Unvergessen
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Mehr Disziplin und Kampfgeist als bei Ivan Lendl geht nicht. Bild: AP

20.12.1994: Der Tennis-Rebell und Anti-Federer Ivan Lendl gibt seinen Rücktritt bekannt

20. Dezember 1994: Ivan Lendl, eine der grössten Tennis-Persönlichkeiten aller Zeiten, tritt zurück. Er hat zwar in Wimbledon nie gewonnen, aber der stilistische Anti-Federer war seiner Zeit auf und neben dem Platz weit voraus.

20.12.15, 00:01

Ivan Lendl ist ein Rebell. Er kehrt dem Ostblock den Rücken und wird schliesslich Amerikaner. Er ist eine «Ballmaschine» und kompensiert fehlende Genialität mit einer unheimlichen Fitness und Präzision im Spiel. 

Er gilt in den 1980er-Jahren als fittester Tennisspieler aller Zeiten. Vom Stil her ist er am ehesten mit Novak Djokovic vergleichbar. Dieses nüchterne Spiel führte 1985 erst zum legendären Titelblatt der «Sports Illustrated» mit der Schlagzeile «The Champion That Nobody Cares About». Doch bald respektierten und verehrten die Amerikaner Ivan Lendl – und sie tun es immer noch. 

Nette Schlagzeile für den gebürtigen Tschechen. Screenshot:  tennisplanet.me 

Zumal Lendl neben dem Tennisplatz bis heute sehr erfolgreich geschäftet. Er war in den 1980er Jahren einer der ersten, die Sport und Business perfekt kombinierten. Sein Vermögen wird auf über 100 Millionen Dollar geschätzt. 

«Natürlich wäre es schön gewesen, aber deswegen habe ich keine Albträume.»

Ivan Lendl über einen möglichen Wimbledon-Triumph. welt.de

Alleine an Preisgeld spielte er 21,262 Millionen Dollar ein – zu einer Zeit als der Dollar noch nicht plusminus einem Franken entspricht. Lendl war zwischendurch sogar Mitbesitzer eines NHL-Teams (Hartford Whalers) und verkaufte seine Anteile erst, als die Whalers 1997 nach Raleigh zügelten und zu den Carolina Hurricans wurden. 

Ivan Lendl stammt aus einer Tennisfamilie

Seine Mutter Olga Lendlova war Spitzenspielerin in der ehemaligen CSSR und sein Vater Jiří Lendl Präsident des tschechoslowakischen Verbandes. 1978 wurde Ivan Lendl Tennis-Profi, bereits 1981 kehrte er seiner sozialistischen Heimat den Rücken und zügelte in die USA

Dort hat er sich 1984 definitiv niedergelassen. Seit dem 7. Juli 1992 ist er US-Bürger. 1989 heiratete Lendl die Amerikanerin Samantha Frankel. Er lebt heute mit seinen fünf Töchtern in Goshen im US-Bundesstaat Connecticuit und betreibt in Florida eine Tennis- und Golf-Akademie. 

Lendl gewann auch schon Legenden-Turniere im Golf. Screenshot: .golfdigest.com 

Alles gewonnen – ausser Wimbledon

So viel Tennis-Respekt wie Ivan Lendl geniesst in den USA höchstens noch Roger Federer. In seiner 17 Jahre dauernden Karriere gewann er insgesamt 94 Turniere, darunter je dreimal das French Open und das US Open sowie zweimal das Australian Open. Nur in Wimbledon, wo er zweimal das Finale erreichte, gewann er nie. Wie sehr ihn dies schmerzt, gibt er nie offen zu: «Natürlich wäre es schön gewesen, aber deswegen habe ich keine Albträume.»

Zusätzlich triumphierte Lendl 1980 mit der Tschechoslowakei im Davis Cup. Nach Roger Federer (302 Wochen) und Pete Sampras (286) hielt er sich am längsten als Nummer 1 der Welt (270). 

Lendl mit seinem Schützling Murray nach dessen Wimbledon-Sieg. Lendl selbst hat es als Spieler nie zur Trophäe gereicht. Bild: Getty Images Europe

Körperliche Probleme zum Abschluss der Karriere

1990 endete für Ivan Lendl die Serie von acht Finalteilnahmen in Folge bei den US Open, bei den Australian Open holte er den achten und letzten Grand-Slam-Titel. Bein Australian Open 1991 erreichte Ivan Lendl schliesslich das letzte Grand-Slam-Finale seiner Karriere und verlor gegen Boris Becker in vier Sätzen. 

 «Ich verliere nicht gern.»

Ivan Lendl. welt.de

Die letzten drei Jahre der Karriere waren geprägt von anhaltenden Rückenproblemen und relativ frühen Niederlagen bei den wichtigen Turnieren. Es war der Preis, den er für seine generöse Spielweise bezahlte. Schliesslich beendet er am 20. Dezember 1994 im Rahmen einer offiziellen Telefon-Medienkonferenz seine Karriere im Alter von 34 Jahren. 

Ivan Lendl hat auch nach seinem Rücktritt als Spieler das Tennis nachhaltig geprägt. Von 2012 bis März 2014 kümmerte er sich als Trainer/Coach um den Briten Andy Murray und half ihm, einer der besten Spieler der Welt zu werden (Olympiasieger 2012, Siege beim US-Open 2012 und 2013 in Wimbledon). 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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