Unvergessen
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Roger Federer of Switzerland salutes the crowd, after defeating defending champion Pete Sampras in their men's singles, fourth round match on the Centre Court at Wimbledon, Monday July 2,  2001. Federer won the match 7-6 (9-7), 5-7, 6-4, 6-7 (2-7), 7-5.(AP Photo/Dave Caulkin)

Roger Federers Jubel nach dem Coup gegen Pete Sampras. Bild: AP

03.07.2001: Der 19-jährige Roger Federer beendet die Wimbledon-Ära des grossen Pete Sampras

3. Juli 2001: Pete Sampras ist der König von Wimbledon. Von den letzten acht Austragungen hat er das prestigeträchtigste Grand-Slam-Turnier siebenmal gewonnen. Doch dann trifft er im Achtelfinal auf einen jungen, aufstrebenden Teenager aus der Schweiz.

03.07.16, 00:01


Nein, ein No-Name ist Roger Federer vor seinem Wimbledon-Achtelfinal gegen Pete Sampras längst nicht mehr. In Mailand hatte er im Februar dank einem Finalsieg gegen Julien Boutter seinen ersten Turniersieg gefeiert. Die Experten sind sich sicher: der talentierte, zopftragende Baselbieter mit der starken Vorhand wird bald einmal von Weltranglisten-Position 15 in die Top 10 vorrücken.

«Ich weiss, dass ich das Potenzial habe, Sampras zu schlagen.»

Roger Federer

Doch einen Sieg gegen Pete Sampras auf dem Centre Court in Wimbledon trauen ihm dann doch nur die verwegensten Optimisten zu. Zwar neigt sich die Karriere der langjährigen Weltnummer 1 langsam dem Ende entgegen, doch in Wimbledon ist der bald 30-jährige Amerikaner seit 31 Partien ungeschlagen. Siebenmal hat der auf Platz 6 der Weltrangliste abgerutschte Sampras in den letzten acht Jahren an der Church Road triumphiert.

Roger Federer of Switzerland returns to Pete Sampras during their men's singles, fourth round match on the Centre Court at Wimbledon, Monday July 2,  2001.(AP Photo/Dave Caulkin)

Federer lässt in Wimbledon zum ersten Mal so richtig aufhorchen. Bild: AP

Federer schon vor dem Duell frech

Federer, der auf dem Weg zum Duell mit seinem Jugend-Idol Christoph Rochus, Xavier Malisse und Jonas Björkman ziemlich souverän eliminiert hat, lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Der 19-Jährige strotzt nur so vor Selbstvertrauen. «Ich weiss, dass ich das Potenzial habe, ihn zu schlagen», sagt Federer vor dem Rencontre mit der lebenden Legende frech.

Auch Trainer Peter Lundgren redet seinen Schützling stark. «Er ist im Moment der bessere Spieler als Sampras. Und er hat gute Chancen zu gewinnen.» Das Rezept: «Jede Sekunde konzentriert bleiben.» Ganz anders tönt es bei Sampras, der schon in Runde 2 gegen den Briten Barry Cowan über fünf Sätze muss: «Meine Dominanz in Wimbledon geht einmal zu Ende», prophezeit er schon fast hellseherisch.

Zwei Tage zuvor noch Adduktorenprobleme

Federer, der zwei Tage vor der Partie noch über Adduktorenprobleme geklagt hat, beginnt stark. Wie Sampras ist er auf schnelle Punkte aus und stösst nach seinem Aufschlag stets ohne Umweg ans Netz vor. Mit Erfolg. Federer gewinnt den ersten und den dritten Durchgang, doch der Favorit legt jeweils sofort nach und schafft zweimal den Satzausgleich. Gegen Ende des Entscheidungssatzes überschlagen sich dann die Ereignisse.

Bei 4:4 und eigenem Aufschlag wehrt Federer mit mutigem Serve-and-Volley-Spiel zwei Breakbälle ab. «Wie ich da gespielt habe, kann ich nicht glauben», staunt Federer nach der Partie über seine Nervenstärke. Drei Games später hat dann der Underdog selbst zwei Chancen, die Partie bei 6:5 aus seiner Sicht und Aufschlag Sampras zu beenden. 

