Unvergessen

Bob Beamon trifft den Balken perfekt und bringt die Funktionäre mit seinem Sprung ins Rotieren. Bild: Olympics

Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

18. Oktober 1968: Der Sport erlebt einen seiner denkwürdigsten Momente. Leichtathlet Bob Beamon hebt an den Olympischen Spielen zum «Sprung ins 21. Jahrhundert» ab. Seine 8,90 m wurden bis heute nur von zwei Athleten übertroffen.

18.10.16, 00:01 18.10.16, 14:15

Es gibt Sportler wie Roger Federer, die eine unheimliche Konstanz haben und jahrelang Triumph an Triumph reihen können. Und es gibt Sportler, die einen einzigen, absolut perfekten Tag in ihrer Karriere erleben. Der amerikanische Leichtathlet Bob Beamon gehört zu dieser Kategorie.

Als er am 18. Oktober 1968 in Mexiko-Stadt an der Weitsprung-Konkurrenz der Olympischen Spiele teilnimmt, katapultiert er sich gleich mit seinem ersten Versuch in bislang unbekannte Sphären. Weil alles, was aufgehen muss, auch aufgeht. Beamon erhält die gerade noch zulässige Unterstützung von 2,0 Metern Rückenwind pro Sekunde. Er trifft den Absprungbalken millimetergenau. Und die dünne Luft auf 2240 Metern über Meer begünstigt einen weiten Flug.

Ein Jahr vor Neil Armstrongs Flug auf den Mond zeigt Bob Beamon einen Sprung in ein anderes Jahrhundert. Bild: AP NY

8,90 Meter? Beamon kennt nur Fuss und Inches

In der Sandgrube weiss Beamon lange nicht, wie weit er tatsächlich gesegelt ist. Er weiss nur: Es muss sehr weit sein. Denn einerseits sieht er das ja selber und andererseits bemerkt er die Aufregung der Funktionäre. Der Grund: Der Sprung geht für die Messanlage zu weit.

Niemand rechnet damit, dass ein Athlet die Weltrekordmarke von 8,35 m gleich derart übertreffen kann, wie es Beamon soeben getan hat. Nach zehn Minuten können die Kampfrichter endlich ein Massband besorgen, das lang genug ist. Danach steht die Weite fest: 8,90 m. Beamon übertrifft den alten Weltrekord um unfassbare 55 Zentimeter.

19 Schritte Anlauf und ein Flug zu ewigem Sport-Ruhm: Bob Beamons Satz auf 8,90 m. Video: YouTube/805Bruin

Als die Zuschauer im Stadion die Sensation schon bejubeln, weiss aber ausgerechnet Beamon selber immer noch nicht, was er vor wenigen Minuten geschafft hat – denn er kennt sich im metrischen System nicht aus. Erst als der Stadionspeaker verkündet, die 8,90 m würden 29 Fuss und 2,5 Inches entsprechen, reisst der Schlaks aus dem New Yorker Stadtteil Queens seine Arme in die Höhe und feiert.

Protest auf dem Podest

Bei der Siegerehrung zieht Beamon seine Hosen hoch, um die schwarzen Socken zu zeigen, die er trägt. Es ist sein Protest gegen die Rassen-Diskriminierung in den USA, den zwei Tage vor ihm die Sprinter Tommie Smith und John Carlos mit ihrer denkwürdigen Aktion bei der Vergabe der Medaillen über 200 m zu einem Weltthema machen.

Gemeinsam mit Carl Lewis die bekanntesten amerikanischen Leichtathleten aller Zeiten: Bob Beamon (rechts) und Jesse Owens, der vierfache Olympiasieger von 1936. Bild: AP NY

Fabel-Weltrekord hält 23 Jahre lang

Beamons Fabel-Weltrekord hält fast 23 Jahre lang. Erst an der WM 1991 in Tokio wird er geknackt. Die Amerikaner Carl Lewis und Mike Powell liefern sich ein faszinierendes Duell. Lewis kommt auf 8,91 m, Powell setzt sogar erst bei 8,95 m in der Sandgrube auf. Die zwei sind bis heute die einzigen Menschen, die Beamons Marke übertreffen konnten.

Der Olympiasieg 1968 bleibt der einsame Höhepunkt in der Karriere Bob Beamons. Nach seinen 8,90 m von Mexiko springt er nie mehr weiter als 8,22 m. Aber Neil Armstrong war ja auch nur einmal auf dem Mond.

Bob Beamon kurz vor Weihnachten 2013 bei einem Besuch im Olympischen Museum in Lausanne. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Sport kann auch Kunst sein: Sand-Ornamente an der Leichtathletik-WM 2015

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

15. November 2009: Die Schweiz, Fussball-Weltmeister? Das ist bis zu diesem Tag maximal ein Bubentraum. Doch er wird Wirklichkeit. In Nigeria werden die Schweizer U17-Fussballer die besten der Welt.

Es ist ein Abend für die Geschichtsbücher des Schweizer Sports. Bis zu 1,32 Millionen Zuschauer sind vor dem Fernseher live mit dabei, als die U17-Nati in Nigeria gegen den Gastgeber den WM-Final bestreitet. Es ist der Höhepunkt eines Turniers, das von A bis Z fantastisch verläuft.

Die Schweiz startet am 24. Oktober mit einem 2:0-Sieg gegen Mexiko. Mittelfeldspieler Pajtim Kasami haut einen Freistoss zum 1:0 ins Tor, den zweiten Treffer faustet sich der mexikanische Goalie nach einem Freistoss …

Artikel lesen