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Wouter Weylandt

Blumen an der Unfallstelle am Tag danach. Bild: Keystone

Wouter Weylandt stirbt nach Sturz

09.05.2011: Er sollte den Giro gar nicht fahren, äussert per SMS seine Bedenken und verliert danach tragisch sein Leben

9. Mai 2011: Wouter Weylandt (26) war für den Giro d'Italia gar nicht vorgesehen, doch aus taktischen Gründen startete der Velo-Profi trotzdem. In der dritten Etappe stürzt der Belgier schwer und erliegt seinen Verletzungen.

09.05.14, 00:23 09.05.14, 12:37

Das renommierteste Velorennen der Welt nach der Tour de France, der Giro d'Italia, muss einen herben Dämpfer hinnehmen. Rund 25 Kilometer vor dem Ziel der dritten Etappe stürzt der Belgier Wouter Weylandt bei der Abfahrt vom Passa del Bocco und wird dabei 20 Meter durch die Luft geschleudert.

Der 26-Jährige schlägt derart fest am Boden auf, dass er sich den Schädel bricht. Trotz sofortiger ärztlicher Versorgung und 40-minütigem Reanimations-Versuchs stirbt der Teamkollege von Fabian Cancellara aus dem neu gegründeten Leopard-Trek-Team noch an der Unfallstelle. Weylandt hinterlässt eine schwangere Freundin.

Die Ärzte behandeln den gestürzten Wouter Weylandt direkt am Unfallort, doch jede Hilfe kam zu spät. Bild: EPA

Dunkle Vorahnung

«Der Giro war nicht in meinem Programm, sondern als einzige grosse Rundfahrt die Vuelta in Spanien.»

Wouter Weylandt

Es ist ein Tod, dessen Vorgeschichte bedauerlicherweise kein Hollywood-Produzent besser gestalten könnte. Zunächst war es gar nicht vorgesehen, dass Wouter Weylandt am Giro d'Italia teilnimmt. In einem Interview mit dem belgischen Internetportal huma.be sagte er vor der Rundfahrt: «Der Giro war nicht in meinem Programm, sondern als einzige grosse Rundfahrt die Vuelta in Spanien. Aber das Team wollte mit Daniele Bennati auf Sprintsiege gehen, ich sollte die Lokomotive sein. Nach Bennatis Verletzung werde ich jetzt wohl in Ausreissergruppen mitgehen.»

Während des Giros hat Weylandt seine Bedenken. In einem SMS schreibt er gemäss der belgischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws seinem Manager, das Rennen sei sehr gefährlich und nervös: «Das bereitet mir Sorgen».

Weylandt im Einsatz, drei Monate vor seinem Unfalltod. Bild: EPA

Vor dem Giro freute er sich besonders auf das bevorstehende Teamzeitfahren zum Auftakt der Rundfahrt. Es sollte vor seinem tragischen Unfall der letzte Team-Event seiner Karriere sein.

Weylandts letzter Tweet: «Lange Teampräsentation heute. Morgen der richtige Start mit dem Teamzeitfahren! Die Lungen und Beine werden ab Tag 1 getestet. Der Start von 3496 km.»

Wouter Weylandt (ganz rechts) während dem Zeitfahren mit seinem Team Leopard Trek, zwei Tage vor dem tödlichen Sturz. Bild: AP

Rückzug der Teamkollegen und Gedenkfahrt

Die Anteilnahme an Weylandts Tod ist riesig. Dass der Spanier Angel Vicioso die Etappe nach 173 km gewann und der Brite David Millar von seinem Landsmann Mark Cavendish das Leadertrikot übernahm, wird zur unwichtigen Nebensache.

Die vierte Etappe wird von Fahrern und Organisatoren zu einer Gedenkfahrt neutralisiert. Geschlossen und jeweils zehn Kilometer von einem anderen Team angeführt, fährt das Feld in Richtung Livorno. Als erste überqueren die Teamkollegen Weylandts die Ziellinie, gemeinsam mit dessen bestem Freund Tyler Farrar aus der Garmin-Equipe.

Das Team Leopard und Tyler Farrar (dritter von rechts) überqueren Arm in Arm die Ziellinie der Gedenkfahrt. Bild: AP PRESL

Das Team und Farrar beschliessen danach, sich vom Giro d'Italia zurückzuziehen, um den Verlust zu verdauen. Für Farrar war Weylandt «wie ein Bruder für mich».

Am Abend des 9. Mais treffen auch die schwangere Verlobte, Anne Sophie, und der Vater des verstorbenen Rad-Profis in Lavagna ein. Zusammen mit einigen Teammitgliedern legen die Beteiligten Blumen und Kerzen nieder. Weylandts Leichnam wird in die Heimat nach Belgien gebracht, wo Familie und Kollegen Abschied nehmen vom 26-Jährigen.

Knapp vier Monate nach dem Tod kommt das gemeinsame Kind mit Anne Sophie zur Welt. Wouter Weyland durfte seine Tochter Alizée nie kennenlernen.

Die Verlobte Anne Sophie trauert um ihren verstorbenen Lebensgefährten. Bild: EPA

An der Beerdigung in Belgien nimmt auch der Schweizer Rad-Profi Fabian Cancellara (links) teil, sowie Kollege Frank Schleck. Bild: AP



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