Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swiss teammates Marc Rosset and Martina Hingis celebrate after winning a point during their mixed double match against the German team of Anke Huber and Martin Sinner at the Hopman Cup in Perth, Australia Friday January 5, 1996. Switzerland won the match 6-1 6-3 and the round, ensuring themselves a place in the final against Croatia. (AP Photo/ Mogens Johansen)

Da ist noch alles in Butter: Marc Rosset und Martina Hingis gewinnen den «Halbfinal» gegen Deutschland.  Bild: AP

Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

6. Januar: 1996: Marc Rosset und Martina Hingis sorgen in der Schweiz schon zum Jahresanfang für Begeisterung. Die beiden stürmen ins Endspiel des Hopman-Cups und haben mit vier Matchbällen eine Hand schon an der Trophäe – dann tickt Rosset aus.



«Auf diese Art kann man nur gewinnen, wenn man gegen Marc spielt», witzelte Goran Ivanisevic. Er hatte gut lachen. Kurz zuvor holte er sich mit Partnerin Iva Majoli den Hopman Cup. Oder besser: Marc Rosset schenkte dem kroatischen Duo den Titel und beendete eine Schweizer Traumwoche brutal.

Zuvor hatten Rosset und Hingis in der Schweiz für Begeisterung gesorgt. Beim Hopman Cup – einem Mixedturnier mit je einem Damen- und Herreneinzel sowie einem abschliessenden Doppel – spazierten die beiden nach dem Jahreswechsel mit Siegen gegen Australien (2:1, Mark Philippoussis/Nicole Bradtke), Holland (2:1, Richard Krajicek/Brenda Schultz-McCarthy) und gegen Titelverteidiger Deutschland (Martin Sinner/Anke Huber) ins Endspiel.

Dort wartet Kroatien. Hinigs (WTA 16) – das 15-jährige Wunderkind – zerpflückt im ersten Spiel Iva Maijoli (WTA 9) 6:3, 6:0. Im zweiten Spiel verpasst Marc Rosset in einem hochstehenden und spannenden Duell gegen Goran Ivanisevic 6:7 (6:8), 5:7 die Entscheidung nur knapp. So muss erstmals in der achtjährigen Geschichte des Turniers in einem Final das Doppel entscheiden.

majoli ivanisevic

Iva Maijoli und Goran Ivanisevic lassen sich als Hopman-Cup-Sieger 1996 feiern.

Hingis/Rosset starten gut und holen sich den ersten Satz mit 6:3. Im zweiten Durchgang zieht das Schweizer Duo mit 6:7 (4:7) knapp den Kürzeren. Die 8500 Zuschauer in der ausverkauften Burswood Arena in Perth kommen in den Genuss eines Entscheidungssatzes.

Der fatale Fehlentscheid beim 2. Matchball

Das Duell wiegt hin und her. 5:4 für die Schweiz steht es, als Aufschlagshüne Ivanisevic sich mit einem 0:40 konfrontiert sieht. Doch das kroatische Duo wehrt alle drei Break- und Matchbälle ab. Beim zweiten hilft allerdings die Schiedsrichterin. Sie sieht den Stoppball Ivanicsevics nicht im Aus und lässt weiterspielen – ein Fehlentscheid, den danach selbst der Kroate zugibt.

Die Emotionen kochen bei den Schweizern. Insbesondere Rosset, der als Heisssporn bekannt ist, aber bei diesem Turnier bisher mit sonnigem Gemüt auftrat. Als Hingis/Rosset auch den vierten Matchball vergeben, donnert der Romand seine Faust gegen eine Werbebande. Er wird die Aktion schnell bereuen.

Nach dem 5:5 der Kroaten und einer Pflege für Rosset geht es (vorerst) weiter. Hingis serviert und die Schweiz führt 30:0. Doch dann lässt Rosset bei einem Volley den Schläger fallen – es geht einfach nicht mehr. Er muss aufgeben. Die Dummheit des Jahres ist schon am 6. Januar für Rosset reserviert. Kroatien holt den Titel. Der Schweiz bleibt der kleine Trost, dass 1992 Jakob Hlasek und Manuela Maleeva-Fragniere das Turnier schon einmal gewinnen konnten.

Hingis übersteht die Siegerehrung und die Pressekonferenz, wo sie ihren Partner gar noch verteidigt, tapfer. Danach bricht die Teenagerin aber in den Armen von Mutter Melanie Molitor in Tränen aus. 

