Unvergessen

Jim Clark in seinem Lotus – zweimal wird er damit Weltmeister. Das Happy End bleibt aber aus. Bild: Keystone

07.04.1968: Der Tod lässt sich nicht bescheissen – Teufelskerl Jim Clark stirbt in Hockenheim als Nichtraucher wegen Tabak

7. April 1968: Jim Clark verliert auf dem Hockenheimring in einem unbedeutenden Formel-2-Rennen sein Leben. Nur der tödliche Unfall von Ayrton Senna hat die Rennsportwelt ähnlich stark erschüttert.

07.04.15, 00:01 07.04.15, 08:01

Als er sein Leben verliert, gilt Jim Clark als bester Rennfahrer aller Zeiten. Der Mythos des Schotten lebt. Noch heute zählt er zu den Besten, die es je gegeben hat. Er wird 1963 und 1965 Weltmeister und verliert den Titel 1962 und 1964 erst durch technischen Defekt im letzten Rennen. 1965 ist er der erste Europäer, der nach dem zweiten Weltkrieg die 500 Meilen von Indianapolis gewinnt. 

Er ist Kultfigur für zahlreiche spätere Champions wie Jackie Stewart, Alain Prost oder Ayrton Senna. Mit seiner bescheidenen Art unterschiedet er sich von den vielen Lebemännern im Renngeschäft. Er trinkt kaum Alkohol und ist Nichtraucher. Er liebt die Frauen, bleibt aber Junggeselle und als echter Gentleman gibt er sich nie dem Lebensstil eines Playboy hin.

Jim Clark bereitet sich auf ein Rennen vor. bild: getty images europe

Der Tod fuhr schon in Monza mit

Bereits am 10. September 1961 ist Clark in einen der schwersten Unfälle der Formel-1-Geschichte verwickelt. Beim GP von Italien in Monza kollidiert Wolfgang Graf Berghe von Trips in seinem Ferrari in der zweiten Runde mit dem Lotus von Jim Clark bei der Anfahrt zur Parabolica-Kurve. Der Ferrari des Grafen, der unmittelbar vor dem Gewinn des WM-Titels steht, gerät auf den seitlichen Erdwall der Geraden vor der Kurve und prallt gegen die Drahtabzäunung vor der Tribüne. 

14 Zuschauer werden getötet und 60 weitere verletzt. Berghe von Trips wird aus seinem Boliden geschleudert, bricht sich das Genick und ist sofort tot. Jim Clark bleibt unverletzt. Doch der Unfall wird ihn noch jahrelang verfolgen.

Rennfahrer-Kollege Jackie Stewart erinnert sich in einer Kurz-Doku mit eindrücklichen Bildern an den verstorbenen Jim Clark. Video: Youtube/Rillenreifen

Auch Nichtrauchen kann tödlich sein

Welch eine grausame Ironie des Schicksals, dass der Nichtraucher Jim Clark im Grunde wegen Tabakreklame sein Leben lassen muss. Nach der Einführung der Tabakreklame soll auch Clark mit den neuen rollenden Werbemobilen Geld verdienen. Sogar bei Formel-2-Rennen, die für ihn sportlich längst keinen Sinn mehr machen. 

«Die Strecke ist lächerlich. Sie hat zu viele Geraden.»

Jim Clark am Tag vor seinem tödlichen Unfall.

Samstag, 6. April 1968: Jim Clark wird am Sonntag das Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring fahren. Nun gibt er im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF noch ein Interview. Er sagt unter anderem: «Die Strecke ist für Formel-2-Rennen einfach lächerlich. Die Strecke hat zu viele Geraden. Der Fahrer kann überhaupt nichts machen.» Niemand ahnt, dass es sein letztes Interview ist.

Am nächsten Tag, am Sonntag, 7. April steht um 12.30 Uhr das Formel-2-Rennen auf dem Programm. Es ist ein regnerischer und trüber Tag und das Rennen ist für den Formel-1-Champion völlig bedeutungslos. Es geht um den Werbeauftritt. Jim Clark steht in der dritten Startreihe neben Chris Amon. Jean-Pierre Beltoise geht auf dem Matra M7A in Führung, Clark kommt als sechster aus der Startrunde zurück. In der fünften Runde – er ist bereits auf Rang 7 zurückgefallen – kommt es zum tödlichen Drama.

Nachrichtenbeitrag zu Clarks Tod. Video: Youtube/JimSchumacher

Zehn fatale Verletzungen

Jim Clark gerät mit seinem Lotus auf der Waldgeraden nach dem Motodrom wahrscheinlich wegen eines schleichenden Plattfusses und Reifenschadens ins Schleudern und rast in einen Baum. Es gibt keinen unmittelbaren Augenzeugen, da an dieser Stelle keine Zuschauer stehen. 

Einziger Beobachter ist ein Streckenposten. Er erzählt später: «Clark hatte keine Kontrolle mehr über sein Fahrzeug. Und donnerte zwölf Meter neben mir in den Wald. Sein Pech war, dass er mit dem Kopf gegen einen Baum prallte. Sein Auto wurde auseinandergerissen, Motor und Getriebe flogen in den Wald hinein. An der Unfallstelle drehte ich Clark auf den Rücken. Kurz darauf traf der Krankenwagen ein. Später hörte ich, dass er zehn Verletzungen, jede für sich tödlich, gehabt haben soll.»

Die Überreste von Jim Clarks Rennwagen. Bild: ullstein bild

Schwarze Jahre für den Motorsport

Die späten 1960er und frühen 1970er Jahre sind von einer ganzen Reihe von tödlichen Unfällen überschattet. Zwischen 1967 und 1971 verlieren Lorenzo Bandini (Monaco), Lucien Binachi (Le Mans), Mike Spence (Indianapolis), Piers Courage (Zandvoort), Ludovico Scarfiotti (Bergrennen Rossfeld), Bruce McLaren (Goodwood), Jochen Rindt (Monza), Pedro Rodrigues Norisring) und Jo Siffert (Brands Hatch) in ihren Höllenmaschinen das Leben.

Lotus-Chef Colin Chapman lässt den Unfall untersuchen. Er beauftragt damit Peter Jowitt, einem auf Unfallermittlungen von Militärflugzeugprototypen spezialisierten Ingenieur. Diese Untersuchung ergibt, dass Jim Clark keine Chance hatte. Auf dem Waldboden hat er noch versucht, das Fahrzeug  mit Maximaldrehzahl in eine andere Richtung zu steuern, doch durch die Vielzahl der Bäume fehlt der Platz und es kommt zum fatalen Einschlag. Peter Jowitt kommt zum Ergebnis, dass ein Reifenschaden ursächlich für das Unglück ist.  

Heute würde dieser Unfall nicht mehr passieren. Nach der Tragödie werden Leitplanken montiert, ein Sicherheitsstreifen angelegt und nahe der Unfallstelle eine Bremsschikane in die Piste eingebaut, die sogenannte «Jim-Clark-Schikane». 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 07.04.2015 18:26
    Highlight Sehr einfrücklich was diese Fahrer früher geleistet haben. Klar ist beim Rennsport auch jetzt noch immer ein Risiko dabei, aber damals wars mit der Sicherheit echt krass... Die Jungs hatten echt Mut!
    2 0 Melden

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