenen Torhüter Martin Gerber zum 0:3. Als Torschütze wird Danis Saripow in der Statistik geführt. Er ist der letzte russische Spieler, der die Scheibe berührt hatte. 

Was war da nur los?

Philippe Furrer wollte die Scheibe aus dem eigenen Drittel dreschen und wählte, wie das oft der Fall ist, die Variante, den Puck via Bande hinter dem Tor durch zu spielen. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Scheibe hart geschossen wird. Damit sie auch wirklich auf der anderen Seite aus dem Drittel saust und nicht vom Gegner abgefangen wird.

Die Reaktionen der SRF-Kommentatoren und von Philippe Furrer. Video: Youtube/luege1887

Eishockey ist ein unberechenbares Spiel auf rutschiger Unterlage und dazu kommt noch die Schwierigkeit der Koordination von Augen, Hand und Fuss. Es ist also durchaus logisch, dass so ein Missgeschick mal passieren kann.

«Das macht mich nicht besonders stolz.»

Philippe Furrer über sein Leben als Youtube-Berühmtheit

Das Schicksal hat Philippe Furrer jedenfalls für dieses Missgeschick später mit den SCB-Titeln von 2010 und 2013 und mit der WM-Silbermedaille von 2013 ordentlich entschädigt. In einem Interview mit der «Basler Zeitung» hat er sich später so an diesen kuriosen «Karriere-Höhepunkt» erinnert: «Für mich ist das Eigentor längst kein Thema mehr. Es war auch gar nie ein Problem, dass man darüber gesprochen hat.» Er habe sich das Video auf Youtube auch schon angeschaut. Dass es ihn berühmt gemacht habe, «macht mich allerdings nicht besonders stolz. Ich finde es eher faszinierend, was ein Eigentor auslösen kann. Mehr nicht.»

WM-Silber als «Belohnung» fünf Jahre später

Der SCB-Verteidiger gehörte bei der WM 2008 in Quebec zu den besten Schweizer Verteidigern (7 Spiele/1 Tor/1 Assist) und dieses Turnier trug schon den Keim der Silber-Medaille in sich. Ralph Krueger liess die Schweiz nämlich zum ersten Mal offensiver spielen. Die Schweizer waren jetzt so gut geworden, dass sie nicht mehr nur «mauern» mussten. Sie begannen, vorwärts zu spielen.

Die Niederlage gegen Russland fiel im Viertelfinale auch deshalb so hoch aus, weil die Schweizer versucht hatten, den Favoriten mit einer Offensivtaktik zu überraschen und zu überrumpeln. Das funktionierte halt noch nicht. Die Russen gewannen an dieser WM unter Cheftrainer Slawa Bykow übrigens den Titel durch einen 5:4-Finalsieg nach Verlängerung gegen Gastgeber Kanada.

2013 kehrt Furrer mit WM-Silber um den Hals aus Stockholm zurück. Bild: Keystone

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.

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