Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Mehrheit im Stadion ist orange, doch am Ende jubelt der russische Fanblock.
Bild: EPA

21.06.2008: Russland tanzt Holland aus und stoppt das Oranje-Fieber in der Schweiz

21. Juni 2008: Einen kurzen Sommer lang zählt Russland zu den aufregendsten Fussballteams des Planeten. Der EM-Viertelfinal gegen Holland ist der Höhepunkt – danach geht's wieder bergab.

21.06.16, 00:01 21.06.16, 10:27


Die grössten Fussball-Erfolge des Riesenreichs Russland liegen Jahrzehnte zurück. 1960 holte sich die Sowjetunion den Europameister-Titel, drei Mal verlor sie den Final. Zuletzt 1988, als Hollands Marco van Basten ein Wundertor erzielte.

Seit jenem Tag geht es bergab mit der russischen Nationalmannschaft. Qualifizierte sie sich mal für eine WM oder EM, war nach der Vorrunde stets Schluss. Die grosse Ausnahme bildet die Euro 2008 in der Schweiz und Österreich.

Nach einer 1:4-Klatsche gegen das aufstrebende Spanien fängt sich Russland. Es schlägt Griechenland 1:0 und zieht nach einem 2:0 gegen Schweden in die Viertelfinals ein. Nach drei Partien in Österreich findet dieser beim Co-Gastgeber in Basel statt.

Gegner der Russen ist Holland. Die Elftal sorgt mit ihren Auftritten für ein Oranje-Fieber in der Schweiz, die heimischen Fans lassen sich von den fröhlichen Fans der Holländer anstecken und so sind die Sympathien klar verteilt.

Die Schweiz ist im Sommer 2008 fest in holländischer Hand: Public Viewing vor dem Bundeshaus.
Bild: KEYSTONE

Tapsiger Tanzbär? Vonwegen, Russland begeistert

Eigentlich bin ich nur nach Basel gefahren, um mitzufeiern und das Spiel auf Grossleinwand zu sehen. Letztlich blättere ich dann doch 250 Franken für ein Ticket hin. Mehr Geld habe ich vorher und nachher nie für ein Fussballspiel ausgegeben. Aber wenigstens darf ich danach sagen: Es hat sich gelohnt. Denn gemeinsam mit den 38'729 anderen Zuschauern im Stadion sehe ich einen mitreissenden Match.

Das Telegramm

Holland – Russland 1:3 n.V.
Basel, St.Jakob-Park, 38'730 Zuschauer. SR: Michel (Slk).

Tore: 56. Pawljutschenko 0:1. 86. Van Nistelrooy 1:1. 112. Torbinski 1:2. 116. Arschawin 1:3.

Holland: Van der Sar; Boulahrouz (54. Heitinga), Ooijer, Mathijsen, Van Bronckhorst; De Jong, Engelaar (62. Affelay); Kuijt (46. Van Persie), Van der Vaart, Sneijder; Van Nistelrooy. Trainer: Van Basten.

Russland: Akinfejew; Anjukow, Ignaschewitsch, Kolodin, Schirkow; Semak, Syrjanow, Sajenko (81. Torbinski), Semschow (69. Biljaletdinow); Pawljutschenko (115. Sytschow), Arschawin. Trainer: Hiddink.

Russland legt mit Vollgas los. Holland dagegen wirkt nervös. So ist die russische Führung nur logisch: Roman Pawljutschenko trifft nach 56 Minuten zum 1:0.

Pawljutschenko mit dem Führungstor.
streamable

Die Russen kombinieren flüssig und atemberaubend schnell. Die holländischen Zuschauer reiben sich verwundert die Augen: So hatte sich die orange «Hup-Hup-Fraktion» das nicht vorgestellt. Die Holländer können trotzdem eine Verlängerung erzwingen, weil es die Russen verpassen, den Sack zuzumachen. Ruud van Nistelrooy köpft nach einem Standard zum Ausgleich.

«Das Tempo war wahnsinnig, die Ballstafetten atemberaubend.»

«SonntagsBlick»

Dominanz in der Verlängerung

Dann ist es aber endgültig geschehen um den Europameister von 1988. In der Verlängerung spielt nur noch Russland. Erst trifft Pawljutschenko die Latte, dann verweigert der Schiri den Russen einen Foulpenalty.

In der 112. Minute liegt der Ball endlich zum zweiten Mal im holländischen Kasten. Nach einer Flanke Andrei Arschawins ist der eingewechselte Dmitri Torbinski zur Stelle. Die Zugabe erfolgt wenige Minuten später, als Arschawin den 37-jährigen Goalie Edwin van der Sar tunnelt und zum 3:1 trifft.

