Unvergessen
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Bode Miller, of the United States, slides across the finish line on his way to win an Alpine Ski World cup men's downhill race in Wengen, Switzerland, Saturday, Jan. 13, 2007. (KEYSTONE/AP Photo/Andrea Rustioni)

Sieht so ein Sieger aus? Durchaus! Bild: AP

Bode Miller stürzt am Lauberhorn ins Ziel – und siegt trotzdem

13. Januar 2007: Das schafft wahrscheinlich auch nur Bode Miller. Der Amerikaner gewinnt die Weltcup-Abfahrt von Wengen mit grossem Vorsprung, obwohl er kurz vor der Ziellinie stürzt.

13.01.17, 00:01


Es ist zu warm im Berner Oberland, sechs Grad in der Nacht, und die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch. Also wird die Super-Kombination am Freitag abgesagt und aus Skirennfahrer Bode Miller wird ein Eishockeyspieler. Der Amerikaner vergnügt sich am rennfreien Tag mit anderen Ski-Cracks auf Glatteis.

US ski racer Bode Miller plays ice hockey in Wengen, Switzerland, Friday, Jan. 12, 2007. Overnight rain and warm temperatures forced organizers to scrap the alpine ski World cup Super combined on Friday. (KEYSTONE/AP Photo/Alessandro Trovati)

Miller on ice: Für einmal trägt er Schlitt- statt Skischuhe. Bild: AP

Der Form ist das nicht abträglich, wie sich tags darauf zeigt. Ganz im Gegenteil: Miller, der als einer der Favoriten zur Lauberhorn-Abfahrt antritt, feiert den 25. seiner total 33 Weltcupsiege. Es ist ein ganz spezieller.

Von oben bis unten zeigt Bode Miller auf den rund 4480 Metern vom Start bis ins Ziel eine bärenstarke Leistung. Bei der letzten Zwischenzeit hat er fast eine Sekunde Vorsprung auf den bis dahin schnellsten, den unmittelbar vor ihm gestarteten Italiener Peter Fill.

US ski racer Bode Miller clears the Hundschopf jump during the ski world cup men's downhill on the Lauberhorn, in Wengen, Switzerland, Saturday, January 13, 2007. Miller goes on winning the race. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Miller bezwingt den Hundschopf. Bild: KEYSTONE

Kein Saft mehr in den Beinen

Dann die Schrecksekunde: Miller hebt auf der letzten Kuppe ab, er segelt viel zu lange durch die Luft und landet nicht auf den Ski im Schnee, sondern stürzt in Richtung Ziel. Sollte er sich tatsächlich eine nahezu perfekte Fahrt auf den letzten Metern versaut haben?

Nein! Der stürzende Miller stellt dennoch die klare Bestzeit auf und ist sagenhafte 1,47 Sekunden schneller als Fill. Im Teilabschnitt von der letzten Zwischenzeit bis ins Ziel ist Miller sogar schneller als alle anderen – der Sturz hat ihn nicht gebremst.

US ski racer Bode Miller slides across the finish line on his way to win the ski world cup men's downhill on the Lauberhorn, in Wengen, Switzerland, Saturday, January 13, 2007. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Liegend erreicht Miller das Ziel. Bild: KEYSTONE

Cuche und Büchel heizen ein

Entschieden ist die Abfahrt aber noch nicht. Unmittelbar nach dem Amerikaner nimmt Didier Cuche Anlauf, um seinen sechsten Weltcupsieg zu feiern. Doch er schafft es nicht – wie er es auch bis zum Ende seiner Karriere nie schaffen wird, den Abfahrts-Klassiker am Lauberhorn zu gewinnen. 65 Hundertstel fehlen Cuche auf Miller, schon zum vierten Mal in diesem Winter wird er damit Zweiter.

Millers Puls schnellt wenig später noch einmal in die Höhe, als Marco Büchel unterwegs ist. Der Liechensteiner stellt bei den ersten beiden Zwischenzeiten die Topzeit auf. Doch vom Hundschopf bis ins Ziel verliert Büchel noch mehr als eineinhalb Sekunden. Als Fünfter verpasst er das Podest knapp.

Bode Miller, center, of the United States, winner of the Alpine Ski World cup men's downhill race, celebrates on the podium with second placed Switzerland's Didier Cuche, left, and third placed Italy's Peter Fill, in Wengen, Switzerland, Saturday, Jan. 13, 2007. (KEYSTONE/AP Photo/Andrea Rustioni)

Das Siegertrio: Cuche, Miller und Fill (von links) jubeln. Bild: AP

Die Top Ten am 13.1.2007

1. Bode Miller (USA) 2:28,89
2. Didier Cuche +0,65
3. Peter Fill (Ita) +1,47
4. Ambrosi Hoffmann +1,56
5. Marco Büchel (Lie) +1,61
6. Klaus Kröll (Ö) +1,70
7. Christoph Gruber (Ö) +1,73
8. Aksel Lund Svindal (Nor) +1,86
9. Hermann Maier (Ö) +2,06
10. Pierre-E. Dalcin (Fra) +2,12

Cuche: «Bode ist verrückter!»

Miller erstaunt danach auch in den Interviews. Dort verkündet er, dass der Sturz gewissermassen einkalkuliert gewesen sei. «Ich habe gewusst, dass nach dem Hanneggschuss die Beine brennen, dass du nichts mehr spürst.» Er habe das Rennen deshalb mit dem Kopf gewonnen und weil er «Tonnen von Risiken» eingegangen sei: «Ich habe mich gegen den Sturz gar nicht mehr gewehrt, habe mich einfach über die Zielsprung-Kante fliegen lassen. Wenn ich mich gewehrt hätte, hätte ich in der Luft entweder Vorlage oder Rücklage bekommen. Das wäre gefährlich gewesen.»

Die Gegner schütteln ob solcher Aussagen nur den Kopf. Er hätte im Ziel-S sein Leben riskieren müssen, um Miller noch abzufangen, sagt Cuche: «Bode ist definitiv verrückter! Ich wünsche ihm, dass er bis zum Saisonende gesund bleibt.»

Bescheidene Bild-Qualität: Millers Siegerfahrt. Video: YouTube/alex novak

Kehrt er noch einmal zurück?

Bode Miller zählt zu den erfolgreichsten Skirennfahrern aller Zeiten. Er ist einer von nur fünf Fahrern, die in allen Disziplinen mindestens einen Weltcupsieg feierten – und im Gegensatz zu Pirmin Zurbriggen, Marc Girardelli, Kjetil André Aamodt und Günther Mader der einzige, der in jeder Disziplin mindestens fünf Mal siegte. Das glückte auch keiner der sechs Damen, welche in jeder Disziplin zumindest einmal gewinnen konnten.

Zwei Mal (2005 und 2008) gewinnt Bode Miller den Gesamtweltcup, er wird vier Mal Weltmeister, 2010 Olympiasieger in der Super-Kombination und er holt sechs weitere Medaillen an Grossanlässen. Den bislang letzten Weltcupsieg erringt er im Dezember 2011.

Die Saisons 2014/15 und 2015/16 absolviert er – mit Ausnahme des WM-Super-Gs 2015 – nicht, doch offiziell ist der populäre Skirennfahrer immer noch aktiv. Statt eines Rücktritts halten sich hartnäckige Gerüchte über ein Comeback des mittlerweile 39-Jährigen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

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