Unvergessen

Das Spiel zwischen Frankreich und Jugoslawien aus dem Jahr 1960 hat EM-Geschichte geschrieben.  bild: archiv dpa

06.07.1960: Jugoslawien braucht fünf Minuten für den Einzug in den ersten EM-Final der Geschichte

6. Juli 1960: In Frankreich geht es um den ersten EM-Titel überhaupt. Im Halbfinal sieht der Gastgeber wie der sichere Sieger aus. Gegner Jugoslawien gibt sich aber trotz zwei Toren Rückstand nicht geschlagen und schafft die sensationelle Wende.

06.07.16, 00:01 06.07.16, 17:48
Janick Wetterwald
Janick Wetterwald

Vor bescheidenen 26'370 Fans wird das Spiel im Prinzenpark von Paris angepfiffen. Bereits in der ersten Halbzeit fallen drei Tore: Die Führung durch Jugoslawien nach 11 Minuten gleicht Frankreich binnen einer Minute wieder aus und kurz vor der Pause gelingt den Franzosen durch François Heutte noch der Führungstreffer.

François Heutte: Doppeltorschütze für Frankreich. 
printscreen: wordlfootball.com

Drazan Jerkovic bringt mit seinem Doppepack die Wende für Jugoslawien herbei. printscreen: wikipedia

Das Telegramm zum Halbfinal:

printscreen: fussballdaten.de

«Les Bleus» sind entzaubert und die Stimmung im Stadion ist auf dem Tiefpunkt. Der Held für Jugoslawien heisst Drazan Jerkovic, der mit seinem Doppelpack die Wende perfekt macht. Es soll auch 56 Jahre noch das torreichste EM-Spiel der Geschichte bleiben.

Im Final wird der jugoslawische Titeltraum dann auf dramatische Art und Weise zerstört. In der Verlängerung gibt es eine 1:2-Niederlage gegen die Sowjetunion. Der entscheidende Treffer für den ersten Europameister der Geschichte schiesst Wiktor Ponedelnik in der 114. Minute. Frankreich verliert nach dem Halbfinal auch noch das Spiel um Platz drei.

Die erste Partie als Gastgeber

Eine bittere Niederlage für «Les Bleus» – und dies bei der ersten Partie als Gastgeber. Denn der Modus sieht vor, dass erst die Halbfinals und der Final in nur einem Spiel entschieden werden. Auf dem Weg unter die besten vier Mannschaften Europas werden in den Achtelfinal- und Viertelfinalduellen jeweils ein Hin- und Rückspiel ausgetragen. Es braucht somit erst für die letzten drei Spiele ein Gastgeberland.

Henri Delaunay gilt als Gründer der Europameisterschaft.
Bild: KEYSTONE

Zu Ehren des Generalsekretärs des französischen Fussballverbands, Henri Delaunay, kommt Frankreich zum Handkuss. Delaunay hat grosse Verdienste an der Entstehung der UEFA und der Entwicklung des europäischen Fussballs. Bereits 1927 hatte er die Idee einer Europameisterschaft, doch die FIFA lehnte ab.

Erst nach seinem Tod kommt es dann tatsächlich zur ersten EM. Sein Sohn und Nachfolger bei der UEFA, Pierre Delaunay, trieb die Pläne voran. Die EM-Trophäe soll auch 65 Jahre später noch den Namen seines Vaters Henri tragen.

Der EM-Pokal ist nach Henri Delaunay benannt. Bild: Felix Golesi/Presse Sports/fresh

Zwei Jahre bis in den Halbfinal

Den Weg bis in den Halbfinal mussten die beiden Teams schon zwei Jahre früher beginnen. Denn das Turnier begann bereits Ende September 1958 mit den ersten Achtelfinal-Hinspielen. Die Rückspiele fanden zum Teil erst ein Jahr später statt.

Jugoslawien eliminierte im Achtelfinal die Bulgaren mit einem Gesamtskore von 3:1. In der nächsten Runde fertigte das Team vom damaligen Trainer Ljubomir Lovric die Portugiesen mit 6:3 ab. Dies vor allem dank einer starken Reaktion im Rückspiel in Belgrad, denn das Hinspiel gewann Portugal mit 2:1. 

Das Telegramm zum Rückspiel:

printscreen: Fussballdaten.de

Die Franzosen waren nicht etwa als Gastgeber gesetzt, spielten sich aber souverän an die «Endrunde» daheim. Mit eindrücklichen Gesamtergebnissen von 8:1 im Achtelfinal gegen Griechenland und 9:4 im Viertelfinal gegen Österreich schafften «Les Bleus» mit ihrem Trainer Albert Batteux locker den Einzug in den Halbfinal. Zusammen kamen Jugoslawien und Frankreich auf 25 Tore in vier Spielen.

Die grossen Mannschaften fehlen

«Ich will die Zeit zwischen den Weltmeisterschaften nicht verschwenden.»

Sepp Herberger, Trainer von Westdeutschland 1958

Die erste Ausgabe der Europameisterschaft wird rückblickend zwar eine Pionierleistung, aber durch die Abwesenheit von vielen grossen Nationen wie Westdeutschland oder Italien nicht der ganz grosse Wurf sein. Sepp Herberger, zu dieser Zeit Trainer der Deutschen, sagte dazu: «Ich will die Zeit zwischen den Weltmeisterschaften nicht verschwenden.»

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Printscreen: sport1.de

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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