Die Highlights der Partie. YouTube/Adil Kalaidji

Ein Return für die Ewigkeit beim Matchball

Um exakt 18.19 Uhr Ortszeit landet der erste Aufschlag des siebenfachen Wimbledon-Champions zum 132. Mal an diesem Tag im Feld, doch Federer erreicht den Ball und passiert mit einem trockenen Vorhandschlag den ans Netz stürmenden Sampras der Linie entlang. Ein Return für die Ewigkeit!

«Dies ist mein grösster Sieg!»

Roger Federer

Federer sinkt nach seinem 7:6 (9:7), 5:7, 6:4, 6:7 (2:7), 7:5-Erfolg auf die Knie, macht ein Rolle, ballt beide Fäuste und schreit seine Freude in den Londoner Abendhimmel hinaus. Nach dem obligaten Shakehands mit Sampras überkommen den Basler dann die Gefühle und einige Tränen tropfen auf den «heiligen» Rasen des Centre Courts. 

Roger Federer of Switzerland falls to his knees, as he defeats defending champion Pete Sampras in their men's singles, fourth round match on the Centre Court at Wimbledon, Monday July 2,  2001. (KEYSTONE/AP Photo/Dave Caulkin)

Federer wird von seinen Gefühlen übermannt. Bild: AP

«Ich habe gewusst, dass Sampras bei Big Points gerne nach aussen serviert», erklärt der überglückliche Federer nach seinem bislang grössten Erfolg. «Wichtig war, dass ich zwei Matchbälle hatte, weshalb ich beim ersten zocken konnte. Ich habe auf aussen spekuliert und einfach draufgehalten.» Die Freude beim Münchensteiner ist nach der Sensation natürlich riesig: «Dies ist mein grösster Sieg», sagt er ohne Umschweife.

Sampras' Fehleinschätzung

Sampras zeigt sich als grosser Verlierer, obwohl ihm zum Heulen zu Mute ist. Gebückt und gebeutelt schlurft er in Badelatschen durch die Katakomben zur Pressekonferenz. «Ich bin total niedergeschlagen», sagt er dort mit leiser Stimme. «Es ist so enttäuschend, wirklich so enttäuschend. Vor allem, weil ich meine Chancen hatte. Aber Roger hat ein unglaublich gutes Match gespielt. Er hat die wichtigen Punkte gemacht und verdient gewonnen.»

«Okay, ich habe verloren. Aber warum sollte ich nicht noch einmal hier gewinnen können?»

Pete Sampras

Doch das Ende ist diese Niederlage für ihn nicht. «Okay, ich habe verloren. Aber warum sollte ich nicht noch einmal hier gewinnen können?», fragt Sampras trotzig. Da kann er ja noch nicht wissen, dass er in Wimbledon nur noch eine Partie gewinnen wird. Im Gegensatz zum Amerikaner weiss die Presse am Tag danach, was es geschlagen hat.

Pete Sampras leaves Wimbledon's Centre Court, Monday July 2, 2001, following his defeat by Roger Federer of Switzerland. Federer, defeated Sampras, the defending champion, 7-6 (9-7), 5-7, 6-4, 6-7 (2-7), 7-5.(AP Photo/Dave Caulkin)

Nach 31 Siegen in Serie wieder verloren: Mit Pete Sampras tritt ein grosser Champion ab.  Bild: AP

«Der König hat seine Krone verloren», titelt der «Daily Telegraph». Die «Times» rät, «diesen Tag ganz dick im Notizbuch anzustreichen, als Tag des Endes der Ära Sampras». Und die «Daily Mail» analysiert: «Erst brach Federer Sampras' Aufschlag und dann seinen Willen.» Doch selbst der sonst so gnadenlose Boulevard verzichtet nach Sampras' Schock-Niederlage auf Hohn und Spott.

Federer kann vom grössten Sieg seiner bisherigen Karriere nicht lange zehren. Im Viertelfinal verliert er gegen den Lokalmatador Tim Henman in einer engen Partie in vier Sätzen. Der Traum vom ersten Wimbledon-Sieg ist geplatzt. Aber nur vorerst. Federer wird das Verpasste später noch nachholen. Sieben Mal wird er den Pokal mit der goldenen Ananas noch in die Höhe stemmen dürfen. Exakt gleich oft wie vor ihm Pete Sampras.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

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