Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Bank of England» wird Gordon Banks aufgrund seiner tollen Paraden genannt. Bild: Getty Images Sport Classic

07.06.1970: Englands Gordon Banks klärt Pelés Kopfball mit der grössten Parade aller Zeiten 

7. Juni 1970: Der englische Nationaltorhüter Gordon Banks taucht in die tiefe Ecke, als Brasiliens Superstar Pelé auf sein Tor köpft. Mit der rechten Hand schaufelt er den Ball nicht nur heraus, er hebt ihn sogar über die Querlatte. Sein Safe gilt als die grösste Parade aller Zeiten.

07.06.16, 00:01


In Guadalajara kommt es in der Vorrunde der WM 1970 in Mexiko zur Partie zwischen England, das den WM-Titel von 1966 nur zu gerne bestätigen will, und Brasilien, das den Pott zurück in die Heimat bringen möchte. Es ist das Duell des amtierenden Weltmeisters und dem Team, das den Fussball zuvor acht Jahre lang dominiert hatte.

Die beiden Captains vor der Partie: Carlos Alberto (links) und Bobby Moore. Bild: AP

Für das Unterfangen «3. Titel» zieht sich sogar der bald 30-jährige Pelé wieder das Dress der brasilianischen Nationalmannschaft über. Dies, obwohl das Wunderkind der WM von 1958 geschworen hatte, nie mehr an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, nachdem er vier Jahre zuvor mit Brasilien gegen Portugal bereits in der Vorrunde ausgeschieden war. Die Portugiesen kannten damals nur eine Taktik: Den Beinen von Pelé ihre höchste Aufmerksamkeit widmen. Mit Erfolg: Pelé verletzte sich und Eusebio schoss Portugal zum 3:1-Sieg.

Die grösste Parade aller Zeiten

Vier Jahre später hat sich Pelé wieder beruhigt. Beim 4:1-Sieg gegen die Tschechoslowakei im ersten Gruppenspiel schiesst er bereits seinen ersten Treffer, auch gegen die «Three Lions» setzen die Brasilianer auf ihren routinierten Stürmerstar.

«Später sagte Pelé, es wäre die beste Parade gewesen, die er je gesehen hatte.»

Gordon Banks

Die erwartete Abwehrschlacht der Engländer um Captain Bobby Moore gegen Brasiliens Offensivpower mit Pelé, Tostao, Rivelino und Jairzinho findet aber nicht statt. Die Mannen von der Insel spielen munter mit und offenbaren die eine oder andere Lücke in der Hintermannschaft der Seleção. Nur das Tor will nicht fallen.

Brasilien ist allerdings deutlich näher am Führungstreffer. Als Pelé nach einer Flanke von Jairzinho in die Luft steigt, um einen Kopfball in Richtung Tor zu wuchten, schreien die ersten – darunter auch Pelé – «Gol». Doch England-Goalie Gordon Banks fliegt blitzschnell in die rechte untere Ecke und fischt den Ball von der Linie. Dabei lässt er die Kugel nicht etwa nach vorne abprallen – nein, er hebt den Ball mirakulös über die eigene Querlatte.

Die Parade von Gordon Banks.
streamable

Ein Ding der Unmöglichkeit, so scheint es. Doch anders war dies gemäss Banks gar nicht möglich: «Ich musste dem Ball hinterher hechten, so wuchtig wie der aufs Tor geköpft wurde. Ich musste das Tempo übernehmen, dafür die Richtung ändern und überlegen, wie hoch der Ball aufspringen wird. Zuerst dachte ich, er lande im Tor», erinnert sich Banks Jahre später. «Und später sagte Pelé, es wäre die beste Parade gewesen, die er je gesehen hatte.»

Brasilien gewinnt das Spiel trotz Banks Wunderparade 1:0 und marschiert danach mit bestechender Dominanz zum dritten WM-Titel. Auch England qualifiziert sich trotz der Niederlage für die Achtelfinals, gegen West-Deutschland ist dort aber Endstation.

