Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

29.04.2007: Ein Fussball-Final mit zwei Bällen im Spiel? In Brasilien ist's möglich – und lustig (für uns)

29. April 2007: Cruzeiro taucht im Final-Hinspiel der Staatsmeisterschaft bei Atlético Mineiro 0:4. Für Verlierer-Keeper Fabio ist klar: Der Schiedsrichter ist Schuld. Wie eigentlich immer in diesen Fällen stimmt das natürlich nicht. Zumindest nicht ganz. 

29.04.15, 00:01 29.04.15, 09:39


Was die 38'644 Zuschauer im Mineirao-Stadion vor dem Final-Hinspiel der Campeonato Mineiro zwischen Atlético Mineiro und Cruzeiro noch nicht wissen: Sie werden Historisches erleben.

Das Spiel beginnt unspektakulär. Tore fallen keine. Grosser Aufreger der ersten Halbzeit ist in der 37. Minute der Platzverweis für Cruzeiros Gladstone nach einer Notbremse:

Die Notbremse von Gladstone. Gif: Youtube/junior A r 

Die zweite Halbzeit beginnt dann mit einem Paukenschlag. Schon nach wenigen Sekunden trifft Eder Luiz per Kopf zum 1:0 für Atlético. Bei diesem Spielstand bleibt es – bis Danilinho mit dem 2:0 in der 82. Minute die heisse und hochbrisante Schlussphase einläutet. Erst fliegt nach einer weiteren Notbremse auch Cruzeiros Bruno vom Platz (87.):

Neun Cruzeiro-Spieler versuchen jetzt wenigstens nicht noch mehr Treffer zu kassieren, um die Chancen fürs Rückspiel intakt zu halten. Das misslingt deutlich. In der 91. Minute holt Goalie Fabio Angreifer Marcinho im Strafraum von den Beinen. Schiedsrichter Cléver Assunção Gonçalves entscheidet auf Penalty. Diesen verwandelt der Gefoulte gleich selbst: 3:0. Und der Ball bleibt weit hinten im flach gespannten Netz eingeklemmt.

Die Highlights des Hinspiels in ausführlicher Länge. Video: Youtube/matheus gaio

Plötzlich sind zwei Bälle im Spiel

Fabio kann sich derweil noch immer nicht beruhigen und beschwert sich ausserhalb seines Strafraumes lauthals über den Penalty-Entscheid. Nach der Partie wird er seinen Ärger so erklären: «Das war kein Strafstoss. Der Linienrichter hätte es sehen müssen, der hatte bessere Sicht aus einem besseren Winkel. Aber der sagte nichts.»

Sein Ärger multipliziert sich wenige Sekunden später, als er zurück zum Tor trottet, um das Spielgerät wieder Richtung Mittellinie zu kicken. Doch da flitzt ihm schon ein weiterer gelber Ball um die Ohren: Angreifer Vanderlei erzielt nämlich das 4:0! 

Vanderlei trifft ins verlassene Tor zum 4:0. gif: Youtube/junior A r 

Was war geschehen? Ein Balljunge kickte ein zweites Spielgerät aufs Feld. Mit diesem wird der Anstoss ausgeführt. Vermutlich ist dem Unparteiischen und auch den Cruzeiro-Spielern nicht klar, dass es sich um einen Ersatzball handelt. Klar ist dagegen: Cruzeiro verliert den Ball nach dem Anspiel, Vanderlei lässt den letzten Verteidiger stehen und schiebt ins leere Tor ein:

Das 4:0 in seiner Entstehung. gif: Youtube/00vini

Fabio versteht natürlich die Welt nicht mehr. Frustriert fischt der 26-Jährige beide Bälle aus dem Tor, zeigt sie dem Publikum, schmeisst sie vor sich hin und kickt sie weg. Begleitet von sicherlich nicht jugendfreien Worten. 

gif: Youtube/00vini

Aber die Nörgelei bringt nichts. Der Treffer zählt. Und Fabio lässt seiner Wut freien Lauf: «Da waren zwei Bälle im Spiel. Ich wollte den einen aus dem Tor nehmen ... Der Schiri hat das Spiel verpfiffen!» Okay, es ist an seinen Gesten unschwer zu erkennen: Er wählt bisschen deutlichere Worte, aber jugendfrei übersetzt stimmt es so.

Fabio gibt die Schuld an der Niederlage dem ... Schiedsrichter! Video: Youtube/matheus galo

Cruzeiros Trainer Paulo Autuori schmeisst nach der Demütigung noch in der Kabine den Job hin. Im Rückspiel siegt das Team zwar 2:0, aber der Titel geht an Atlético Mineiro. Fabio spielt übrigens noch immer bei Cruzeiro. 2008, 2009, 2011 und 2014 gewinnt er die Campeonato Mineiro doch noch – jeweils im Endspiel gegen den Erzrivalen Atlético Mineiro. Vielleicht auch dank dieser feurigen Motivationsrede vor dem Endspiel 2011:

Fabio macht seine Spieler vor dem Finale gegen Atlético 2011 heiss. Video: Youtube/jones sousa

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

Ähnlich lustig wie die Doppelte-Ball-Story: Die besten Fussballer-Zitate aller Zeiten.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Vucinic lässt der Schweiz die Hosen herunter und trägt sie als Kopfschmuck

8. Oktober 2010: Dass die Schweiz in Montenegro mit 0:1 verliert, gerät beinahe zur Nebensache. Für Aufsehen sorgt vielmehr der unkonventionelle Jubel des einzigen Torschützen Mirko Vucinic.

Nach dem enttäuschenden Ausscheiden in der Gruppenphase an der WM 2010 will es die Schweizer Nati am nächsten Turnier besser machen. Doch die EM 2012 verpasst sie – weil der Start völlig in die Hose geht.

Zuerst ein 1:3 in Basel gegen England, dann eine unerwartete 0:1-Niederlage auswärts gegen Montenegro. In Podgorica fehlt es der Schweiz an Durchschlagskraft, sie hat keine Ideen, wie sie den Gegner überwinden kann. So fällt das einzige Tor auf der anderen Seite. In der 67. Minute vernascht …

Artikel lesen