Unvergessen
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Der Kolumbianer René Higuita beim «Skorpion-Kick». Bild: AP

Goalie Lehmann trifft

Torhüter, welche sich nicht an die Spielregeln halten

12. März 1995: Der Job eines Torhüters besteht im Halten der Bälle. Manchmal gehen sie aber auch mit in den Angriff. So wie Jens Lehmann, der an diesem Tag seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielt. Zu wirklich grossem Ruhm kommt er zweieinhalb Jahre später im Ruhrpott-Derby gegen Dortmund.

12.03.14, 00:00 12.03.14, 13:19

Wir schreiben den 12. März 1995, als der für Schalke spielende Torhüter Jens Lehmann zum ersten Mal selber ins gegnerische Tor trifft. Bis dahin hatte der gebürtige Essener wie jeder «normale» Torhüter seiner Zunft immer die Bälle aus seinem eigenen Kasten fischen müssen. 

Doch nun drehte Jens Lehmann den Spiess um. Es stand schon 5:1 im Bundesligaspiel gegen 1860 München, als Schalke einen Penalty zugesprochen bekommt. Und der Schalker Schlussmann darf ihn reinmachen, was der 1,90 Meter-Hüne auch tut.

Zugegeben, ein Penaltytreffer eines Torhüters ist zwar speziell, doch so aussergewöhnlich auch wieder nicht. Sicherlich einmalig ist hingegen Lehmanns zweiter Treffer. Zweieinhalb Jahre später nämlich steht am 19. Dezember 1997 das Ruhrpott-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 auf dem Programm. 

Der Jubel von Jens Lehmann über den Ausgleich in Dortmund. Bild: AP

Nachdem der Schalke-Torhüter zweimal einen Freistoss in die Torwartecke passieren lässt, scheint Lehmann die unglückliche Figur des Spieltags zu werden. Doch dann das Unglaubliche: Ein Eckball in der 93. Minute wird von einem Schalker Spieler per Hinterkopf an den zweiten Pfosten verlängert, wo Lehmann goldrichtig steht und nur noch einzuköpfen braucht. Der Ausgleich in der Nachspielzeit durch einen Torhüter im giftigsten Duell Deutschlands ist zugleich das erste Feldtor eines Keepers in der 1. Bundesliga.

Die unfassbaren Szenen im Derby

Das unfassbare Spiel mit Hauptprotagonist Jens Lehmann. YouTube/DerQuintana04

In der Bundesliga mit zwei Toren auf Platz 2

Mit zwei Toren ist Jens Lehmann jedoch nicht einmal in der Bundesliga an der Spitze zu finden. Gemeinsam mit einem anderen Ex-Nationaltorhüter, Andreas Köpke, belegt er nämlich «nur» den zweiten Rang. Der erste Platz gehört unangefochten Hans-Jörg Butt, der 26 Treffer in 387 Bundesligapartien erzielte. 

Ausserdem ist Butt der einzige Torhüter, der in vier Spielklassen und in der Champions League Tore erzielte, sondern auch bis heute der einzige Torhüter, dem in zwei Bundesligaspielen jeweils zwei Tore gelangen.

Die Top 5 der Torjäger mit der Nr.1

Nichtsdestotrotz reiht Hans-Jörg Butt mit 26 Bundesligatoren sich nicht in internationalen Rekordbücher ein, was Treffer eines Schlussmannes anbelangt. Diese führt ein immer noch aktiver Brasilianer an.

Nr. 1: Rogério Ceni. Die Mücke hat schon 113 Mal zugestochen

Der brasilianische Torhüter Rogério Mücke Ceni (Mücke ist wirklich sein zweiter Vorname) ist eine Legende in seiner Heimat. Seit 1990 (!) steht er für den FC Sao Paulo zwischen den Pfosten. Aber der inzwischen 41-jährige Torhüter verhindert nicht nur einfach Tore, sondern er schiesst auch selber gerne welche. 113 Tore hat Ceni bis jetzt erzielt, davon über die Hälfte per Freistoss.

