Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Zaugg spritzt mit Champagner: In Lecco feiert er den Sieg seines Lebens. Bild: AP

Gewinn der Lombardei-Rundfahrt

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

15. Oktober 2011: Der Zürcher Oberländer Oliver Zaugg gewinnt vorher und nachher kein einziges Profirennen. Doch mit dem Sieg an der prestigeträchtigen Lombardei-Rundfahrt katapultiert er sich zumindest für einen Augenblick in die Reihe der grossen Schweizer Velorennfahrer.

15.10.14, 00:01 15.10.14, 09:33

2844 Tage, rechnet die NZZ vor, ist Oliver Zaugg schon Radprofi, als er erstmals ein Rennen gewinnt. 30-jährig ist er da schon und wie er selber zugibt, hat er manchmal selber nicht mehr daran geglaubt, tatsächlich einmal siegen zu können.

Aber an einem sonnigen Samstag im Herbst 2011 ist dieser Tag gekommen. Zaugg spürt, dass er in guter Form ist – wie so oft, wenn sich die Rennsaison ihrem Ende entgegen neigt. Die Spanien-Rundfahrt muss er zwar wegen einer Magenverstimmung aufgeben, doch an drei kleineren Eintagesrennen in Italien fährt er stark. So stark, dass ihn sein Team Leopard-Trek als Co-Leader in die Lombardei-Rundfahrt schickt.

Die letzten zehn Kilometer der Lombardei-Rundfahrt 2011. Video: Youtube/plateaudebechini

Die seltene Chance, auf eigene Rechnung fahren zu dürfen

Oliver Zaugg und Jacob Fuglsang sind die Trümpfe der Mannschaft. Der Däne verpufft seine Kräfte, als er bei einer frühen Attacke von Vincenzo Nibali mitgeht. Deshalb muss Zaugg in der Schlussphase auf niemanden Rücksicht nehmen, darf im «Rennen der fallenden Blätter» auf eigene Rechnung fahren. Eine Ausgangslage, die er kaum mehr kennt. Denn Zaugg ist kein Siegfahrer, sondern ein Helfer, der mit seinen bloss 57 Kilogramm besonders am Berg wertvolle Dienste für seine Captains leistet.

Weil er um seine gute Verfassung weiss, hat sich der im Tessin wohnhafte Zürcher Oberländer akribisch auf die 105. Lombardei-Rundfahrt vorbereitet. Nach der Besichtigung des Schlussteils der Strecke am Tag vor dem Rennen nimmt er sich vor, in der letzten Steigung anzugreifen und zwar an der steilsten Passage.

Zaugg ballt die Faust, während hinten die Gegner um Rang 2 sprinten. Bild: AP

20 Sekunden Vorsprung, aber keinen Funkkontakt mehr

Die Hoffnung erfüllt sich, dass an dieser Stelle, rund zehn Kilometer vor dem Ziel, noch keine Entscheidung gefallen ist. Zaugg nimmt den Aufstieg nach Villa Vergano in einer rund 20 Fahrer umfassenden Spitzengruppe mit fast allen Favoriten in Angriff. Und dort, wo er es sich vor dem Start vorgenommen hat, attackiert er. «Schon während der ganzen Woche hatte ich diesen Angriff im Kopf. Jetzt musste ich ihn nur noch ausführen», schildert er nach dem Sieg.

Auf der Passhöhe hat er 20 Sekunden Vorsprung auf seine Verfolger – aber keinen Funkkontakt mehr zum Teamfahrzeug. Die Batterien seines Empfängers haben den Geist aufgegeben. Zaugg fehlen Informationen über seinen Vorsprung: «Ich konnte nur Vollgas geben und hoffen, dass mich die anderen nicht einholen.»

Die schöne Belohnung nach 241 Kilometern von Mailand nach Lecco. Bild: AP

Die Schweizer Sieger der Lombardei-Rundfahrt

1989 Tony Rominger
1992 Tony Rominger
1993 Pascal Richard
1998 Oscar Camenzind
2011 Oliver Zaugg​

«Es war mein Tag. Endlich!»

Nach einer Abfahrt und den letzten, flachen Kilometern ist es geschafft. Acht Sekunden seines Vorsprungs rettet Zaugg ins Ziel. Endlich, nach 2844 Tagen als Radprofi, darf er auf der Ziellinie die Arme in die Höhe strecken und einen Sieg bejubeln. «Es war mein Tag. Endlich, nachdem ich schon ein paar Mal nahe dran war und es doch nie klappen wollte», freut sich damals der 30-Jährige.

Der Triumph bei einem der fünf Monumente des Radsports bleibt bis zum heutigen Tag der einzige Profierfolg von Oliver Zaugg. Vor wenigen Wochen kommt beinahe ein zweiter hinzu: In der 14. Etappe der Vuelta stürmt er in einem äusserst steilen Schlussaufstieg allen davon und sieht wie der sichere Solosieger aus, ehe ihn der Kanadier Ryder Hesjedal 200 Meter vor dem Zielstrich doch noch abfängt. Nicht immer geht ein Plan so auf wie jener Oliver Zauggs am 15. Oktober 2011.

Die Siegertrophäe ist eine Kandidatin für unsere Story zu den kuriosesten Pokalen der Welt. Bild: AP

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

12. Januar 1980: Vitas Gerulaitis schafft das, was er zuvor nie schaffte: Er bezwingt Jimmy Connors. Warum es im 17. Mal endlich klappte, ist für den Tennis-Playboy so einfach wie logisch. Und seine Erklärung bleibt ein Satz für die Ewigkeit.

Vitas Gerulaitis ist vielen watson-Usern vielleicht kein Begriff. Darum hier eine Kurzbiografie: Geboren am 26. Juli 1954 in Brooklyn, New York als Sohn litauischer Einwanderer. Er bezeichnet sich «durch und durch» als Amerikaner. In der Tenniswelt gehört der Mann mit der blonden Mähne in den 1970er-Jahren zur Crème de la Crème. 25 Trophäen stehen in seiner Vitrine, darunter der Titel des Australian Open 1977. Beim French Open und dem US Open erreicht er je einmal das Endspiel, in …

Artikel lesen