Unvergessen

Die glorreichen Neun vom Paterschkofel mit Sieger Hermann Maier in der hinteren Reihe ganz links. Bild: ORF

21.12.1998: Nie passt der Fan-Song «Immer wieder Österreich» besser als beim Ösi-Neunfachsieg

21. Dezember 1998: Dass Hermann Maier den Super-G von Innsbruck gewinnt, ist nun wirklich keine Sensation. Dass er aber vor acht anderen Österreichern triumphiert, ist historisch. Der Neunfachsieg ist bis heute einzigartig.

21.12.15, 00:01

Lasse Paulsen darf stolz sein. An diesem Tag ist der 24-jährige Norweger der beste Nicht-Österreicher im Super-G von Innsbruck. Bloss interessiert das am Patscherkofel niemanden. Denn Paulsen wird Zehnter oder in anderen Worten: Österreich feiert einen Neunfachsieg.

«Es war kurz vor Weihnachten und die meisten hatten schon beim Frühstück im Kopf, wann ihre Heimflüge gehen», erzählt ÖSV-Alpinchef Hans Pum Jahre später. Dazu wird der Rennstart wegen Nebels mehrmals verschoben, bis es gegen 14 Uhr doch noch los geht. «Vielleicht waren die Gegner mit den Gedanken nicht mehr so bei der Sache», mutmasst Pum, «aber für uns war es trotzdem ein wichtiges Rennen, denn es war ein Heimrennen und wir hatten eine starke Mannschaft.»

«Ja, da woar i hoalt bisserl überlegn.»

Hermann Maier zehn Jahre nach dem Sieg über sein Rennen.

Die Statistik belegt diese Aussage: Zwischen März 1997 und März 2000 gewinnt das «Austria Power Team» sagenhafte 21 Super-G in Folge. «Wir haben uns gegenseitig nach oben getrieben und keiner wollte nachgeben», erklärt Hans Knauss die damalige Erfolgswelle und Fritz Strobl ergänzt: «Wir hatten so viele guten Athleten, zum Teil konnten wir gar nicht blöd genug tun, einer war trotzdem immer vorn.»

Ein ORF-Beitrag zehn Jahre nach dem Neunfachsieg. Hermann Maier erinnert sich: «Ja, da woar i hoalt bisserl überlegn.» Video: Youtube/CapSmoker

Eberharter erst sauer – aber jetzt «einer von denen, die Geschichte geschrieben haben»

In Innsbruck gewinnt Hermann Maier den Super-G hochüberlegen mit 76 Hundertstelsekunden Vorsprung und mehr. Hinter dem «Herminator» geht es eng zu und her: Den Zweitplatzierten Christian Mayer und Werner Franz auf Rang 9 trennen bloss zwei Zehntelsekunden. Zwischen ihnen klassieren sich Fritz Strobl, Stephan Eberharter, Rainer Salzgeber, Hans Knauss, Patrick Wirth und Andreas Schifferer.

«Achter ist nicht schlecht. Aber achtbester Österreicher …»

Andreas Schifferer

«Für mich hat es sicher grössere Siege und emotionalere Rennen gegeben», gesteht Maier im Rückblick. «Aber neun Mann vorn wird es wohl nie mehr geben. Und ich kann von mir behaupten, dieses Rennen gewonnen zu haben.» Paradox: Der Neunfachsieg wird nur zurückhaltend gefeiert: «Ich war sauer, immerhin waren drei vor mir und es zählt doch nur der Sieg», erinnert sich Stephan Eberharter. «Aber jetzt? Ich bin einer von denen, die Geschichte geschrieben haben.»

Österreicher, soweit man blickt

Rangliste: Fis

«Scheisse, es interessiert eigentlich keinen Mensch mehr …»

Bis das historische Foto der glorreichen Neun geschossen wird, ziehen zehn Jahre ins Land. Denn Fritz Strobl, der später als Sänger den Après-Ski-Hit «Genie auf die Ski» landet, rast erst mit der Nummer 45 aufs Podest – da ist das Bild des vermeintlich historischen Achtfachsiegs bereits im Kasten. Und als Strobl im Ziel ist, fehlt Werner Franz, weil er kränkelt und bereits abgereist ist.

«Immer wieder Österreich», bekannt aus dem Fussball, aber gerne auch von Ski-Fans intoniert. Video: Youtube/kulturblogger

«Was denkt man sich als Österreicher, wenn man mit der Startnummer 45 ins Rennen geht und acht Österreicher vorne liegen?», fragt Strobl am zehnten Jahrestag und antwortet gleich selber, was ihm damals im Starthaus durch den Kopf geht: «‹Scheisse, es interessiert eigentlich keinen Mensch mehr, ob ich noch fahre oder nicht, denn einen Achtfachsieg, das wird es nie mehr geben.› Aber mein Trainer Robert Trenkwalder hat mich motiviert und so bin ich Dritter geworden.»

Der Schweizer Dank an die norwegischen «Ski-Zwillinge»

«Alle Neune», wie beim Kegeln. Österreich jubelt und stürzt den Rest der Welt kurz vor Weihnachten in ein Jammertal. Die Schweizer – ihr Bester in Innsbruck ist Paul Accola als 16. – erholen sich nicht und holen an der WM in Vail wenige Wochen später nur zwei Bronze-Medaillen durch Steve Locher im Riesenslalom und Accola in der Kombination.

Die Schweizer Fans bedanken sich in jenen Tagen beim norwegischen Super-Duo Lasse Kjus und Kjetil André Aamodt. Ohne die beiden «Ski-Zwillinge» hätten die Erzrivalen aus Österreich in Vail sowohl in der Abfahrt wie auch im Super-G alle drei Medaillen gewonnen.

Gemeinsam Weltmeister: Hermann Maier (links) und Lasse Kjus holen zeitgleich Gold im Super-G. Bild: AP

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Alles Käse oder was? Die Swiss-Ski-Anzüge im Wandel der Zeit

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 21.12.2015 13:57
    Highlight gar nicht gewusst, dass rainer m. salzgeber vor seiner karriere bei srf npch skirennen gefahren ist...
    0 3 Melden

Feuz fährt in Beaver Creek aufs Podest – nur Svindal ist schneller

Beat Feuz kann in Beaver Creek nicht nachdoppeln. Nach seinem Sieg zum Auftakt in Lake Louise wird er in der zweiten Abfahrt des Winters hinter Aksel Lund Svindal Zweiter.

Beat Feuz muss sich nach dem Sieg in Lake Louise in der zweiten Abfahrt des Olympia-Winters mit Rang 2 begnügen. Der Weltmeister wird um 15 Hundertstel vom Norweger Aksel Svindal geschlagen. Feuz handelte sich auf der «Birds of Prey» im oberen Teil auf einem Flachstück einen grossen Rückstand ein, den er bis ins Ziel nicht mehr wettmachen konnte.

Für Svindal ist es der 33. Sieg im Weltcup, der erste seit seinem schweren Sturz im Januar 2016 in Kitzbühel. In Beaver Creek realisiert der Norweger …

Artikel lesen