Unvergessen
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Am Ziel seiner Träume: Pirmin Zurbriggen. Bild: EPA DPA

Pirmin Zurbriggen krönt seine Karriere mit dem Abfahrts-Olympiasieg in Calgary

15. Februar 1988: Die Schweiz feiert im wichtigsten Bewerb der Olympischen Spiele einen glorreichen Doppelsieg. Pirmin Zurbriggen wird in Calgary vor seinem ewigen Rivalen Peter Müller Abfahrts-Olympiasieger.

15.02.18, 00:01 15.02.18, 06:23

Mitte und Ende der 80er-Jahre ist Pirmin Zurbriggen der überragende Skifahrer. An den WM 1985 («Knie der Nation») und 1987 gewinnt er je zwei Goldmedaillen und dazu noch drei silberne. Und im vor-olympischen Winter 1986/87 staubt er fast alle Kristallkugeln ab: Die grosse für den Gesamtweltcup und die kleinen für die Siege in den Disziplinenwertungen für Abfahrt, Super-G, Riesenslalom und Kombination. Nur jene im Slalom geht an den Jugoslawen Bojan Krizaj.

Zurbriggens grösster Rivale in dieser Zeit kommt aus dem eigenen Lager: Peter Müller. Der Zürcher hat gegen die vielen Bergler – den Walliser Zurbriggen, den Bündner Dani Mahrer, den Toggenburger Karl Alpiger oder den Innerschweizer Franz Heinzer – oft einen schweren Stand. Müller ist unbeliebt, ein Aussenseiter, aber auf der Piste lässt er Taten sprechen. 1987 wird er bei den Schweizer Festspielen in Crans-Montana Abfahrts-Weltmeister, 1984 in Sarajevo holte er hinter Überraschungssieger Bill Johnson Olympia-Silber. Nun will «Pitsch» Müller Gold.

Der «eiserne Karl»: Trainerfuchs Karl Frehsner (rechts) bespricht mit Zurbriggen die Linienwahl. Bild: KEYSTONE

Der Adliswiler Müller hatte im Winter zuvor die Olympia-Hauptprobe auf der Piste in Nakiska gewonnen – vor Heinzer, Mahrer und Alpiger, Zurbriggen wurde nur 11. In den Trainings vor Olympia hinterlässt Zurbriggen jedoch einen bestechenden Eindruck. Er gilt als Topfavorit, als derjenige, den es zu schlagen gilt.

Auf jedem Abschnitt der Schnellste

Auf dem selektiven Kurs gelingt Zurbriggen dann tatsächlich auch im Rennen eine grandiose Fahrt. Sein «Meisterstück» nennt es die NZZ. Müller legt mit Startnummer 1 vor, jeder Gegner beisst sich an seiner Zeit die Zähne aus. Doch nun steht Zurbriggen im Starthaus. 3147 Meter trennen ihn von der Unsterblichkeit. 3147 Meter, auf denen Müller hoffen darf, dass seine Bestzeit vielleicht auch dem Angriff des Fanlieblings mit dem schwarzen Helm Stand hält.

Das Duell Zurbriggen vs. Müller aus der Perspektive des viertplatzierten Österreichers Leonhard Stock. Video: streamable

Doch Müller hofft vergeblich. Auf jedem einzelnen Streckenabschnitt ist Pirmin Zurbriggen der schnellste Fahrer: im steilen Gelände wie in den kurvenreichen Abschnitten und auf der Gleitpassage. Der an sich ruhige Zeitgenosse wirkt aggressiv wie nie, es gibt nur eines für ihn: Gold. Als die Uhr im Ziel bei 1:59,63 Min. stoppt, hat Zurbriggen sein grosses Ziel erreicht: Er ist Olympiasieger. Müllers Zeit unterbietet er um 51 Hundertstel. Kein anderer Sieg habe ihn mit derart tiefer Genugtuung erfüllt wie dieser hier, lässt der 25-jährige aus Saas-Almagell die Reporter wissen.

«Von so einer Fahrt habe ich schon als Kind geträumt. Jetzt habe ich mir diesen Traum verwirklicht. Olympia ist mehr als alles andere.»

Pirmin Zurbriggen blick

Die Medaillengewinner: Piccard, Zurbriggen und Müller (von links). Bild: KEYSTONE

Rücktritt schon mit 27 Jahren

Und Verlierer Müller? Den beobachten die Journalisten, wie er zerknirscht am Zaun lehnt, mit versteinerter Miene. «Im ersten Moment schien für ihn die Silbermedaille jeden Wert verloren zu haben», notierte die NZZ. «Mit zunehmender Dauer fand der Zürcher die Fassung, begann Freude zu zeigen.» Zu Recht, denn auch Müller liess die Konkurrenz weit hinter sich: Bronzemedaillen-Gewinner Franck Piccard aus Frankreich nahm er über eine Sekunde ab.

Nur einer ist an diesem Tag in Nakiska halt noch schneller: Der Ski-Nationalheilige Pirmin Zurbriggen, der 1990 als erst 27-Jähriger zurücktreten wird. Als Olympiasieger, vierfacher Weltmeister, vierfacher Gesamtweltcup-Sieger und Gewinner von 40 Weltcuprennen, als Sieger von Rennen in jeder Disziplin.

Legendär: Hans Jucker spricht Peter Müller im Interview als Pirmin Zurbriggen an (ab 2:07 Min). Video: YouTube/schnollede

Wie gut Zurbriggen war, verdeutlicht auch diese Tatsache: Als bislang einziger Skifahrer beider Geschlechter ehrte ihn die Vereinigung der Ski-Journalisten vier Mal mit dem «Skieur d'Or» für den herausragenden Athleten des Winters.