Im Jahr 2000 stellen Gorden Banks und Pelé im alten Wembley-Stadion die Parade nach. Bild: Getty Images Europe

Faux-Pas, FA Cup und abruptes Karriereende

Gordon Banks steht bereits 1966 beim Gewinn des WM-Titels zwischen den englischen Pfosten. Obwohl er nicht viel zu tun hat, strahlt der damals 28-Jährige eine grosse Sicherheit aus und verhilft dem Team – neben dem legendären Wembley-Goal – im Endspiel durch starke Paraden zum Pokal.

Die Stationen in Banks Karriere

FC Chesterfield (1955–1959)
Leicester City (1959–1967)
Stoke City (1967–1972)
St.Patrick's Athletic (1977)
Fort Lauderdale Strikers (1977–1978) 

Auch nach der WM 1970 sorgt Banks immer wieder für Aufsehen. Im Länderspiel 1972 gegen die Nordiren unterläuft ihm gegen den legendären George Best ein Faux-Pas. Der Mittelfeldspieler von Manchester United, stört den Keeper beim Auskick, spitzelt ihm die Kugel vom Fuss und köpft nach gewonnenem Laufduell gegen den überraschten Banks den Ball ins Tor – doch der Treffer wird wegen eines angeblichen Fouls aberkannt. Glück für Banks.

Gorden Banks zieht gegen George Best den Kürzeren, doch das Tor zählt nicht. YouTube/killultagh

Als Banks dank dem 2:1-Erfolg gegen Chelsea 1972 im Wembley auch noch den FA-Cup-Titel gewinnt, fügt er seiner Karriere einen nächsten Höhepunkt hinzu. Doch die Laufbahn des Goalies nimmt danach ein abruptes Ende.

Der Hunde-Halter

Ausgerechnet zu der Zeit, als er als bester Torhüter der Welt gilt, verliert er auf der Rückfahrt von einem Besuch beim Physiotherapeuten die Kontrolle über sein Auto und landet im Strassengraben. Er verliert die Sehkraft im rechten Auge und muss nach einigen Versuchen, weiterhin Tore zu verhindern, zurücktreten.

Banks hält den Penalty gegen West Ham. Seine zweitgrösste Parade im Halbfinal des FA-Cups 1972.
streamable

Banks wurde von 1966 bis 1971 sechs Mal hintereinander als FIFA-Torhüter des Jahres ausgezeichnet. In 73 Partien für England hält er 35 Mal den Kasten dicht und muss nur 57 Tore zulassen. Eine Rekordmarke, der die Engländer noch heute nachtrauern. Nur sein Nachfolger Peter Shilton, der das englische Tor von 1970 bis 1990 hütet, geniesst danach ähnlich grosse Anerkennung wie Banks. Seither schlug sich England immer wieder mit einem Goalie-Problem herum. Bis heute.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die Karriere von Pelé

Unvergessene Fussball-Geschichten aus Grossbritannien

12.02.2011: Wayne Rooneys perfekter Fallrückzieher gegen ManCity lässt sogar Sir Alex schwärmen

09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

14.04.1999: Ryan Giggs schiesst ein Wahnsinns-Tor und entblösst sein Brusthaar. Arsène Wenger hat davon noch immer Alpträume

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

12.05.2013: Der Wahnsinn von Watford: «Ja, Sie haben gerade die dramatischste Schlussminute aller Zeiten gesehen!»