100 Tore mit der Nr. 1 am Rücken

Videokommentar eines Users: «Die besten 15 Minuten meines jungen Lebens.» Ceni beim Toreschiessen zuzuschauen dauert eben. YouTube/Felipe Ferreira

Nr. 2: José Luis Chilavert. Der extravagante ehemalige Präsidentschaftskandidat

Chilaverts acht Länderspieltore sind bis heute unerreicht. YouTube/psychodevil1

Der mehrfach vorbestrafte Paraguyaner erzielte in seiner Karriere über 60 Tore für verschiedene Klubs und das Nationalteam. Er lief von 1989 bis 2003 74-mal für die paraguayische Fussballnationalmannschaft auf und erzielte acht Tore, was bis heute Rekord ist für Tore eines Keepers für eine Landesauswahl. 

Nr. 3: Dimitar Ivanow. Der Unbekannte

Mit 42 Toren holt der bulgarische Ex-Nationalhüter Dimitar Ivanow Bronze. Der Bulgare hatte vor allem in der Türkei eine erfolgreiche Zeit. 2008 wurde Ivanow mit Kayserispor Pokalsieger, 2010 sogar Meister mit Bursaspor.

Ivanow hat den Ball fest im Griff. Auch mit dem Fuss war der Bulgare top.  Bild: weltfussball.com

Nr. 4: Jorge Campos. Der farbenfrohe Stürmer mit den Handschuhen

Jorge Campos mit einem seiner selbstdesignten Trikots. Der ehemalige mexikanische Nationaltorwart lässt sich offensichtlich vorallem von Stabilo-Boss-Stiften inspirieren. Bild: AP

Der Mexikaner Jorge Luis Campos war bekannt für seine knalligen Trikots und stürmischen Sololäufe. Im Gegensatz zu seinen Berufskollegen sind nicht etwa hauptsächlich Elfmeter- und Freistosstore in den Annalen zu finden, sondern der 1,75m kleine Torwart spielte bisweilen auch als Stürmer und traf dementsprechend auch öfters aus dem Spiel heraus. Durch seine Doppelrolle und den selbstdesignten Goalie-Trikots stieg er zu einer weltweit bekannten Fussballfigur auf. So schoss er im Laufe seiner Karriere beachtliche 38 Tore.

Die besten Szenen des spielenden Mexikaners

Überall auf dem Feld zu finden, Jorge Campos. YouTube/OSCAR2001234456789

Nr. 4: René Higuita, «der Verrückte»

Im Wembley-Stadion machte Higuita für viele die spektakulärste Parade aller Zeiten, indem er einen Schuss mit den Hacken wegspedierte. Diese Parade ging als «Skorpion-Kick» in die Geschichte ein. YouTube/Guilherme Fernandez

Der kolumbianische Schillerfalter – in Schlagerkreisen wegen seines Wuschelkopfs und Schnauzer auch als «Wolfgang Petri für Arme» bezeichnet – hat eine Biographie, die selbst diejenige von Querulant Carlos in den Schatten stellt. Daneben hat «El Loco» übrigens auch 38-mal eingenetzt.

In der Kokainhochburg Medellin zur Welt gekommen (und später als Profi positiv auf das weisse Pulver getestet), von 1987 bis 1999 mit Unterbrechungen das Tor Kolumbiens gehütet, agierte als Vermittler in einem Entführungsfall, in dem die Tochter einer befreundeten Familie von Drogenhändlern gekidnappt wurde, sass im Knast und machte nach der Entlassung einen Hungerstreik, nahm in der Reality-Show «La isla de los famosos: Una aventura pirata» teil, in welcher die Teilnehmer skurrile Überlebensaufgaben machen mussten und liess schliesslich in der Sendung «Cambio Extremo» live im TV etliche Schönheitsoperationen über sich ergehen. 

Lehmann wirkt geradezu brav im Vergleich

Jens Lehmann hat bekanntermassen auch oft für Schlagzeilen gesorgt, nichtsdestotrotz sind diese als absolut «normal» zu bezeichnen, wenn man diese Aussetzer den Eskapaden eines Chilavert oder Higuita gegenüberstellt. Da fällt es selbst den grössten Fussballexperten und Philosophen schwer, der geflügelten Redewendung «Torhüter ticken anders» etwas Vernünftiges entgegenhalten zu können.



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