Unvergessen
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Die Freude gibt es im Bild, den Treffer nicht: Der Dortmunder Lothar Emmerich bejubelt das erste Bundesliga-Tor von Timo Konietzka. Bild: dpa

Schiedsrichter pfeift zu früh an

24.08.1963: Das erste Bundesliga-Tor von Timo Konietzka fällt so früh, dass es nicht einmal ein Video davon gibt

24. August 1963: Der Dortmunder Timo Konietzka erzielt im Spiel gegen Werder Bremen nach 35 Sekunden das erste Bundesliga-Tor der Geschichte. Doch es hätte gar nicht fallen dürfen, der Schiedsrichter hat zu früh angepfiffen.

24.08.14, 00:01 24.08.14, 10:23

Es ist Samstagnachmittag, kurz vor 17 Uhr. Damals ist das die Anspielzeit der neu gegründeten Fussball-Bundesliga. 11 Monate zuvor wurde die erste deutsche Profiliga im Goldsaal der Westfalenhallen ins Leben gerufen. Nun geht es endlich los. 

Gespannt ist man vor allem auf den Eintritt des letzten Amateurmeisters Borussia Dortmund bei Werder Bremen. Eine deutsche Mark und ein paar Groschen kostet der Eintritt: Das Weserstadion ist mit 30'000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt, als Schiedsrichter Alfred Ott die Partie anpfeift.

Dieser erste Pfiff erfolgt eine Minute zu früh und das wird sich noch rächen. Die Dortmunder halten den Ball zunächst gekonnt in den eigenen Reihen, ohne dass ein Bremer dazwischen gehen kann. Dann folgt die historische Szene. Timo Konietzka erzielt nach 35 Sekunden das erste Bundesliga-Tor der Geschichte.  

Video: Youtube/adidas Fussball

«Der Ball kam nach links auf Lothar Emmerich. ‹Emma› lief bis zur Grundlinie und flankte zur Mitte. Ich stand etwa zehn Meter vom Tor entfernt und brauchte nur noch den Fuss hinzuhalten», beschreibt Konietzka seinen Treffer später immer und immer wieder.



Auch Konietzkas Teamkollege «Aki» Schmidt, der nur auf der Bank sass, erinnert sich: «Ich sehe die Szene vor mir, als wenn es gestern gewesen wäre. Alles ging blitzschnell. Ich hatte noch nicht richtig Platz genommen, da lag der Ball schon im Netz.»

«Dieses Tor hat mein Leben geprägt. Ich habe in meiner Karriere viel schönere Tore geschossen, aber dieses in Bremen hat mir am meisten genutzt»

Timo Konietzka

Blöd nur, es gibt keine Video-Aufzeichnung davon. Im Stadion steht nur eine einzige Fernsehkamera. Und der Kameramann ist wegen des verfrühten Anpfiffs noch nicht auf seinen Posten. Damals ist das noch kein Problem: An Live-Übertragungen von Fussballspielen denkt noch keiner.

Timo Konietzka in Aktion. Bild: EPA

Auch ein Foto vom historischen Treffer gibt es nicht. Die Fotografen haben sich alle hinter dem BVB-Tor platziert oder sind noch auf dem Weg dorthin. Erst als der Ball bereits im Tor ist, drücken die ersten auf den Auslöser und fangen nur noch den Jubel von Emmerich ein. Konietzka setzt Jahre später eine Belohnung für ein Bilddokument seines Tores aus: 1000 Mark Belohnung. Leider ohne Erfolg.

Meister in der Schweiz und freiwilliger Tod

Dass er mit dem Blitztor in die Geschichte der Bundesliga eingegangen ist, wird Konietzka, der im März 2012 mit 73 Jahren wegen einer Gallenkrebs-Erkrankung freiwillig aus dem Leben schied, erst viel später bewusst. «Dieses Tor hat mein Leben geprägt. Ich habe in meiner Karriere viel schönere Tore geschossen, aber dieses in Bremen hat mir am meisten genutzt», erzählte er bis zu seinem Tod jeweils den Gästen im Gasthaus «Ochsen» in Brunnen am Vierwaldstätter See, das er zusammen mit seiner Frau Claudia bewirtschaftete.

Konietzka wird nach dem ersten Meistertitel mit dem FCZ auf Händen getragen. Bild: KEYSTONE

Meister Dortmund verliert das erste Bundesliga-Spiel trotz der frühen Führung noch 2:3 und verpasst die Titelverteidigung deutlich. Mit 1860 München gewinnt Konietzka 1966 aber trotzdem noch einmal den Titel. Nach 72 Toren in 100 Bundesliga-Spielen wechselt er in die Schweiz, wo er beim FC Winterthur und dem FC Zürich seine Karriere ausklingen lässt. Später steigt er ins Trainer-Metier ein und wird mit dem FC Zürich dreimal und mit GC einmal Schweizer Meister.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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