Unvergessen

Ein verlorener Fan im Stadion. Ob er der einzige war? bild: Screenshot

Ist das tatsächlich das erste Profi-Fussballspiel mit nur einem Fan? Nein, aber fast

18. November 2013: Im Qatari Stars Cup (QNB) treffen Al Kharitiyath und Al Gharafa aufeinander. Was in unseren Breitengraden nicht gerade Begeisterungsstürme auslöst, scheint auch im Wüstenstaat niemanden ins heisse Stadion zu locken. Also fast niemanden.

18.11.16, 00:01 18.11.16, 07:33

Seit drei Jahren kursiert im Internet ein Gerücht: Die Partie zwischen Al Kharitiyath und Al Gharafa sei nur von einem einzigen Fan im Stadion verfolgt worden. Der Beweis soll dieses Video der Liveübertragung sein:

Das hört sich erstmal witzig an. Stimmen tut es nicht. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass Fussball in Katar keine Fanmassen in die Stadien lockt. Hakan Yakin meinte nach seiner Rückkehr 2009 aus dem Wüstenstaat von Al Gharafa in die Schweiz – als er mit Luzern wegen Bauarbeiten der Swissporarena im Kleinstadion in Emmenbrücke spielen musste – im «Bund» dazu vielsagend: «Mir ist ein kleines, dafür volles Stadion lieber als ein grosses, in dem sich 600 oder 700 Zuschauer verlieren. Das habe ich in den vergangenen Monaten bei Al Gharafa zur Genüge erlebt.»

Al Gharafa scheint auch 2013 keine Zuschauer mobilisieren zu können. Beim Vorrundenspiel des QNB Cups wirkt das mit 25'000 Zuschauern grosse Ahmed bin Ali Stadium (auch als Al-Rayyan-Stadion bekannt) leer.

Wir haben zwar keine Zuschauerzahlen gefunden, aber immerhin lässt sich aufgrund der Videos der beiden Tore sehen, dass nicht nur eine Person im weiten Rund sass. Ich zähle im sichtbaren Bereich deren vier:

Der Bildbeweis: oben links vier Zuschauer. screenshot: youtube

Was die Aufnahmen und der Geräuschpegel allerdings auch zeigen: Yakins genannte durchschnittlich 600 oder 700 Zuschauer dürften kaum erreicht worden sein, obwohl die Haupttribüne nie ganz zu sehen ist. Immerhin ging so wohl niemand in der 46. Minute schon ein Bier eine Cola ein Wasser holen, weil er fürchtete, dass sich vor den Verpflegungsständen lange Schlangen bilden würden. Er hätte diesen Treffer verpasst:

Das 1:0 für Al Kharitiyath durch Jaycee Okwunwanne. Video: YouTube/هدف قطري

Und es ging wohl auch niemand früher nach Hause, weil er dem Stau nach der Partie ausweichen wollte. Er hätte dieses herrliche Schmankerl in der 59. Minute nicht geniessen können:

Das 2:0 für Al Kharitiyath durch Mahmoud Saad – erst glücklich, aber dann grosse Klasse! Video: YouTube/هدف قطري

Fakt ist: Der QNB Cup, welcher den zwölf Teams der höchsten katarischen Liga mehr Ernstkämpfe besorgen sollte, wurde nach der Gründung 2009 nur bis 2014 ausgetragen. Mit ein Grund war wohl das nicht vorhandene Zuschauerinteresse. Vermissen wird den Cup niemand.

Übrigens: Das Al-Rayyan-Stadion wird an der WM 2022 eine Austragungsstätte sein. Es wird dafür allerdings auf fast 45'000 Sitzplätze ausgebaut und mit einer gigantischen Video-Wand ummantelt. Zudem soll ein Dach dafür sorgen, dass alle Fans im Schatten die Spiele geniessen können.

Alle Stadien der WM 2022 in Katar: Das Al-Rayyan-Stadion ist auf den Bildern 8 und 9 zu sehen

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 18.11.2016 08:43
    Highlight Dochdoch, da machen diese zwölf Stadien (oder sind es dann doch nur acht oder neun?) wirklich nachhaltig Sinn.

    Danke Blatter, danke Beckenbauer für diesen Schwachsinn
    20 0 Melden
  • herschweizer 18.11.2016 08:38
    Highlight Wunderschön ein Spiel für alle Narzissten die sich schon immer mal ein Spiel allein...
    3 5 Melden

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