Unvergessen
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Der erste Mann, der bei einem Fussballspiel eingewechselt wurde. Bild: claptonsupporters

Jim Trainer, der erste Einwechselspieler

Was wäre uns nicht alles verwehrt geblieben, hätte man nicht vor 125 Jahren die erste Auswechslung vorgenommen

15. April 1889: Im Spiel zwischen Wales und Schottland lässt der Torhüter der Waliser auf sich warten. So muss der lokale Amateur-Goalie die ersten 20 Minuten in die Kiste. Danach wird dieser mit der ersten Auswechslung der Fussball-Geschichte vom Platz genommen.

15.04.14, 00:01 15.04.14, 21:49

Jim Trainer, walisischer Nationaltorhüter, sollte schon längst in Wrexham, der grössten Stadt im Norden von Wales, sein. Dort, im «Racecourse Ground», laufen nämlich die letzten Vorbereitungen seines Teams vor dem Spiel gegen Schottland. Doch sein Verein, Preston North End, lässt ihn zunächst nicht gehen. Deshalb kommt der 20-jährige Alf Pugh zum ersten und letzten Einsatz im Dress der walisischen Nationalmannschaft.

Erste Auswechslung der Geschichte

Der Amateur-Goalie ersetzt für die ersten zwanzig Minuten den verspäteten Jim Trainer. Als der schliessslich doch noch in Wrexham eintrifft, kommt es zum historischen Tausch. Trainer kommt für Pugh auf den Platz – die erste Auswechslung in der Geschichte des Fussballs.

Das heutige Stadion «Racecourse Ground» in Wrexham. Bild: dailypost

Nicht nur die Auswechslung, auch die Partie, die 0:0 endete, hatte historische Bedeutung. Zum ersten Mal nach zuletzt 14 Siegen in Serie brachten die Schotten es nicht fertig, gegen Wales zu gewinnen. Und erst zum zweiten Mal überhaupt blieb ein internationales Aufeinandertreffen bis zum Schluss torlos. Weder Trainer, noch Pugh liessen sich bezwingen.

Was wir alles ohne Aus- beziehungsweise Einwechslungen verpasst hätten

Eine kleine Auswechslung für Wales, eine grosse Auswechslung für die Menschheit. Mit dem ersten Austausch zweier Spieler beginnt eine Reihe unvergesslicher Fussball-Partien. Stellt sich einer vor, wir hätten diese sechs magischen Momente nicht miterleben dürfen:

ManU – Bayern, Champions-League-Finale 1999

Teddy Sheringham Bild: AP/PA

Spätestens nach der Viertelfinalbegegnung zwischen Bayern München und Manchester United in der Champions-League-Saison 2013/14 ist das legendäre Finale von 1999 wieder voll präsent.

Bayern München führt dank einem Tor von Mario Basler schon früh 1:0. Nachdem die Red Devils 60 Minuten lang der Führung hinterherrennen, wird in der 67. Minute Teddy Sheringham für Jesper Blomqvist eingewechselt. Und weil auch Sheringham vorerst die Wende nicht einschlagen kann, folgt ihm 14 Minuten später Ole Gunnar Solskjær. Der Rest ist Fussballdramatik vom Feinsten.

Nach einem Eckball und einem ungenügend geklärten Ball von Thorsten Fink kommt in der Nachspielzeit Ryan Giggs zum Schuss. Dieser wird vom eingewechselten Sheringham entscheidend abgelenkt und der Ball zappelt im Netz. Doch es kommt noch besser. Zwei Minuten später, wieder Eckball für dieUnited: Beckham zirkelt die Kugel zur Mitte, wo Ole Gunnar Solskjær zum 2:1 ablenken kann. Mit zwei Toren in den letzten drei Minuten durch zwei Einwechselspieler schafft Manchester sensationell die Wende und gewinnt zum zweiten Mal nach 1968 die Champions League.

Fussballgeschichte in zwei Minuten zusammengefasst. Video: Youtube/Stephan Roth

Frankreich – Italien, EM-Final 2000

David Trezeguet jubelt. Bild: Getty Images Europe

Alles ist bereit in Rotterdam für die Affiche Frankreich gegen Italien. Die beiden besten Teams Europas stehen sich im Final der Europameisterschaft 2002 in Belgien und Holland gegenüber. Nach einer torlosen ersten Halbzeit ist es Italien, das in der 55. Minute für das 1:0 sorgt. Lange geschieht nichts mehr und die Tifosi feiern bereits den vermeintlichen zweiten EM-Titel.

