Unvergessen
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Anna Kournikova from Russia prowls through her long fair hair during a practice match at the 10th international WTA tennis tournament in the city of Leipzig, eastern Germany, on Monday, Nov. 1, 1999. The 18-year-old Kournikova will play her first match against Anne Kremer from Luxembourg most likely on Wednesday (Nov. 3, 1999).(AP Photo/Eckehard Schulz)

Anna Kurnikowa: Nicht unbedingt wegen ihren sportlichen Fähigkeiten ist sie auch Jahre nach ihrem Rücktritt noch bekannt.
Bild: AP

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

21. Januar 1999: Anna Kurnikowa ist schon mit 18 Jahren die wohl berühmteste erfolglose Tennisspielerin der Welt. Einen Einzeltitel wird die schöne Russin nie gewinnen, aber dafür stellt sie einen Rekord auf, der schwer zu schlagen ist.



Als Anna Kurnikowa 1995 die Tennis-Bühne betrat, waren russische oder osteuropäische Spielerinnen noch nicht stark vertreten in der Weltelite. Und dann kam da diese 14-jährige Blondine, welche sich in den nächsten Jahren zum Tennisschätzchen entwickeln sollte.

Die Schönheit aus Moskau setzte in den ersten Jahren ihrer Karriere durchaus sportliche Ausrufezeichen: Als 16-Jährige wurde sie 1997 erst von Martina Hingis in den Halbfinals von Wimbledon gestoppt, im gleichen Jahr wird sie die Schweizer Weltnummer 1 aber auch noch besiegen, genauso wie Steffi Graf, eine der ganz grossen Nummern jener Zeit. 1998 schaltet Kurnikowa in Miami der Reihe nach vier Top-10-Spielerinnen aus: Monica Seles, Conchita Martinez, Lindsay Davenport und Arantxa Sanchez Vicario können den Teenager nicht stoppen. Erst im Endspiel gehen ihr gegen Venus Williams in einem Dreisätzer die Kräfte aus.

Anna Kournikova look-alikes clown in the stands before her match with Miho Saeki of Japan at the Australian Open Tennis Championships in Melbourne, Australia, Thursday, January 21, 1999.(AP Photo/Steve Holland)

Insbesondere bei Männern beliebt wie kaum eine Spielerin: Anna Kurnikowa.
Bild: AP

Doch ab Oktober 1998 schlägt sich Kurnikowa, die sich längst in den Top 20 etabliert hat, mit einem ärgerlichen Phänomen herum: Yips. Yips sind plötzliche Muskelzuckungen, wie sie im Tennis und oft auch im Golf vorkommen können. Das Problem liegt auf der Hand: Sie wirft den Ball zum Service hoch, der Muskel zwickt, der Ball landet nicht im Feld. «Service Yips» nennt man das ganz genau.

Aufgrund des Leidens wird Kurnikowa ab Oktober 1998 in zehn Partien unglaubliche 182 Doppelfehler notieren müssen. So kann man eigentlich kein Spiel gewinnen. Den Höhepunkt erreicht Yips beim Australian Open 1999.

Anna Kournikova of Russia in action against Jill Craybas of the United State  in the first round at the Australian Open Tennis Championships in Melbourne, Australia, Tuesday, January 19, 1999.(AP Photo/Steve Holland)

Anna Kurnikowa 1999 im Erstrundenspiel gegen Jill Craybas.
Bild: AP

In der ersten Runde setzt sich die Russin 7:6, 7:5 gegen Jill Craybas durch – trotz 23 Doppelfehlern. Den Tiefpunkt beim Aufschlag erreicht Kurnikowa in der zweiten Runde gegen die Japanerin Miho Saeki. Unglaubliche 31 Doppelfehler unterlaufen ihr. Das sind pro Aufschlagsspiel durchschnittlich rund zwei Doppelfehler. Das noch Unglaublichere: Kurnikowa siegt 1:6, 6:4, 10:8. «Ich bin wirklich frustriert darüber, weil jeder zuguckt. Im Training fühle ich mich gut. Da serviere ich normal, es gibt keine Anzeichen von Doppelfehlern. Aber wenn ich zum Wettkampf komme, passiert irgendwas. Ich muss darüber hinwegkommen und versuchen, das zu bekämpfen, wie ich es heute geschafft habe», so Kurnikowa nach ihrem Rekordspiel.

Tatsächlich kriegt sie dies noch einmal hin: In Runde 3 besiegt die Russin Andrea Glass trotz 14 Doppelfehlern. Im Achtelfinal scheitert Kurniowa schliesslich 0:6, 4:6 an Mary Pierce. Ihre Turnierbilanz: 73 Doppelfehler in vier Partien.

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Die Highlights der Partie gegen Mary Pierce.
YouTube/Murraypova

Kurnikowa verlässt Melbourne trotzdem mit einer Trophäe. Die Russin bildet ein Doppel mit Martina Hingis, gemeinsam gewinnen sie den Titel. Die Schwäche beim Aufschlag macht zum einen Hingis wett, zum anderen spielt Kurnikowa am Netz schlicht genial und ist sehr schnell auf den Beinen.

