Unvergessen

«Cool runnings» in echt

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

20. Februar 1988: Sie sind die Attraktion an den Olympischen Winterspielen in Calgary. Zum ersten Mal sprinten Jamaikaner über das Eis statt über die Rennbahn.

20.02.14, 00:01 20.02.14, 09:53

Wer kennt sie nicht? Den schönen Derice, den kleinen Junior, Yul und Senka. Sie sind die vier waghalsigen Jamaikaner, die sich im Film «Cool Runnings» im Vierebob für Olympia qualifizieren wollen. Was nur wenige wissen ist, dass dies 1988 in Calgary tatsächlich der Fall war. Die Schuld an dem Ganzen trägt ein junger amerikanischer Geschäftsmann.

Szene aus dem Film «Cool Runnings». Video: Youtube/Greenie Eskobar

Bob-Marley-Nation auf Eis

Viele lachen, als George Fitch auf die Idee kommt, Jamaika aufs Eis zu bringen. Dennoch lässt er sich nicht vom Weg abbringen. In Kingston lebend, besucht Fitch viele der in Jamaika beliebten Seifenkistenrennen. Natürlich übersieht er die Unterschiede mit dem Bobsport nicht und macht es sich zur Aufgabe, Jamaika ein Bobteam zu verschaffen.

Seine Jungs findet er zwar nicht wie gewünscht beim erfolgreichen Sprinterteam, dafür im jamaikanischen Militär: Dudley Stokes, Devon Harris, Michael White und Caswell Allen.

Team Jamaika am Strand. Bild «16:9»

«Es war kalt und rutschig… dazu kamen die dünnen Rennanzüge und dann soll man auch noch so schnell rennen wie man kann.»

Pilot Dudley Stokes

Nun hat der Geschäftsmann sein Team beisammen. Doch Bobfahrer sind die vier Jamaikaner noch nicht. Und wirklich vorstellen können es auch sie nicht.

In einem Gespräch in der Serie «SF unterwegs» meint Stokes: «Es war kalt und rutschig … dazu kamen die dünnen Rennanzüge und dann soll man auch noch so schnell rennen wie man kann.» Nur Fitch hält an seinem Traum fest und bringt die Jungs so auf Vordermann, dass sie die Qualifikation für Olympia erreichen.

Die Maskottchen Hidy und Howdy waren lange nicht die einzigen Fans von Team Jamaika. BIld: themarkofaleader.com

Glück im Unglück

Kurz vor Olympia verletzt sich Caswell Allan, einer der Anschieber. Dudley Stokes schlägt vor, seinen Bruder Chris ins Team zu holen. Und nach einigen Gesprächen mit den Funktionären durfte der jamaikanische Sprinter mittun.

Dabei sein ist alles

Sportlich ist die Teilnahme kein Erfolg. Im Zweier- wie auch im Viererbob belegt Team Jaimaika einen hinteren Platz. Zu allem Übel stürzt der Vierer auch noch in einem Lauf. Die Anerkennung ihrer Leistung verlieren sie aber nicht.

«Für Jamaikaner üblich», erreichen sie das Ziel zwar zu Fuss, werden aber von den Fans ins Ziel getragen. Unter herzlichem Applaus schieben die Olympia-Neulinge den Bob über die Linie und bleiben mit ihrem Auftritt für immer in den Herzen der Fans. Bis heute.

In Sotschi war erneut ein jamaikanischer Zweierbob am Start. Im Vorfeld hatten die Jamaikaner finanzielle Probleme, doch eine weltweite Spendensammlung brachte das nötige Geld rasch zusammen. Im Eiskanal klappte dann nicht mehr viel, auch 2014 war Bob Jamaika I erst ganz weit hinten im Klassement zu finden.

Jamaikas Viererbob an den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary. Video: YouTube/Olympics

Zum Vergleich: Der Trailer von «Cool Runnings»

Video: YouTube

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Roman Rey 20.02.2014 02:51
    Highlight Das geht über eure Vorstellungskraft, Jamaika hat ne Bobmannschaft. UND JETZT ALLE ZUSAMMEN!
    11 0 Melden
    • Hantelschleuder 20.02.2014 12:23
      Highlight Wie geil ist das denn? Ich werd Fan , vielleicht sollte man auch einen Fanclub gründen .............das wird lustig und wenn die Jungs auch noch erfolg haben wird's der brüller
      5 0 Melden

Angst um das «Ende der olympischen Idee» unbegründet

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

8. Mai 1984: Die Sowjetunion und ihre Verbündeten geben bekannt, dass sie die Olympischen Spiele in Los Angeles boykottieren werden. Es scheint wie das Ende der olympischen Idee, doch es ist der Anfang einer grandiosen Entwicklung.

Am 8. Mai 1984 geht die Meldung um die Welt, die von Pessimisten längst erwartet worden ist: «Das Nationale Olympische Komitee der Sowjetunion verzichtet auf die Entsendung von Aktiven nach Los Angeles.» Begründet wird dieser Verzicht mit Verletzungen der olympischen Charta durch die USA und unzureichenden Sicherheitsgarantien für die sowjetischen Athleten.

Den Vorwand liefern einige extreme Organisationen, die antikommunistische und antisowjetische Demonstrationen während der Spiele …

Artikel lesen