Unvergessen
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Marco Pantani of Italy, right, climbs ahead of overall leader Jan Ullrich of Germany on his way to win the 13th stage of the Tour de France cycling race between Saint-Etienne, central France, and l'Alpe d'Huez in the French Alps Saturday July 19, 1997. (AP Photo/Patrick Kovarik,POOL)

Pantani (rechts) im Kampf gegen Jan Ullrich. Bild: AP AFP

Marco Pantanis grosser Tag

19.07.1997: «Der Pirat» spurtet an der Alpe d'Huez zu einem neuen Rekord – und fällt wegen Doping-Missbrauchs ins Elend

19. Juli 1997: Der italienische Publikumsliebling Marco Pantani ist bei den Bergetappen der Überflieger des Radsports. An der Alpe d'Huez zieht er allen davon und stellt eine neue Bestzeit auf. Nach positiver Dopingkontrolle findet seine Karriere jedoch ein jähes Ende.

Kaum steigt die Strasse an, gibt es für ihn kein Halten mehr. Marco Pantani, der mit einer Grösse von 1,72 Meter und 52 Kilogramm die perfekten körperlichen Voraussetzungen besitzt, ist in den 90er-Jahren der unumstrittene Bergspezialist im Kreise der Velofahrer und strebt an der Tour de France nach ersten Achtungserfolgen 1997 seinen ersten Gesamtsieg an einer grossen Rundfahrt an.

Former yellow jersey Jan Ullrich of Germany, right, trails new overall leader Marco Pantani of Italy during the 16th stage of the Tour de France cycling race between Vizille and Albertville in the French Alps in this July 28, 1998 photo. According to media reports, Pantani has been found dead in Rimini, Italy, Saturday, Feb 14, 2004.  (AP Photo/Peter Dejong)

Ullrich verpasst 1998 seinen zweiten Tour-Sieg, Pantani ist am Berg einfach zu stark. Bild: AP

Alpe d'Huez in Rekordzeit bewältigt

«Pirat» wird der Italiener liebevoll genannt. Abgeleitet von seinem Kopftuch, das er auf seinem kahlen Schädel zum Schutz vor der Sonne immer trägt und jeweils vor dem entscheidenden Angriff theatralisch vom Kopf reisst. Eine Helmpflicht gibt es damals noch nicht.

An diesem denkwürdigen 19. Juli 1997, unter der Hitze der französischen Sonne, zeigt Pantani erneut, wer der Chef auf dem Berg ist und lässt keine Zweifel aufkommen, wer die Königsetappe mit dem bedeutendsten Anstieg des Velozirkus, den 21 Kehren von Le Bourg-d'Oisans auf die Alpe d'Huez, gewinnen wird.

L'Alpe d'Huez

Ihre Bedeutung für den Radsport verdankt L'Alpe d'Huez ihrem Anstieg. Wegen der Schwere dieses Anstiegs und aufgrund der Tatsache, dass sich dort mit wenigen Ausnahmen die ganz Grossen des Radsports durch ihre Siege verewigt haben, hat ein Etappensieg in L’Alpe d’Huez eine besondere Bedeutung sowohl für die Fahrer als auch für die Zuschauer. Deshalb ist in der Berichterstattung auch oftmals vom «Mythos L’Alpe d’Huez» oder vom «mythischen Berg» die Rede.

Quelle: Wikipedia

Trocken wie immer tritt «Elefantino», wie man ihm wegen seinen abstehenden Ohren sagt, in die Pedale – und zieht mit einem Spurt in beachtlicher Manier allen davon. Der Gesamtführende Jan Ullrich sieht gerade noch Pantanis gelbes Velo davonziehen, da ist es auch schon weg. Unbestechlich spurtet der 27-Jährige Richtung Tagessieg – sein zweiter an der Alpe d'Huez.

Und der erste von zwei Etappensiegen der Tour '97 nimmt historischen Wert an. Der Italiener braucht für den Anstieg nur 37 Minuten und 35 Sekunden, was bis heute Rekordzeit ist. Seine Bestzeit aus dem Jahr 1994 pulverisiert er um 25 Sekunden. Die Tour beendet Pantani schliesslich auf Platz 3, hinter dem Deutschen Ullrich und dem Franzosen Richard Virenque. Noch ahnt niemand, dass er mit EPO vollgepumpt ist. Das kann ihm erst 2013 endgültig nachgewiesen werden.