Anna Kournikova of Russia serves in the first round victory, 7-6(7-1), 7-5, over Jill Craybas of the United States, at the Australian Open Tennis Championships in Melbourne, Australia, Tuesday, January 19, 1999.(AP Photo/Sreve Holland)

Anna Kurnikowa beim Australian Open 1999.
Bild: AP

Experten sehen den «Service Yips» der Tennisspielerin eher als biomechanisches Problem und weniger als eines des Kopfes. Der renommierte Psychologe Dr. Jim Loehr erklärt beispielsweise: »Von Zeit zu Zeit bekommen Leute es mit den Nerven zu tun. Normalerweise sind es dann die schwächsten Schläge, die unter Druck passieren. Und das ist deshalb so, weil die Mechanik so schwach ist, dass sie dir keinen Spielraum gibt, wenn du angespannt bist und dennoch aggressiv spielen möchtest. Die Spieler, die flache Schläge und kaum Spielraum für Fehler haben, machen viele Fehler, wenn sie anfangen, nervös zu werden. Ein Weg, um das zu stoppen, ist, dem Ball mehr Spin zu geben.»

Doubles partners Anna Kournikova, left, of Russia and Martina Hingis of Switzerland hug each other after winning their doubles match against Lisa Raymond of the United States and Rennae Stubbs of Australia, at the Australian Open Tennis Championships in Melbourne, Australia, Wednesday, January 27, 1999. Hingis and Kournikova won the match 6-3, 5-7, 6-4. (AP Photo/Steve Holland)

Ein Küsschen für die Swiss Miss: Kurnikowa und Martina Hingis siegen in der Doppelkonkurrenz.
Bild: AP

Betroffen vom unsäglichen Handicap sind immer wieder Tennisstars. Elena Dementieva leistete sich einmal 29 Dppelfehler, Maria Scharapowa, Victoria Azarenka, Ana Ivanovic, Petra Kvitova und Sabine Lisicki unterlaufen hin und wieder Doppelfehler-Orgien. Bei den Männern leidet Guillermo Coria am Syndrom. 20 Doppelfehler pro Partie notiert er sich schon mal. Er schaffte dabei auch schon vier Doppelfehler in einem Game. Der Argentinier hält den Rekord für Doppelfehler in zwei Sätzen (23). Für ihn läutet «Yips» das Karriereende ein.

Bei Kurnikowa beendet «Yips» die Karriere nicht. Sie wird das Leiden wieder los und serviert bis zum Karriereende 2003 ziemlich normal. Der Rekord von 17 Doppelfehlern in Serie von Maria de Amorim in Wimbledon 1957 bleibt unerreicht.

Einen Einzeltitel wird die Russin aber nie gewinnen, obwohl sie sich jahrelang in den Top 20 bewegt und bis zur Position acht vordringt. An Chancen mangelte es nicht, Kurnikowa stand in einigen Finals. Immerhin feiert sie neben dem Australian Open 1999 im Doppel 15 weitere Titel.

epa01686114 Singer Enrique Iglesias (L) and Anna Kournikova (R) watch Serena Williams of the USA play against her sister, Venus Williams, during their Sony Ericsson Open Tennis match on Key Biscayne, Florida, USA, 02 April 2009.  EPA/ANDREW GOMBERT

Anna Kurnikowa zeigt sich immer wieder beim Tennis. Hier 2009 mit Freund Enrique Iglesias.
Bild: EPA

Vergessen wird man Kurnikowa im Tenniszirkus nie. Noch heute gehört die Athletin zu den bekanntesten (ehemaligen) Spielerinnen ihrer Sportart. Und auch im Poker ist sie prominent vertreten. Dort heisst das eigentlich hervorragende Startblatt Ass/König «Anna Kurnikowa». Das ist nicht den Anfangsbuchstaben zu verdanken, sondern eher dem passenden Spruch: «Sieht gut aus, gewinnt aber selten.» 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die grössten Tennis-Stadien der Welt

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 10.07.2017 21:47
    Highlight Highlight Von der hatte ich ein Poster an der Wand 😘
  • Bruno Wüthrich 22.01.2016 09:07
    Highlight Highlight Wohl mit Abstand die beste Spielerin, die nie einen Titel holte. Rang 8 im WTA-Ranking ohne Titel ist nämlich recht beeindruckend. Gut sieht sie zudem auch noch aus. Obwohl: Gabriela Sabatini hat mir zu dieser Zeit noch besser gefallen.
  • The Firefighter 21.01.2016 20:06
    Highlight Highlight Jaja, die Kurnikowa. Mich hat das damals gar nicht gestört, dass sie keinen Erfolg hatte. Sie ist schlicht und einfach schön anzusehen.
  • Brandroid 21.01.2016 08:15
    Highlight Highlight Hach, Anna 😍😍😍

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