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

26.12.1963: 10 Spiele, 66 Tore – ein Hattrick in dreieinhalb Minuten krönt die unfassbare Torflut am Boxing Day

01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

02.01.1998: Paul Gascoigne erhält Morddrohungen, weil er einen Flötenspieler imitiert

23.12.2006: Paul Scholes zimmert das Leder mit einer Volley-Rakete unter die Latte – und Ferguson fordert danach eine Entschuldigung von Mourinho

14.10.2006: Petr Cech bangt nach einem üblen Zusammenprall um sein Leben und wird danach nie mehr ohne Helm im Tor stehen

13.05.2012: Zu früh gefreut! City schnappt United den Titel im grössten Herzschlag-Finale der englischen Geschichte weg

23.08.2003: Nach dem Traumtor von Blackpools Neil Danns jubelt der Schiedsrichter kräftig mit – oder etwa doch nicht?

25.11.1964: Dank Bill Shanklys Geistesblitz wird aus dem FC Liverpool ein für alle Mal die Reds

28.04.1923: Ein weisses Pferd (das gar nicht weiss war) rettet die chaotische Wembley-Eröffnung – und ist dann angeblich auch noch Schuld am Resultat

04.02.1997: Goalie Peter Schmeichel erzielt ein Fallrückzieher-Tor – aber es endet im Drama

01.01.2007: Schöner als beim Neujahrsspringen fliegen sie nur noch in der Premier League

05.05.1956: «Traut the Kraut» spielt den FA-Cup-Final trotz Genickbruch zu Ende und wird vom Kriegsgefangenen zum besten City-Torhüter aller Zeiten

28.09.2004: «Der Messias kam nach Manchester» – Wayne Rooney skort in seinem ersten Spiel für die United gleich einen Hattrick

16.03.2002: Ein Knochenbrecher-Foul macht aus einem fast gewöhnlichen Fussballspiel die «Battle of Bramall Lane» 

21.04.2001: Die späte Rache des Roy Keane – «Schitzo» begeht das böswilligste Foul der Fussball-Geschichte

22.04.2006: Newcastle-Legende Alan Shearer muss abtreten – ausgerechnet wegen Erzrivale Sunderland

22.12.2007: Arsenal-Bad-Boy Nicklas Bendtner schiesst 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung das schnellste Joker-Tor aller Zeiten

23.03.2009: José «The Special One» Mourinho wird Doktor – und überrascht mit seiner Dankesrede die Fussballwelt

Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt oder der Tag, an dem die Geschichte des Mannes mit den grössten Eiern beginnt

Singen statt streiten – wie dieses magische Lied ein ganzes Stadion vereinte

Als der «Prinz des Dribblings» den allerersten Cupwettbewerb entschied 

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mario le magnifique 07.06.2016 10:55
    Highlight Sie kann schon deshalb nicht die grösste parade aller zeiten sein weil das spiel letztlich doch 0:1 verloren ging, sie also null einfluss auf das resultat hatte.
    0 8 Melden
    • pfüdi 07.06.2016 16:16
      Highlight doch, es wäre 0:2.
      5 0 Melden
  • db13 07.06.2016 10:27
    Highlight Da habe ich aber schon weit unglaublichere Paraden gesehen.
    5 6 Melden

Nach 10 Minuten als Trainer wird Leroy Rosenior schon wieder gefeuert

17. Mai 2007: Als Schweizer Fussballfan ist man sich ja bezüglich Trainerentlassungen einiges gewohnt. Doch was sich beim englischen Fünftligisten Torquay United ereignete, das gab es selbst beim FC Sion noch nie. Dass nämlich ein Trainer unmittelbar nach der Einstellung bereits wieder entlassen wird.

Leroy Rosenior ist in den 80er-Jahren ein passabler Stürmer, der sein Geld in der Heimatstadt London verdient. Fulham, die Queens Park Rangers und West Ham sind seine Arbeitgeber. Ein grosser Star ist er nie. Deshalb muss er, als er Trainer wird, auch durch die Provinz tingeln. Gloucester, Merthyr Tydfil, Torquay, Brentford – es sind keine Adressen mit Weltruhm, an denen Rosenior eine Mannschaft anvertraut wird.

Als im Frühsommer 2007 das Telefon klingelt, ist er deshalb froh über ein neues …

Artikel lesen