Unvergessen
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SEOGWIPO - JUNE 15:  Jose Luis Chilavert of Paraguay during the Germany v Paraguay, World Cup Second Round match played at the Seogwipo-Jeju World Cup Stadium in Seogwipo, South Korea on June 15, 2002. (Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Extravagant ist sein zweiter Vorname

12.06.1998: José Luis Chilavert wird beinahe zum ersten Goalie, der an einer WM ein Tor erzielt

12. Juni 1998: Endlich ist für José Luis Chilavert die Gelegenheit da, seinen Traum wahr zu machen und als erster Torwart überhaupt an einer WM ein Tor zu schiessen. Der beste Spieler in der Geschichte Paraguays kann aus seiner Lieblingsposition einen Freistoss schiessen. 

12.06.14, 00:01 12.06.14, 09:35

Nein, ein normaler oder sogar gewöhnlicher Torwart war José Luis Chilavert sicher nicht. Das fing schon bei seinem Äusseren an: Wie ein grimmiger Türsteher sah der Paraguayer während seiner Karriere aus (und tut es immer noch), einer, der die nächste Schlägerei schon herbeisehnt, um endlich seine Muskeln spielen lassen zu können. 

Der 1,93 Meter grosse Brocken hat auch immer brav gefuttert für seine Figur. So soll die Waage im Jahre 2000 nach seinem Wechsel vom argentinischen Klub Velez Sarsfield zum französischen Verein Racing Strassburg bei seiner Ankunft 102 Kilogramm angegeben haben.

Auch modisch extravagant, hier im Nationaltrikot 1997. Bild: Getty Images Europe

Luiz Felipe Scolari, damals wie heute Brasiliens Nationaltrainer, forderte aufgrund der rundlichen Figur von Chilavert seine Spieler im Vorfeld einer Partie deshalb auf, bei jeder Gelegenheit das paraguayische Tor ins Visier zu nehmen: «Schiesst, schiesst! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum.»

«Schiesst, schiesst! Chilavert schleppt 400 Kilo reinen Fetts mit sich herum.»

Luiz Felipe Scolari. sueddeutsche.de

Chilavert macht sich zu einem Freistoss bereit. Eine Aufnahme von 2002. Bild: Getty Images Europe

Die beeindruckenden Zahlen von Chilavert

Doch man würde dem Erbe Chilaverts Unrecht tun, wenn man sich nicht die tollen sportlichen Leistungen des Paraguayers ansehen würde. So wurde der exzentrische Torhüter, der häufig wegen seiner cholerischen Art mit dem Gesetz in Konflikt kam und sogar mehrmals auf Bewährung verurteilt wurde, dreimal zum Welttorhüter des Jahres (1995/1997/1998) gewählt. 

Er besiegte mit Velez Sarsfield, wo Chilavert insgesamt neun Jahre (1991-2000) seiner Karriere verbrachte und dort die grössten persönlichen Erfolge feiern konnte, im Weltpokalfinale 1994 die grosse AC Milan, die im Finale der Champions League Barcelona 4:0 abfertigte. Ausserdem gewann er im selben Jahr die Copa Libertadores.

Ein Torwart, der Freistösse schiesst. Hier gegen das DFB-Team von 2002. Bild: Bongarts

Doch berühmt gemacht haben ihn nicht seine Titel, sondern seine Tore. Mehr als 60 hat er insgesamt in seiner 23-jährigen Karriere erzielt, die meisten davon per Freistoss. Seine Lieblingsposition war dabei die – aus der Sicht des Schützen – rechte Seite, wo er mit seinem linken Fuss platziert, aber dennoch mit Wucht draufhielt. Die Technik hat Chilavert übrigens geübt, indem er Cola-Dosen von der Latte herunter ballerte.

Die Chance, den Traum zu verwirklichen

Genau aus seiner bevorzugten Zone darf der Nationalheld Paraguays beim WM-Gruppenspiel gegen Bulgarien 1998 denn auch zum Freistoss antreten, nachdem der Bulgare Trifon Ivanov – auf dessen Konto die wohl schlimmsten Panini-Bilder aller Zeiten gehen – sich nur noch mit einem Foul behelfen kann.

«Ich bin der Prototyp des Torwarts des dritten Jahrtausends.»

José Luis Chilavert. berliner-zeitung.de

Chilavert sieht den Moment gekommen, um sich einen fixen Platz in der Fussballhistorie zu sichern, welchen er mit einem Tor auf sicher hätte. Noch nie hat nämlich ein Torwart ein Feldtor bei einer WM erzielen können.

Das fast-erste-WM-Tor eines Goalies. Video: Youtube/psychodevil1

Der Paraguayer trifft zwar satt die Kugel, welche darauf schön auf die Torwartecke zusteuert, doch der bulgarische Berufskollege Zdravko Zdravkov lässt sich nicht überraschen und lenkt den Ball knapp über die Latte. Auch an der WM 2002 gelingt es Chilavert nicht, ein Tor zu erzielen.

Heute hat Chilavert offensichtlich andere Pläne. Er will nämlich Präsident seines Landes werden. Erneut, muss man sagen. Bei seiner ersten Kandidatur war er gescheitert.

«Präsident, nicht Vizepräsident.»

José Luis Chilavert.

So sieht Chilavert heute aus. Screenshot: Youtube/Hinchada Velez Sarsfield

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 



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