Doch der nach dem 0:1 eingewechselte Sylvain Wiltord hat etwas dagegen und gleicht in der 90. Minute aus. Die Welt aus französischer Sicht steht Kopf. Das Spiel wird in der Verlängerung entschieden, wo der grosse Auftritt von David Trezeguet folgt. Der 23-Jährige, der in der 76. Minute den Platz betrat, erzielt kurz vor der Pause der Verlängerung das Game-Winning-Goal. Frankreich wird Europameister und Italien ist am Boden zerstört.

Video: Youtube/FFF

Der jüngste Torschütze der Super League

Endogan Adili. Bild: Keystone

Er ist 15 Jahre alt, 1,65 Meter klein und 54 Kilogramm schwer. Als Endogan Adili am 13. Mai 2010 in der 76. Minute eingewechselt wird, weiss der junge GC-Spieler noch gar nicht, dass er einen Super-League-Rekord knacken kann. Doch zehn Minuten später ist dieser Tatsache.

Adili schiesst mit 15 Jahren und 286 Tagen das Tor zum 4:1 gegen Aarau und schreibt als jüngster Torschütze der Super League Geschichte. Er ist sogar der jüngste im Vergleich mit den europäischen Topligen. Der Vorgänger Adilis war Johan Vonlanthen, der im Alter von 16 Jahren und 23 Tagen den Rekord hielt.

WM-Eröffnungsspiel 1994, Rote Karte nach drei Minuten

Bild: Getty Images Europe

Marco Etcheverry heisst der Mann, dessen erster grosse Auftritt auf internationaler Bühne bereits nach drei Minuten zu Ende ist. Etcheverry spielt von 1986 bis 2004 aktiv Fussball und gewinnt als Mannschaftskapitän von DC United aus Washington dreimal den Cup und wird 1998 als wertvollster Spieler ausgezeichnet. Sein Spitzname lautet «El Diablo».

Diesem macht er 1994 alle Ehre. In der 79. Minute wird Etcheverry beim Eröffnungsspiel der Fussball-WM 1994 in den USA zwischen Deutschland und Bolivien für Luis Ramallo eingewechselt. Und bereits nach drei Minuten ist das Länderspiel-Debüt auch schon wieder vorbei. Der «Teufel» lässt sich bei einem Zweikampf provozieren und muss nach einer Tätlichkeit und der darauf folgenden Roten Karte das Feld verlassen. 

Etcheverry war auch ein guter Fussballer, wie dieses Video beweist. Video: Youtube/porsiemprerossonero

YB – Sion, Cupfinal 1991

Bild: Keystone

Wir schreiben den 20. Mai 1991, die Young Boys empfangen im heimischen Wankdorf-Stadion den FC Sion zum Cupfinal.  Die Gäste aus dem Wallis liegen nach einem Eigentor von Alvaro Lopez und einem Treffer von Dario Zuffi zur Pause 0:2 zurück.

Trainer Enzo Trossero reagiert mit einem Doppelwechsel. Für Pechvogel Lopez und Lukas Tudor kommen die beiden blutjungen Stürmer Alexandre Rey und David Orlando ins Spiel. Und die beiden schlagen zu: Orlando gelingt sechs Minuten nach Wiederbeginn der Anschlusstreffer und in der 79. Minute der Ausgleich. Nur 60 Sekunden scheppert es wieder im YB-Kasten. Rey trifft zum alles entscheidenden 3:2 für Sion, das damit zum sechsten Mal den Cup gewinnt.

DFB-Pokal-Final 1973, Netzers Selbsteinwechslung

Bild: Getty Images Europe

Was sich am 23. Juni 1973 im DFB-Pokalfinal zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach im Düsseldorfer Rheinstadion abspielt, ist bis jetzt einmalig in der Geschichte des Fussballs. Günter Netzer, der Star der Gladbacher «Fohlen» schmort auf der Ersatzbank. Trainer Hennes Weisweiler hat seinen Mittelfeldstrategen nicht aufgestellt, weil dieser nach zehn Jahren bei der Borussia zu Real Madrid wechseln wird.

In der Halbzeit will der Gladbach-Coach seinen Star doch noch einwechseln, aber Netzer lehnt ab. Jetzt fehlt ihm die Lust. Nach 90 Minuten steht es in einem packenden Pokal-Fight 1:1, es geht in die Verlängerung. Da passiert es: Netzer zieht die Trainingsjacke aus, steuert auf Weisweiler zu und macht ihm unmissverständlich klar, dass er jetzt spielen will.

Netzer wechselt sich also quasi selbst ein. Er ist gerade mal vier Minuten auf dem Platz, als ihm das entscheidende 2:1 für die Gladbacher gelingt. Ein besserer Abschied gibt es nicht, Netzer ist natürlich der gefeierte Held.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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