Zurück in Kanada: Vor den Spielen in Vancouver 2010 sind Maria Walliser und Pirmin Zurbriggen Fackelträger. Bild: PHOTOPRESS

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Die meisten Siege im Ski-Weltcup

Wenn Arbeitskollegen zu Rivalen werden

Video: srf/SDA SRF

29.12.2005: «Grüni» fehlen 100 Meter zur Sensation – nach einem Sturz beim Zielsprung rutscht er knapp an seinem ersten Weltcupsieg vorbei

15.01.2012: Biathlon-Göttin Magdalena Neuner verliert komplett den Überblick und ballert vier Schüsse auf die falsche Scheibe

04.03.2011: Northug vernascht die Schweden mit dem frechsten Zieleinlauf aller Zeiten

20.03.2005: Nach einer Kiste Bier und mit ganz viel Alkohol im Blut fliegt Janne Ahonen weiter als jemals ein Mensch vor ihm

12.02.2006: Die Ösi-Reporter reiben schon gierig die Hände – da klaut ein Franzose doch tatsächlich noch «ihr» Abfahrts-Gold

18.11.2006: Biathlet Björndalen, der Kannibale der Loipe, lässt das Gewehr daheim und triumphiert auch im Langlauf-Weltcup

10.01.2007: Rainer Schönfelder rast am Lauberhorn die längste Abfahrt der Welt nackt hinunter

02.02.2008: In ihrer ersten Abfahrt stürzt Lara Gut mit dem Sieg vor Augen – und wird Dritte

13.03.2008: Défago ist zwei Hundertstel zu langsam, Albrecht fährt zu schnell – und Cuche verliert die Super-G-Kugel um einen einzigen Punkt

18.01.1987: Pirmin Zurbriggen kommt zum billigsten Weltcupsieg – er ist der einzige Starter

10.02.2002: Simon Ammann, der voll geile Harry Potter der Lüfte, wird Olympiasieger

17.02.2006: Tanja Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», als Lindsey Jacobellis ihr Gold schenkt

15.03.2012: Die grosse Kristallkugel liegt für Beat Feuz bereit – doch er stürzt und Marcel Hirscher ist da, um zu erben

17.03.2012: Schiebermütze auf den Kopf, Holzlatten an die Füsse – Didier Cuche verabschiedet sich mit Stil

27.02.2010: Alles scheint nach dem Sturz verloren – da schwimmt sie einfach übers Eis und rettet Deutschland in den Final

06.02.1989: Eine deutsche Eintagsfliege vereitelt in Vail einen Schweizer Vierfach-Triumph und wird Abfahrts-Weltmeister

21.12.1998: Nie passt der Fan-Song «Immer wieder Österreich» besser als beim Ösi-Neunfachsieg

31.01.1987: So wie in Crans-Montana haben wir die Österreicher nie mehr paniert

03.02.2005: Bode Miller fährt die Kombi-Abfahrt auf einem Ski und wird Weltmeister der Herzen

18.12.2004: Abfahrer Kristian Ghedina kollidiert auf den letzten Metern beinahe mit einem Reh

14.02.1988: «Eddie The Eagle» begeistert die Welt: Mithüpfen ist wichtiger als gewinnen

23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

17.01.2010: Füdligate in St.Moritz – Bob-Weltmeisterin Gillian Cooke platzt am Start die Hose

25.02.1994: Am Ende strahlt die Schöne Nancy Kerrigan und das Biest Tonya Harding vergiesst bittere Tränen

06.01.2002: Sven Hannawald knackt in Bischofshofen seinen eigenen Schanzenrekord und holt sich als bisher einziger Springer den Tournee-Grand-Slam

06.03.1994: Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr nie mehr eine Skifahrerin

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

09.01.1954: Wie die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen zu ihrem Österreicherloch kam

12.03.2010: Carlo Janka schafft den Hattrick und holt sich nach WM-Gold und dem Olympiasieg auch den Gesamtweltcup

20.02.2014: Ein Sturz produziert das beste Fotofinish aller Zeiten – zumindest für Profiteur Armin Niederer

14.12.1997: Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg des Österreichers

Der Horrorsturz in Kitzbühel verändert das Leben von Dani Albrecht für immer

07.01.2007: Marc Berthod beendet beim Slalom von Adelboden mit Startnummer 60 und mit dem Lauf seines Lebens die grosse Schweizer Ski-Misere

29.01.2011: Im allerletzten Wettkampf setzt Sarah Meier ihrer Karriere die Krone auf

16.02.2002: Der krasse Aussenseiter Steven Bradbury schreibt das schönste Olympia-Märchen überhaupt 

09.03.2012: Ambrosi Hoffmann verkündet seinen Abschied und wir erinnern daran mit dem witzigsten Ski-Video der Welt

13.02.1998: Trotz seinem Jahrhundert-Sturz wird Hermann Maier noch Doppel-Olympiasieger

17.12.1993: Liechtensteiner gewinnt mit der 66 die verrückteste Abfahrt der Weltcup-Geschichte

01.02.1997 Nur Schweizer auf dem WM-Podest – aber diese Party endet im Fiasko

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Endlich die Krönung

Keine litt mehr als Gisin – der goldene Schlusspunkt einer unendlichen Verletzungsgeschichte

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127 Weltcuprennen, 3 Siege, 4 weitere Podestplätze. 10 WM-Rennen, keine Medaille. 2 Olympia-Rennen, keine Medaille. So lautete die magere Ausbeute von Dominique Gisin vor der grossen Befreiung von Sotschi. Endlich das erste Edelmetall bei einem Grossanlass. Bei Olympia, in der Königsdisziplin Abfahrt.

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