Von Verletzungen zurückgeworfen

Die Rekord-Fahrt ist trotzdem beeindruckend, den heimischen Giro d'Italia muss Pantani im Frühling nämlich verletzungsbedingt aufgeben. In der ersten Etappe überquerte eine weisse Katze die Strasse, wobei Pantani stürzte und verletzt ausschied. Knapp zwei Monate später die grosse Machtdemonstration auf der Alpe d'Huez – er wird zur lebenden Legende.

Bei seinem Sturz im Giro brach eine Verletzung, welche er sich 1995 zugezogen hatte, wieder auf. Damals preschte der aufstrebende Jungstar haarscharf an seinem Karriereende vorbei. Im Schlussteil des Strassenrennens Mailand – Turin prallte er mit Tempo 80 in einen entgegenkommenden Jeep und zog sich schwere Beinverletzungen zu. All dies, nachdem ihn im gleichen Jahr bereits im Training für den Giro ein Auto angefahren hatte – Rückschläge, welche den introvertierten Kämpfer nur stärker machten.

Der Absturz einer Legende

Doch der Sturz 1995 bereitete dem Bergspezialisten noch eine weitere Unannehmlichkeit, welche seinem Status als Publikumsliebling in die Quere kam. Beim Bluttest im Spital wurde zum ersten Mal ein Hämatokritwert von über 60 Prozent gemessen, was fünf Jahre später eine Sperre zur Folge hat. Während die Fans immer zu ihrem Liebling aufschauen, interessiert sich die Justiz nur noch für den Doping-Sünder.

A photo dated 30 May 2002 showing Italian cyclist Marco Pantani, who was found dead in a room of

Pantanis Karriere neigt sich dem Ende zu. Bild: EPA ANSA

Am 5. Juni 1999 folgt der endgültige «Todesstoss». In Madonna di Campiglio wird Pantani im Vorfeld des Giros einer unangekündigten Dopingprobe unterstellt. Tatsächlich wird ihm erneut ein zu hoher Hämatokritwert nachgewiesen, was aber lediglich einen Ausschluss von zwei Wochen mit sich tragen würde.

Doch für den Piraten, der später auch Kunde von Dopingarzt Eufemiano Fuentes ist, kracht eine Welt zusammen. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, droht alles in sich zusammen zu fallen. Ein Jahr, nachdem er als erst zweiter Italiener und bisher letzter Fahrer im selben Jahr den Giro und die Tour gewinnen konnte.

«Den Piraten gibt es nicht mehr.»

Marco Pantani

So rasant Pantani bergauf spurtete, so schnell fällt der Gefeierte bergab. Und wie auf der Rennstrecke kann ihn auch da niemand aufhalten. Obwohl er im fast vollständig gedopten Fahrerfeld noch immer zu den besten gehört, verfällt der Held der Öffentlichkeit im Kampf gegen die Justiz zu einem psychischen Wrack. «Den Piraten gibt es nicht mehr», sagt er bei einem seiner letzten Auftritte. 

Kokain-Überdosis führt zum tragischen Tod

Nach dem letzten Aufbäumen im Jahr 2003 startet Pantani ein weiteres Mal am Giro d'Italia. Doch kurz nach seinem Sturz und der Nicht-Einladung an die Tour de France wird bekannt, dass sich Pantani zur Behandlung von Depressionen in einer Nervenklinik aufhält.

Relatives mourn next to the coffin of Italian cyclist and former Tour de France and Giro d'Italia race winner Marco Pantani, inside the San Giacomo church in Cesenatico, northern Italy, Tuesday, Feb.17, 2004. Pantani was found dead in a residence in Rimini, northern Italy, Saturday, Feb.14, 2004. On the left the Mother Tonina and the father Paolo. (AP Photo/Luca Bruno)

Angehörige trauern um den 2004 verstorbenen Pantani. Bild: AP

Der gefallene König der Berge zieht sich immer mehr zurück, lässt seine Freunde und Familie links liegen, trägt sogar das Handy nicht mehr mit sich rum. Am 14. Februar 2004 wird Pantani dann tot in seinem Hotelzimmer in Rimini aufgefunden. Nicht wie zuerst befürchtet Selbstmord, sondern eine Überdosis an Kokain beendet die Karriere von Marco Pantani.

Zehn Jahre nach seinem Tod steht Pantani wie kein anderer für eine vergiftete Generation des Radsports. Der begnadete Bergfahrer erzielte seine Resultate in jenen Jahren, als Doping seinen Höhepunkt erreichte. Im Gegensatz zu Lance Armstrong, dem seine sieben Tour-Siege aberkannt wurden, ist Pantanis grösster Erfolg noch heute in den Geschichtsbüchern vertreten.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 



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