Unvergessen
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Newly crowned 125cc World Champion, Swiss motorcycle pilot Thomas Luethi from Czech Elit team, left, celebrates with his team owner Daniel Epp from Switzerland, right, and his riding coach Andy Ibbott from Britain, after finishing on 9th place the Motorcycle Grand Prix of Valencia in the 125cc class, on the Circuito Ricardo Tormo in Cheste, Spain, Sunday, November 6, 2005. Luethi catches his title at a margin of 5 points. (KEYSTONE/Photopress/Alessandro della Valle)

Tom Lüthi freut sich mit Teamchef Daniel Epp und Trainer Andy Ibbott über den WM-Titel. Bild: KEYSTONE

Bauernbub Tom Lüthi versetzt die Schweiz mit seinem WM-Titel in die totale Töff-Ekstase

6. November 2005: 20 Jahre nach Stefan Dörflinger hat die Schweiz wieder einen Motorrad-Weltmeister. Tom Lüthi triumphiert in der 125-ccm-Klasse und wird vom ganzen Land als neuer Poster-Boy gefeiert.



Ausnahmezustand in Linden BE: Am Sonntagmorgen um 10 Uhr herrscht bereits seltsame Betriebsamkeit im 1300-Seelen-Dorf im Emmental. Motorräder, Autos und Cars verstopfen die Strassen, vor dem Festzelt warten bereits hunderte Töff-Fans auf den Einlass. Sie alle sind gekommen, um Tom Lüthi auf dem Weg zu seinem ersten WM-Titel zu unterstützen.

Rund 1300 Kilometer südwestlich macht sich der 19-Jährige auf den Weg zum Start. Beim GP von Valencia auf dem Circuit Ricardo Tormo braucht Lüthi mindestens den Rang 13, um Konkurrent Mikka Kallio in der WM-Wertung hinter sich zu lassen und 20 Jahre nach Stefan Dörflinger der dritte Schweizer Solo-Töff-Weltmeister zu werden. 

Zahlreiche Fans von Thomas

Ganz Linden fiebert an diesem Sonntag mit Tom Lüthi mit.  Bild: KEYSTONE

Es ist eine machbare Aufgabe, schliesslich hat Lüthi in dieser Saison schon viermal gewonnen und ist insgesamt acht Mal aufs Podest gefahren. In Linden wächst die Anspannung trotzdem, beim Start ist es im Festzelt mucksmäuschenstill.

Tom Lüthi dagegen gibt den coolen Hund. «Ich muss nur konzentriert und ruhig bleiben, dann klappt das schon», sagt er vor dem wichtigsten Rennen seiner Karriere. Der Berner startet von Position 4 aber verhalten. Den Plan, von Anfang an vorne weg zu fahren, muss er schnell über Bord werfen. 

Swiss motorcycle pilot Thomas Luethi rides his Honda on the Circuito Ricardo Tormo during the second qualifying practice, in Cheste, Spain, Saturday, November 5, 2005. Luethi will be on the 4th starting position on the grid of the 125cc class of Sunday's Motorcycle Grand Prix of Valencia, lacking a mere 3 points to win the world championship. (KEYSTONE/Photopress/Alessandro della Valle)

Tom Lüthi auf seiner Honda. Bild: KEYSTONE

Lüthi reiht sich hinter der Spitze ein, fährt ein kontrolliertes Rennen. In Linden steigt der Stimmungspegel. Schweizer Fahnen werden geschwenkt, Kuhglocken geläutet und die mehr als 2500 Kehlen skandieren im Chor: «Hopp Tom, hopp Tom!» Das Bibbern weicht immer mehr der Gewissheit: «Er wird es schaffen.»

Lüthis Freude in der letzten Runde

Auch ein plötzlich auftauchendes Bremsproblem kann den Bauernbub nicht stoppen. «Das Hinterrad wurde etwas eingeklemmt und bremste leicht. Ich habe es bemerkt, aber es hat mich nicht sehr gestört», so Lüthi später. Bis zur letzten Runde hält die Anspannung, dann weicht sie auch beim Piloten der Freude. «Eigentlich ist das Rennen ja erst zu Ende, wenn die Ziellinie überquert wurde. Eine halbe Runde vor Schluss habe ich mich aber bereits über den WM-Titel gefreut. »

Swiss rider Thomas Luethi of Honda holds a Swiss flag after becoming the new 125cc. world champion following today's race at 'Ricardo Tormo' circuit in Cheste, Valencia,  Sunday 06 November 2005.  (KEYSTONE/EPA/EFE/Juan Carlos Cardenas)

Mit der Schweizer Fahne auf der Ehrenrunde. Bild: EPA EFE

Lüthi fährt schliesslich als Neunter über die Ziellinie – er hat es geschafft. «Ich kann noch nicht fassen, was alles gelaufen ist. Ich bin so müde wie nie am Abend eines Renntages. Zum Glück sind meine Eltern auch hier in Valencia. Ohne sie wäre ich nie Weltmeister geworden.»