Die beiden russischen Treffer in der Verlängerung.
streamable

«Selten wurde Fussball in einer schöneren Weise zelebriert.»

«Sonntag»

Die Bilder zum Spiel

Der kurze Sommer ist zu Ende

Der Geheimtipp hat sich mit dem Sieg über Holland zu einem Titelanwärter gemausert. Nach dem rauschenden Sieg im Viertelfinal geht es für die Russen zurück nach Österreich. Im strömenden Regen wartet erneut Spanien auf die Sbornaja, die dann aber wie schon zum EM-Auftakt unter die Räder kommt. Xavi erzielte nach 50 Minuten das 1:0, nach viel Tiki-Taka zieht der Favorit mit einem 3:0 in den Final ein, den es gegen Deutschland gewinnen wird.

Mit der Halbfinal-Niederlage endet auch das kurze Zwischenhoch der russischen Nationalmannschaft. Denn die grossen Hoffnungen kann sie in der Folge nicht erfüllen. Die WM 2010 wird verpasst, an der EM 2012, der WM 2014 und der EM 2016 ist jeweils nach der Vorrunde Schluss.

Oft wird die Bequemlichkeit der Spieler als Grund für das regelmässige Versagen geortet. Sie verdienen in Russland so viel, dass ein Wechsel ins Ausland oft als nicht lukrativ eingestuft wird. Wieso fortgehen, wenn man doch zuhause ein König ist? Dass das Niveau dadurch nicht ansteigt, liegt auf der Hand. Vielleicht schlagen die Russen ja an der WM 2018 zu – schliesslich können sie dann zuhause bleiben.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

15.06.1996: Oh Gazza! Paul Gascoigne schiesst die Schotten ab und feiert im Zahnarztstuhl

23.06.1996: Portugals «Goldene Generation» scheitert an Karel Poborskys Lob für die Ewigkeit

13.06.2004: Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

18.06.2004: Zlatan schiesst gegen Italien ein unmögliches Tor mit dem Absatz auf Schulterhöhe

21.06.2008: Russland tanzt Holland aus und stoppt das Oranje-Fieber in der Schweiz

11.06.2008: Die Schweizer EM-Träume gehen in der Wasserschlacht von Basel baden

22.06.1980: Der 35-jährige Beizer Wilfried van Moer führt Belgien beinahe zum EM-Titel

14.06.2012: Irland hat nicht den Hauch einer Chance, aber die Fans singen sich zum EM-Titel

16.06.2008: Zwei Trainer müssen auf die Tribüne und wissen nicht weshalb – die Parodie ist köstlich

19.06.2004: In einer düsteren Stunde stolpert Deutschland an der EM über Fussballzwerg Lettland

12.06.1988: Irland betritt erstmals die grosse Fussballbühne und schockt gleich England

Die besten EM-Spieler aller Zeiten – und wieso Cristiano Ronaldo in den Top 50 fehlt

Allez, allez! So bunt zeigen sich die Fans der 24 EM-Teilnehmer in Frankreichs Stadien

Die 48 Heim- und Auswärtstrikots aller Teams der EM 2016

Zum EM-Start: Fussballer-Zitate, die Lach-Krämpfe verursachen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pasch 22.06.2016 19:09
    Highlight Unvergesslicher Tag... am Nachmittag Fussballspielen auf dem Barfi und alles in Orange, herrlich... Stimmung der helle Wahnsinn bis ins Stadion... und dann... ja dann... das war wohl der grösste Trauerzug den ich je erlebt hab... Da wurde ein ganzes Land beerdigt.
    1 0 Melden

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

17. Juli 1994: Italien und Brasilien streben im WM-Final von Los Angeles ihren vierten Titel an. Nach 120 torlosen Minuten entscheidet erstmals ein Elfmeterschiessen, wer den Weltpokal holt. Drei Italienern versagen die Nerven, Superstar Roberto Baggio scheitert als Letzter kläglich.

Weisst du noch, wer an der WM 1994 in den USA Torschützenkönig wurde? Nein? Es war Oleg Salenko. Du erinnerst dich aber bestimmt noch an Roberto Baggio. An den «göttlichen Zopf» und wie er im Final gegen Brasilien zum tragischen Helden wurde. Das Scheitern im wichtigsten Moment seiner Karriere.

0:0 steht es im WM-Final im Rose Bowl Stadium in Pasadena nahe Los Angeles nach 120 Minuten zwischen der Squadra Azzurra und der Seleção. Erstmals in der WM-Geschichte muss ein …

Artikel lesen