Rosset muss zur Untersuchung ins Spital, wo ein Haarriss im kleinen Finger der rechten Hand festgestellt wird. Er verpasst nicht nur die Siegprämie von 150'000 Dollar, sondern auch das Turnier in Sydney und die Australian Open

Marc Rosset and Martina Hingis of Switzerland and celebrate after winning a point during their match against Adrian Voinea and Irena Spirlea of Romania at the Hopman Cup international team competition in Perth Australia Monday 30 December 1996. Rosset and Hingis went on the win the match 3-6, 7-5, 6-3. In winning the doubles match the Swiss pair ensured victory after Martina Hingis won her singles match against Irena Spirlea and Marc Rosset  lost to Adrian Voinea on forfeit. (AP Photo Mogens Johansen)

Marc Rosset und Martina Hingis versuchen es beim Hopman Cup 1997 nochmals. Sie scheiden als Gruppenzweite in der Vorrunde aus. Bild: AP

Das nächste Drama beim zweiten Versuch

Die Entschuldigung des Schlaks nützt in dem Moment auch nichts mehr: «Ich weiss, dass ich das nicht hätte tun sollen», sagt Rosset. «Ich kann nicht erklären, wie leid es mir tut, aber manchmal hat man sich selbst nicht unter Kontrolle.» Trotzdem tritt das Duo im Jahr darauf nochmals gemeinsam an. Es scheitert als Gruppenzweiter in der Vorrunde.

Dieses Mal muss Rosset beim entscheidenden Doppel gegen Südafrika wegen Rückenschmerzen Forfait erklären. Er stolperte zuvor im Einzel gegen Wayne Ferreira – als er einen aussichtslosen Ball erreichen wollte – über ein Ballmädchen und musste bei einer 6:0, 2:1-Führung aufgeben.

Mit dem Hingis-Clan verscherzt es sich der Romand damit total. «Der Junge muss sich langsam fragen, ob er nicht in spezielle Behandlung gehört!», wetterte Melanie Molitor danach. Und Töchterchen Martina schob nach: «Ich kann und werde nicht mehr mit Marc spielen. Er hat sich unmöglich verhalten.» Hingis gewinnt den Hopman Cup 2001 doch noch. Ihr Partner: Roger Federer.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die grössten Schweizer Tennis-Erfolge

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link to Article

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link to Article

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link to Article

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

Link to Article

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

Link to Article

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

Link to Article

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

Link to Article

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

Link to Article

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

Link to Article

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

Link to Article

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

Link to Article

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

Link to Article

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

Link to Article

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

Link to Article

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

Link to Article

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link to Article

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

Link to Article

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

Link to Article

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link to Article

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

Link to Article

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

Link to Article

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

Link to Article

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

Link to Article

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

Link to Article

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jol Bear 06.01.2018 00:33
    Highlight Highlight Trotz oder auch wegen solche Aktionen, Marc Rosset war einfach immer irgendwie "ä geile Siech".
    • the_hoff 06.01.2018 08:13
      Highlight Highlight Da bin ich genau deiner meinung. Solche Typen machen für mich den Sport aus. Nichts gegen Federer, er ist der grösste aller zeiten, aber mir ist er einfach zu langweilig zu perfekt.
    • Karl Bukowski 07.01.2018 11:12
      Highlight Highlight wenn ich Psychos sehen will, schaue ich "One Flew Over The Cuckoo’s Nest"

Nach den Olympischen Spielen in Sydney entfacht die grosse Liebe zwischen Roger und Mirka

1. Oktober 2000: Mit der Schlussfeier werden die Olympischen Spiele in Sydney beendet. Die Schweiz freut sich über neun Medaillen und weiss damals noch nicht, dass sich im fernen Australien ein Tennis-Traumpaar gefunden hat.

«Ich rollte mich in einer Ecke zusammen und weinte lange», erinnert sich Roger Federer in der «L'Equipe» an den verlorenen Olympia-Halbfinal 2000 gegen Tommy Haas. Der Final und eine sichere Medaille sind weg – und auch aus Bronze wird nichts. Gegen den Franzosen Arnaud de Pasquale wirft er mehrmals im Frust das Racket auf den Boden, er verliert in drei Sätzen.

Und dennoch ist der Tag der grossen Niederlage einer, den Federer für den Rest seines Lebens nie mehr vergessen und in positiver …

Artikel lesen
Link to Article