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«Tagesschau»-Bericht über Lüthis WM-Titel. Video: streamable

242 Punkte hat Lüthi schliesslich auf dem Konto, fünf mehr als Rivale Kallio. Während sich der neue Weltmeister mit der Schweizer Fahne auf die Ehrenrunde begibt und sich den goldenen Helm abholt, knallen in Linden die Champagner-Korken. Die Fans liegen sich in den Armen. «De Tom isch eifach e geile Siech», schreien die jungen Mädchen in die Mikrofone der Reporter. 

Tom Lüthi hat noch keine Zeit zum Feiern. Er hetzt von einem Interview zum nächsten, posiert mit MotoGP-Champion Valentino Rossi und 250-ccm-Weltmeister Dani Pedrosa für ein gemeinsames Foto. Anderthalb Stunden nach dem Rennen klingelt plötzlich das Handy von TV-Reporter Sascha Ruefer. Es ist Bundespräsident Samuel Schmid, der den Weltmeister sprechen will. 

Newly crowned 125cc World Champion, Swiss motorcycle pilot Thomas Luethi, left, MotoGP World Champion Valentino Rossi from Italy, center, and 250cc World Champion Daniel Pedrosa from Italy hold hands for an end of season group photo after the Motorcycle Grand Prix of Valencia, on the Circuito Ricardo Tormo in Cheste, Spain, Sunday, November 6, 2005. Luethi finished his race on 9th, Rossi his on 3rd place, while Pedrosa wins the 250cc competition. (KEYSTONE/Photopress/Alessandro della Valle)

Die drei Weltmeister 2005: Tom Lüthi, Valentino Rossi und Dani Pedrosa (v.l.n.r.). Bild: KEYSTONE

«Grüessech», sagt Lüthi höflich. Der Sportminister gratuliert Tom zur taktisch klugen Fahrweise und erzählt ihm, wie er vor dem TV mitgefiebert habe. «Dann hat er mir das Du angeboten und gesagt ‹Ig bi de dr Samuel›.» Und während sie in Linden den Fest-Sonntag langsam ausklingen lassen, kann endlich auch Tom Lüthi seinen Triumph geniessen. Mit dem Team stösst er im «Complex Esportiu-Cultural» auf den Titel an.

Der Motorrad Weltmeister der 125 ccm Klasse, Tom Luethi, wird von Fans herzlich empfangen, am Mittwoch, 9. November 2005 in Bern-Belpmoos. (KEYSTONE/Edi Engeler)

Der Empfang für Tom Lüthi am Flughafen Kloten ist gigantisch. Bild: KEYSTONE

Die Euphorie um den 19-Jährigen kennt in den folgenden Tagen keine Grenzen. Bei der Rückkehr erwartet Lüthi am Flughafen Zürich-Kloten ein gigantischer Empfang. Dem sympathischen Emmentaler fliegen die Herzen der Schweizer nur so zu. Die «Weltwoche» weiss auch warum: 

«Er ist frech und fröhlich wie Simon Ammann bei seinen Olympiasiegen, aber bescheiden, und er hat die schweizerischste aller Haarfarben: kastanienbraun. Er verkörpert den Homo helveticus schlechthin und, was besonders gefällt: Er gibt diesen ausgeflippten Ausländern der Motorradszene eins aufs Dach ­dank gutschweizerischen Tugenden: Präzision, Kampf, Ruhe, Individualität. Das Internationalste an ihm ist sein Vorname, den er von Thomas auf Tom abgekürzt hat. Yeah!»

Die nächste Party in Linden

Auf Tom Lüthi, der eine Woche vor Weihnachten vor Wimbledon- und US-Open-Sieger Roger Federer zum «Sportler des Jahres» gekürt wird, wartet aber noch eine weitere Party. In seinem Heimatdorf haben die Bewohner ein weiteres grosses Fest organisiert.

Tennisspieler Roger Federer, links, gratuliert Motorradfahrer Thomas 'Tom' Luethi dem Sportler  des Jahres bei den Sports Awards 2005 Auszeichnungen am Samstag, 17. Dezember 2005 in Bern.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Lukas Lehmann)

Roger Federer gratuliert Tom Lüthi zum Sieg bei der Wahl zum «Sportler des Jahres». Bild: PHOTOPRESS

Orientierungslaeuferin Simone Niggli Luder und Motorradfahrer Thomas

Lüthi mit Simone Niggli-Luder. Bild: PHOTOPRESS

Jacques Cornu, Ex-Langstreckenweltmeiser, Motorrad Weltmeister Tom Luethi, Luigi Taveri, Ex-Motorrad Weltmeister, Bundespraesident Samuel Schmid, Rolf Biland und Kurt Waltisberger, Ex-Weltmeister Seitenwagen, von links nach rechts, posieren am Samstag, 12. November 2005 in Linden am Fest zu Ehren von Luethi. (KEYSTONE/Monika Flueckiger)

In Linden wird gefestet: Mittendrin «dr Samuel» (3.v.r.). Bild: KEYSTONE

Rund 4000 Fans, die Schweizer Töffhelden Luigi Taveri, Stefan Dörflinger, Jacques Cornu und Bundesrat Samuel Schmid sind gekommen, um dem neuen Schweizer Posterboy zum Titel zu gratulieren. Als Lüthi exakt eine Woche nach dem Rennen in Valencia das Festzelt betritt, brandet Riesenjubel aus. Im Emmental wird die Nacht zum Tag gemacht: Ausnahmezustand in Linden BE. 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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